Knick-Erlass : Bauern gegen Habeck: Knatsch am Knick

Im Herbst will er den Heckenwall auf den Stock setzen: Landwirt Peter Lucht  steht auf seinem Feld vor einem Knick. Foto: Michael Staudt
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Im Herbst will er den Heckenwall auf den Stock setzen: Landwirt Peter Lucht steht auf seinem Feld vor einem Knick. Foto: Michael Staudt

Landwirte machen Front gegen die neue Knick-Verordnung des Landes Schleswig-Holstein. Der Bauernverband prüft rechtliche Schritte gegen die Pläne der Landesregierung.

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15. Juli 2013, 07:24 Uhr

Rendsburg/Kiel | Bei den Bauern in Schleswig-Holstein kocht Unmut hoch. Grund ist der so genannte Knick-Erlass. Darin schreibt die Regierung den Bauern vor, dass sie das Land nur noch bis zu einer Entfernung von 50 Zentimetern zum Knickfuß bearbeiten dürfen. Außerdem müssen Knickgehölze vom halben Meter Saumstreifen an zurückgeschnitten werden.
Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) begründet die Knickverordnung mit dem Hinweis, Knicks gehörten zu Schleswig-Holstein und verliehen dem Land ein einzigartiges Gesicht. Dieser wertvolle Lebensraum werde gesichert. Zugleich sollten Beschränkungen für die Landwirtschaft "möglichst gering" bleiben.

Flächenstilllegung bei steigenden Lebensmittelpreisen

Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbandes, sagt: "Das entspricht bei 68.000 Kilometer Knick einer künstlichen Stilllegung von 5500 Hektar. Dieses Land kann jetzt nicht mehr bewirtschaftet werden. Wir leisten uns Flächenstilllegung und in anderen Regionen der Erde wird die Nahrung künstlich teurer." In der Folge müssten die Ärmsten der Armen mehr Geld für Lebensmittel ausgeben. Dies bezeichnete er als "sozialpolitisch frevelhaft".
In allen Kreisen des Landes denken die Bauern zurzeit über Protestaktionen gegen die Landesregierung und Landwirtschaftsminister Habeck nach. "Die Bauern werden sich zur Wehr setzen", sagt Peter Lucht. Dabei wird die Landesregierung noch etwas Luft haben, wie es heißt. Erst nach der Ferienzeit sollen die Protestaktionen richtig anlaufen mit dem Ziel, den Minister zu bewegen, die aus Sicht der Bauern einer Enteignung gleichkommende Verordnung wieder zurückzunehmen. Der Bauernverband prüft rechtliche Schritte gegen die Knickverordnung.

"Politik soll zusätzliches Geld in die Hand nehmen"

Das Argument der Regierung, die Landwirte erhielten öffentliches Geld und sollten dafür auch öffentliche Leistungen erbringen, lässt Lucht nicht gelten: Die Direktzahlungen seien zur künstlichen Stützung der Lebensmittelpreise gedacht. Es könne nicht sein, dass die Politik den Direktzahlungen immer wieder neue Namen gebe. "Wenn die Landesregierung will, dass wir zusätzlich etwas für die Umwelt tun sollen, muss sie dafür zusätzlich Geld in die Hand nehmen. Dann sind wir Bauern auch bereit, die Forderungen zu erfüllen. Als Unternehmer können wir aber nicht zulassen, dass immer häufiger Eingriffe in unser Eigentum vorgenommen werden."
Die Bauern werfen der rot-grün-blauen Landesregierung vor, freiwillige Vereinbarungen in Ordnungsrecht umzuwandeln. Diese Politik sei einseitig. Die nächsten Auseinandersetzungen kämen mit dem Dauergrünlanderhaltungsgesetz und den Regelungen für Gewässerrandstreifen auf Landwirtschaft und Landesregierung zu. Zudem merken die Bauern an, sie hätten seit Jahrhunderten die Knicks gepflegt und dafür gesorgt, dass darin Schutzzonen für Kleintiere geschaffen wurden. "Jetzt sollen wir bespitzelt werden, ob wir das so machen, wie sich das Landwirtschaftsminister Habeck vorstellt", fürchtet Peter Lucht eine Welle von Anzeigen und Denunziationen auf den ländlichen Raum zukommen.

"Ende der Artenvielfalt hat Ministerium zu verantworten"

Peter Lucht hat für seinen Betrieb in Mörel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Konsequenz aus der Knickverordnung gezogen. "Ab 15. Oktober werde ich die Knicks auf den Stock setzen." Das bedeutet, Büsche und Bäume so weit abzuschneiden, dass nur noch ein Teil der Stämme aus der Erde ragt. "Damit schütze ich mich vor Kontrollen und Anzeigen. Außerdem muss ich in den ersten Jahren danach nicht auf die zusätzlich vorgeschriebene 70-Grad Neigung achten."
Konsequenz sei, dass diese legale Vorgehensweise das Ende der Artenvielfalt in den Knicks bedeute. Aber das habe das Landwirtschaftsministerium zu verantworten, sagt Peter Lucht.

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