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Dithmarschen : Bauern erwarten gute Kohlernte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nächste Woche starten die "Dithmarscher Kohltage" - dann wird offiziell mit der Ernte begonnen. Bereits jetzt ist die Nachfrage aus Polen und Tschechien groß.

Kaiser-Wilhelm-Koog | „Wir haben eine gute Qualität, der Witterungsverlauf war in Ordnung“. Karl-Albert Brandt (59) steht auf seinem Kohlfeld im Kaiser-Wilhelm-Koog, schneidet einen prachtvollen Weißkohlkopf. Auch wenn die Ernte offiziell erst kommende Woche mit dem Start der „Dithmarscher Kohltage“ beginnt, der frühe Kohl wird bereits seit Ende Juli geschnitten und direkt ab Feld an die Gemüsehändler geliefert.

„Wir haben seit etwa drei Wochen eine starke Nachfrage aus Polen und Tschechien“, berichtet Kohlbauer Brandt. Zudem werden bereits die Frischemärkte sowie die Salat-Industrie bedient. Und auch zur Sauerkrautfabrik in Meldorf wird schon geliefert.

Derzeit erhalten die Landwirte für den Kohl ab Feld 15 Cent pro Kilo. „Das ist ein guter Preis“, freut sich Brandt. Als Vorsitzender des Vereins zur Förderung Dithmarschens engagiert er sich für die „Dithmarscher Kohltage“, die seiner Meinung nach eine tolle Werbung für ganze Region sind.

Wann und wo wird dieses Jahr der Kohl angeschnitten?

Der traditionelle Kohlanschnitt, mit dem die Dithmarscher Kohltage eingeläutet werden, findet am 17. September um 10 Uhr auf dem Hof der Familie Bock in Friedrichskoog statt. Kreispräsident Hans-Harald Böttger wird ihn vornehmen. Auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck wird dabei sein.

Was wird zu den Dithmarscher Kohltagen geboten?

Mehr als 50 Restaurants an der Nordseeküste bieten in der Zeit der Dithmarscher Kohltage (17. bis 22. September) Kohl in verschiedensten Variationen an – von der traditionellen Dithmarscher Kohlsuppe über moderne Kreationen mit Shrimps bis zu asiatischen Gerichten.

Zu den Besucher-Highlights des Ernteevents zählen die Bauernmärkte in Brunsbüttel, Büsum, Heide und Marne, wo Kohl in zahlreichen Variationen verkostet werden darf. In ausgewählten Bäckereien wird deftiges Kohlbrot gebacken und im Kohlosseum in Wesselburen erklärt ein Krautmeister, wie aus Kohl Sauerkraut wird. Die ehemalige Sauerkrautfabrik beherbergt eine Dauerausstellung über die Anpflanzung und Verarbeitung von Weißkohl und lädt während der Dithmarscher Kohltage zu Veranstaltungen rund um den Kohl und das Landleben ein.

Wie viel Kohl wird in Dithmarschen geerntet?

Die Kohlanbaufläche in Dithmarschen misst 2800 Hektar. Jedes Jahr werden darauf etwa 80 Millionen Köpfe pro Jahr geerntet.

Zwei Kohlregentinnen repräsentieren die Region Dithmarschen. Seit wann gibt es das Amt?

In diesem Jahr finden die 27. Dithmarscher Kohltage statt. Seit sie stattfinden, gibt es die Kohlregentinnen. Anfangs war es eine, dann wurden es zwei, weil das Pensum für eine alleine zu groß wurde.

Welche Voraussetzungen muss die Regentin mitbringen?

Sie muss sich in der Landwirtschaft, speziell mit Kohl, auskennen. Das Mindestalter liegt bei 18 Jahren. Bewerben können sich junge Frauen beim Dithmarschen Tourismus. Dort wird sie durch eine Jury ausgewählt.

Warum ist die Kohlregentin keine Kohlkönigin?

