Schleswig-Flensburg : Baum-Tod: Wer zahlt den Schaden?

Trümmerfeld: Der Landesbetrieb Verkehr prüft jetzt die Möglichkeiten für Schadenersatz. Foto: Iwersen
Trümmerfeld: Der Landesbetrieb Verkehr prüft jetzt die Möglichkeiten für Schadenersatz. Foto: Iwersen

Bei der Baumvernichtung an der Betonstraße in Schleswig-Flensburg ist ein Schaden von 3,5 Millionen Euro entstanden. Ein gleichwertiger Ersatz ist nicht möglich.

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16. Februar 2011, 11:17 Uhr

Flensburg/Schleswig | Bäume in dieser Größe können nach Aussagen von Fachleuten nicht mehr verpflanzt werden. Dennoch sollen künftig wieder neue, kleinere Bäume gepflanzt werden, kündigte Karl-Heinz Roos, Leiter der für die Straße zuständigen Abteilung Flensburg des Landesbetriebes für Straßenbau und Verkehr, am Montag auf Anfrage an. Nach seinen Worten sind von 370 Bäumen entlang der Betonstraße 300 durch die zurückliegenden Bauarbeiten an den Wurzeln so stark beschädigt worden, dass sie zur Sicherheit des Verkehrs auf der Straße nur noch umgeworfen werden konnten. Nur durch diese Sofortmaßnahme habe eine Gefährdung von Autofahrern verhindert werden können.
Der eingeschaltet Sachverständige habe Schäden an den Wurzeln von 300 Bäumen festgestellt. Wer kommt jetzt für den Schaden auf uns in welcher Höhe schätzt ihn der Landesbetrieb ein? Karl-Hein Roos sagte, hier sei eine differenzierte Betrachtung notwendig. Jeder umgeworfene Baum werde auf eventuelle Vorschädigungen wie Fäulnis- oder Pilzbefall überprüft. Vielleicht dienten die Vorfälle ja der Verjüngung der Straßenbäume.
"Möglicherweise war das ein fauler Kompromiss"
Mit der Sanierung der Straße sei eine Verbreiterung um einen Meter verbunden gewesen. Um möglichst viele Bäume zu schonen, hätten sich Landesbetrieb und Baufirma um Kompromisslösungen bei der Neuanlage der Fahrbahn bemüht. Roos: "Möglicherweise war das ein fauler Kompromiss." Vielleicht wäre es zweckmäßiger gewesen, die Bäume abzuholzen, die Straße zu sanieren und danach wieder neue Bäume zu bepflanzen. Nur wäre ein Abholzen politisch gar nicht durchsetzbar gewesen.
Im Vertrag mit der Baufirma sei Baumschutz vereinbart, teilweise durch Schutzmaßnahmen, teilweise durch Ersatz von Maschinen durch Handarbeit. Die Schäden an den Bäumen sei nicht beabsichtigt, "das ist keine gute Sache". Für Roos steht fest: "Bäume kommen wieder hin", wie viele, mit welcher Größe und wo, müsse noch geklärt werden. Das gelte auch für den Schadenersatz.
Das genaue Alter wird durch Zählen der Jahresringe ermittelt
Bäume in dieser Größenordnung kann der Verursacher gar nicht ersetzen. Gestern lagen nur Schätzungen zum Alter der Pflanzen vor. Denkbar sei die Pflanzung mit Anlage der Straße in der NS-Zeit, etwa 1935, oder mit Verwirklichung des "Programm Nord" um 1955. Die Bäume sind entweder rund 60 oder etwa 80 Jahre alt. Das genaue Alter wird durch Zählen der Jahresringe ermittelt.
Bäume dieser Art - schwedische Mehlbeere - könnten in dem Alter nicht mehr ersetzt werden, erklärte auf Anfrage die Pinneberger Baumschule Lorenz von Ehren. Eine Verpflanzung sei maximal bis zu einem Alter von 40 bis 45 Jahren möglich. Ein Baum in der Größenordnung sei mit 12.500 Euro zu veranschlagen. Allerdings sei eine Menge von 300 Bäumen nicht auf einmal erhältlich.
"30 Kilometer Straße in nur elf Monaten? Das ist sensationell schnell"
Nach elfmonatiger Bauzeit war der 30 Kilometer lange Straßenabschnitt der Landesstraße 196 wenige Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres wieder für den Verkehr freigegeben worden. Die Sanierung der schwer verschlissenen Straße war ein Pilotmodell: Sie wurde nicht durch Behörden erledigt, sondern gegen einen Festbetrag - auch für die künftige Unterhaltung - in öffentlich-privater Partnerschaft an eine Privatfirma vergeben. Bei der Feier zur Freigabe hatte Landes-Verkehrsminister Jost de Jager die schnelle Bauzeit gelobt: "30 Kilometer Straße in nur elf Monaten? Das ist sensationell schnell." Baumpfleger erleben dagegen immer wieder, dass Zeitdruck bei Straßenbaumaßnahmen zu Beschädigungen an den Straßenbäumen führen - Baggerfahrer haben meist nicht die Zeit, auf die empfindlichen Wurzeln zu achten oder Handarbeit sei bei einem engen Zeitplan kaum zu leisten.
Der Leiter des Landesbetriebes Verkehr in Flensburg geht davon aus, dass in frühestens 14 Tagen die notwendigen Aussagen der Experten vorliegen, um eine Regelung des Schadens angehen zu können.

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