Proteste : Bauern demonstrieren für stabilere Milchpreise

Bekommen Milchbauern genug für ihre Produkte? Nein, sagen die einen und demonstrieren in Brüssel. Ja sagen andere und verurteilen die Demonstranten.

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27. November 2012, 10:06 Uhr

Brüssel | Auch aus Schleswig-Holstein nahmen am Montag einige Milchbauern an der europaweiten Demonstration in Brüssel zum künftigen Milchmarkt und zur Preispolitik innerhalb der EU teil. Sie sind per Schlepper und Autobus dorthin gefahren. Kirsten Wosnitza, Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) schätzt, dass "drei oder vier Schlepper aus Schleswig-Holstein gestartet sind".
Um gleichbleibend gute Milchpreise für die Zukunft garantieren zu können, fordert die Landesvorsitzende einen "freiwilligen Mengenverzicht gegen Entschädigung, wenn der Milchmarkt kippt". Die Kostendeckung sei im Moment unbefriedigend. Ziel sei es, so der BDM, einen "kostendeckenden Milchpreis" zu ermöglichen, wozu "sinnvolle Marktregeln" beschlossen werden sollten, so in einer Pressemitteilung. Es komme auf das Zusammenspiel von Politik, Handel und Bauern an.

Bauernverband kritisiert BDM

Eine europäische Monitoring-Stelle solle Angebot und Nachfrage regeln. Zurzeit sieht Kirsten Wosnitza die Milcherzeuger gegenüber Verarbeitung und Handel in der schlechteren Marktposition. Die Milchproduktion werde sich negativ entwickeln, wendet sich die BDM-Landesvorsitzende gegen eine weitere Liberalisierung der Märkte.
Dem widerspricht Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbandes und selbst Milchviehhalter, entschieden: "Es geht dem BDM um den Systemwechsel hin zur Planwirtschaft. Der BDM will die Mengenregulierung beibe halten. Der weitaus größte Teil der 4500 Milchbauern in Schleswig-Holstein sehnt aber das Ende der Planwirtschaft herbei. Die Milchquote geht jetzt schon gegen Null. 2015 wird sie endlich ganz abgeschafft. Wir sollten keine neue Regelung einführen."

"Wir haben die besseren Produkte"

Auch sein Berufskollege Klaus-Peter Lucht, Milchviehhalter aus Mörel, erteilt den Forderungen, die von den Demonstranten in Brüssel erhoben werden, eine Abfuhr: "Es geht darum, dass wir die besseren Produkte haben, um auf dem europäischen Markt bestehen zu können. Statt nach Politikern zu rufen, sollen die Milchbauern ihre Meiereien zu mehr Flexibilität bewegen, zum Beispiel Auslandsmärkte mit eigenen Büros zu erschließen."
Trotz gestiegener Energie- und Futtermittelpreise sind für die meisten Milchviehhalter die Milchpreise ausreichend. Die EU hat sich in den vergangenen Jahren fast vollständig aus dem Milchmarkt zurückgezogen. Die Molkereien handeln mit dem Lebensmitteleinzelhandel die Preise aus oder geben ihre Produkte in den Export, der bei einer Wachstumsprognose bis 2020 mit einem Nachfrageplus von über 60 Prozent weltweit rechnet. "Was soll bei dieser Prognose eine Begrenzung?", fragt Lucht.
Seit die Politik nicht mehr in die Preisentwicklung eingreift, habe sich der Durchschnittspreis für die Milchbauern positiv entwickelt, das Auf und Ab der Preise sei allerdings ausgeprägter geworden, war aus Meierei-Kreisen zu erfahren. "Der Ruf nach der Rückkehr zur Regulierung der Preise durch die Politik kommt der Situation gleich, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben", mahnt Lucht.

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