Adelige sind in Dithmarschen ein heikles Thema. Im Jahr 1500 in der Schlacht bei Hemmingstedt schlugen die Bauern mit Mistgabeln die Truppen des dänischen Königs in die Flucht. Die damalige Bauernrepublik hat ihre Eigenständigkeit behauptet. In Anlehnung an die Geschichte lässt sich der Kreis deshalb nicht von Königinnen repräsentieren.

Welche Aufgaben hat die Kohlregentin?

Kohl und die Region repräsentieren bei verschiedenen Events, auf denen sich der Kreis darstellt. Zu Königinnen- und Regentinnentreffen fahren sie und präsentieren den Kohl auf Plakaten und mittels anderer Werbung.

Wie lange dauert die Amtszeit der Kohlregentin?

Die Amtszeit einer Regentin dauert zwei Jahre. Jedes Jahr wird eine neue gesucht, denn der Beginn der Amtszeiten beider Regentinnen ist um ein Jahr versetzt.

 

Die fruchtbaren Marschflächen zwischen Eider und Elbe gelten als das europäische Kohlanbaugebiet schlechthin. Auf etwa 4000 Hektar wird hinterm Nordseedeich Kohl und anderes Gemüse angebaut, davon allein 1790 Hektar Weißkohl und 366 Hektar Rotkohl. Diese Zahlen sind in den vergangenen Jahren stabil geblieben, doch die Anzahl der Betriebe hat sich verringert. Waren es 1987 noch 320 Kohl- und Gemüsebauern, so sind es heute nur 210. Deutlich ausgebaut haben die Dithmarscher Kohlbauern in der Vergangenheit die Kapazitäten ihrer Kühlhäuser. Denn nur einer kleiner Teil der Ernte kann frisch vermarktet werden, der Großteil wird in Kühlhäusern gelagert und je nach Bedarf verkauft.

Für die Kohlbauern ist es jedes Jahr aufs Neue ein Risiko, sie wissen nie, ob sie ihre Ware zu einem vernünftigen Preis losschlagen können. Das hängt vor allem davon ab, wie die Ernte in den anderen europäischen Anbaugebieten gelaufen ist. So erzielten die Dithmarscher Bauern vor drei Jahren 40 Cent pro Kilo, in den vergangenen zwei Jahren aber nur acht Cent. Brandt: „Die Gemüsemärkte sind sehr schwankend. Wir wissen nie, was kommt. Der meiste Kohl wird auf dem freien Markt gehandelt, und der ist sehr hart.“ Aus diesem Grund seien Kohlbauern auch gut beraten, wirtschaftlich vorsichtig zu agieren – „wir müssen auch gute Kaufleute sein“.

Brandt selbst baut auf zehn Hektar Kohl an, für die Ernte beschäftigt er gemeinsam mit einem Kollegen acht polnische Helfer. Neben Polen sind auf den Feldern in Dithmarschen auch zunehmend Rumänen im Einsatz. Geerntet wird bis zum ersten Frost. „Mitte November sind die Kühlhäuser voll.“

Nicht nur die Qualität, auch die Ertragsmengen werden in diesem Jahr wieder gut sein. Dies liegt laut Brandt auch daran, dass selbst in trockenen Perioden wie in diesem Sommer die Pflanzen ausreichend Wasser bekommen. „Unsere Marschböden liegen nur einen Meter über dem Meeresspiegel, entsprechend hoch ist der Grundwasserstand.“ Hinzu kommt, so der Landwirt, dass stets eine frische Brise weht und die Pflanzen längst nicht so stark von Schädlingen befallen werden wie anderen europäischen Anbaugebieten. „Dithmarschen hat einzigartige Bedingungen für den Kohl.“

> Die 27. „Dithmarscher Kohltage“ starten Dienstag, 17. Februar, 9.30 Uhr, mit dem offiziellen Kohlanschnitt auf dem Hof von Telse und Rudolf Bock in Friedrichskoog.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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