Landwirtschaftstag : Bauern wollen auch künftig Qualität produzieren

1100 Gäste folgten der interessanten Diskussion in der Holstenhalle. Foto: Marcus Dewanger
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1100 Gäste folgten der interessanten Diskussion in der Holstenhalle. Foto: Marcus Dewanger

Theoretiker und Praktiker diskutieren beim Landwirtschaftstag in Neumünster vor 1100 Teilnehmern Perspektiven der Landwirtschaft.

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21. März 2012, 12:26 Uhr

Neumünster | Der Landwirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken gestaltete sich nicht nur mit Blick auf die Zukunft des Berufs- und Wirtschaftszweiges der Bauern als thematisches Spannungsfeld. Gleich zu Beginn erwarteten gestern die etwa 1100 Landwirte in den Holstenhallen in Neumünster mit Spannung auch die Positionen der beiden Spitzenkandidaten zur Landtagswahl von CDU und SPD, Jost de Jager und Torsten Albig, zur aktuellen Situation und Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein.
So erfuhren die Bauern von Torsten Albig, dass immerhin ein Großvater Bauer gewesen ist und dass Jost de Jager als Junge Schafe und Hühner hatte. Während CDU-Spitzenkandidat Jost die Jager ein klares Bekenntnis für ein eigenes Landwirtschaftsministerium nach der Wahl aussprach, mochte sich Torsten Albig (SPD) nicht festlegen: "Wie die Ressorts aussehen, entscheidet sich nach den Koalitionsverhandlungen."
Einig waren sich indes beide, die Bedeutung der Landwirtschaft für Schleswig-Holstein zu betonen. Während Jost de Jager ein Bekenntnis zu leistungsfähigen landwirtschaftlichen Familienbetrieben abgab und als Erfordernis für die Weiterentwicklung als Unternehmen ein Beibehalten der Direktzahlungen für notwendig hält, wünschte sich Albig "mittelständisch geprägte Unternehmen, die mehr leisten als nur zu produzieren."
Einig waren sich beide Politiker auch darin, dass das Land nicht verknappt werden dürfe und die Energiewende nicht auf dem Rücken der Ernährung erzeugenden Landwirtschaft ausgetragen werden dürfe. Der Raum für Lebensmittel müsse erhalten bleiben.
Dass die Landwirtschaft ein Spannungsfeld in der nächsten Zeit bleiben werde, war Ergebnis der folgenden von Dietrich Holler geleiteten Diskussionsrunde. So forderte Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf, die Agrarbudgets für die Landwirtschaft beizubehalten, da viele Leistungen für die Gesellschaft erbracht würden, die diese von der Landwirtschaft erwartete. Bauernpräsident Werner Schwarz sagte, die Landwirtschaft käme aus der gesellschaftspolitischen Situation nicht heraus. Sie müsste auf die Bevölkerung zugehen. Stefan Vogel (Alfred C. Toepfer International) ist überzeugt, dass in Deutschland auch künftig Qualitätsware für den Weltmarkt produziert werde. EU-Kommission-Vertreter Professor Klaus-Dieter Borchardt forderte für Europa gleiche Standards für den ökologischen Fortschritt. Auf Kritik aus dem Plenum stieß er mit seiner Bemerkung, es gebe keine Kopplung zwischen der Begrünungs- und der Basisprämie, gleichwohl kündigte er an, es gebe, "falls die Landwirtschaft gar nichts macht, eine Sanktion, die über den Betrag der Begrünungsprämie hinausgeht".
Professor Folkhard Isermeyer sieht in der Bioenergie lediglich einen Übergang: "In 20 bis 30 Jahren sind die meisten Anlagen ohnehin abgeschrieben." Das Ziel müsse sein, den Wind im Norden und die Solarenergie im Süden zu installieren. Dabei müssten effiziente Netze ausgebaut werden. Hierzu forderte allerdings Werner Schwarz, beim Netzausbau dürften nicht die gleichen Ausgleichsmaßnahmen gelten wie beim Autobahnbau. Für seine Forderung nach frei verhandelbarer Position für die Landwirte erhielt er anhaltenden Beifall.
Als Ausweis für die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft führte Stefan Vogel den erfolgreichen Export von Schweinen aus dem Hochlohnland Deutschland in Niedriglohnländer an. Ihm nahm allerdings Werner Schwarz den Wind aus den Segeln. Die Gewinnmargen seien nur über die Menge gegangen, die Hochblüte des Expandierens sei erreicht. "Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern können wir aber mithalten."
Zum in der Öffentlichkeit viel diskutierten Thema Tierwohl sagte Professor Borchardt, was als veröffentlichte Meinung rüberkomme, entspräche selten der Realität. Werner Schwarz forderte seinen Berufsstand auf, zu informieren. Allerdings machte er auch keinen Hehl daraus, dass er von einem Journalisten erwarte, sich vorher zu informieren und dann zu schreiben. Ministerin Dr. Rumpf bezeichnete das Tierwohl nicht als eine Frage der Größe des Stalles, sondern als eine Frage des Managements. Die Priviligierung der landwirtschaftlichen Bautätigkeit solle bleiben.
Alle Gesprächsteilnehmer waren sich darin einig, dass es gelingen müsse, Marktveränderungen rechtzeitig zu erkennen, um verantwortungsvoll und schnell reagieren zu können.
Kai Schubert, Sprecher der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein verwies auf die langjährige Partnerschaft zwischen seinen Organisationen und der Landwirtschaft und bezeichnete diese als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung in Schleswig-Holstein. Der Anteil der land- und forstwirtschaftlichen Krediten an den Gesamtkrediten der VR-Banken betrage 15 Prozent.

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