Frühlingswetter : Bauern ackern im Akkord

Modernste Technik soll Zeitverlust wettmachen: Unter anderem mit dieser Direktsaatmaschine geben die Lohnunternehmer in diesen Wochen Gas, um Felder zu bestellen. Foto: LLU
Modernste Technik soll Zeitverlust wettmachen: Unter anderem mit dieser Direktsaatmaschine geben die Lohnunternehmer in diesen Wochen Gas, um Felder zu bestellen. Foto: LLU

Wegen des späten Frühlings müssen die Bauern innerhalb von drei Wochen die Saat ausbringen. Lohnunternehmer versprechen, die Straßen sauber zu halten.

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09. April 2013, 10:35 Uhr

Rendsburg | In den nächsten Wochen wird wieder munteres Treiben auf den Feldern vernehmbar werden. Niedrige Temperaturen, Eis, Schnee und Frost haben Bauern und damit den Lohnunternehmern einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Bleiben ihnen normalerweise acht Wochen bis etwa Ende April Zeit, um Gülle zu fahren und Mais und Rüben auszubringen, wird der gesamte Aufwand nun von etwa Mitte der Woche an in drei Wochen zu bewältigen sein, schätzt Jogi Blunk, Lohnunternehmer aus Rendswühren (Kreis Plön). Die Landwirte würden jetzt jeden Sonnenstrahl ausnutzen.

Das Reizwort "Mais" wird wohl wieder zu vielen Diskussionen in der Öffentlichkeit führen. Mit Entstehen der Biogas-Anlagen ist auch die Bedeutung von Mais gewachsen. Viele Landwirte bauen Mais an, um ihn für die Biogas-Anlagen zu verwerten. Je nach Witterung verschmutzen bei Ausbringung und zur Erntezeit die Nebenstraßen.

Weniger Maisanbaufläche

Der Bauernverband weist darauf hin, dass die Maisanbaufläche in Schleswig-Holstein trotz steigender Zahl an Biogasanlagen in den drei vergangenen Jahren von 194.400 auf 180.000 Hektar zurückgegangen ist. "Wir erleben hier eine Kehrtwende. Es wird weniger, nicht mehr Fläche", sagt Klaus Dahmke vom Bauernverband. Die Hälfte der Maisanbauflächen werde dabei für die Rinderfütterung benötigt.

Die Verärgerung von Bewohnern in den Dörfern bei der Ausbringung und besonders bei der Ernte des Maises sei für die Lohnunternehmer nachvollziehbar, deshalb sei Vorsorge getroffen, um Belastungen so gering wie möglich zu halten, sagte Eckhard Reese, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lohnunternehmer (LLU). So habe man sich freiwillig auf Tempo 30 in den Ortschaften geeinigt. Auf den Nebenwegen soll besondere Rücksichtnahme herrschen. Straßenverschmutzungen würden reduziert, wenn möglich schnell beseitigt werden. Im Lohnunternehmen von Jogi Blunk sind mehrere Fahrzeuge eigens dafür im Einsatz, um bei der Straßenreinigung zu helfen.

Arbeiten rund um die Uhr und am Wochenende

Aufgrund der lang anhaltenden niedrigen Temperaturen müssen die Feldarbeiten jetzt in verkürzter Zeit schneller bewältigt werden. So schätzt der Lohnunternehmer, dass teilweise rund um die Uhr gearbeitet werden muss, wohl auch an Wochenenden Einsätze folgen. "Deshalb bitten wir die Bewohner des ländlichen Raumes um Verständnis für diese erforderlichen Arbeiten", sagt Reinhard Hopp, Einsatzleiter Disposition im Lohnunternehmen Blunk. Abends und in den Nachtstunden wolle man die Arbeiten möglichst weit entfernt von den Dörfern verrichten, um die Geräuschkulisse so gering wie möglich zu halten.

Die lange Wartezeit bis zum Beginn der Arbeiten ist für viele Lohnunternehmer auch zum wirtschaftlichen Risiko geworden. Denn die Mitarbeiter mussten während der langen, unproduktiven Kälteperiode beschäftigt werden. Bei Blunk sind dies 100 feste Mitarbeiter, von denen bis zu 70 auf Traktoren eingesetzt werden. Ohne Neuanschaffungen werden in diesem Betrieb immerhin drei bis vier Millionen Euro jährlich an Investitionen getätigt.

Winter machte auch Wildschweinen zu schaffen

Mahnende Worte zur Maisausbringung sind vom Naturschutzbeauftragten des Landes, Dr. Holger Gerth, vernehmbar: "Ich wünsche mir, dass wir nicht so viele Mais-Monokulturen bekommen, der Roggen kann hier durchaus mit dem Mais konkurrieren." Aus Naturschutz-Sicht sei der Mais eine ökologische Falle, die Küken des Bodenbrüters Kiebitz verhungerten bei intensiver Bewirtschaftung. Der Naturschutzbeauftragte fordert Begrünungsstreifen mit heimischem Saatgut. Dem widerspricht teilweise der Vorsitzende des Landesjagdverbandes, Dr. Klaus-Hinnerk Baasch: "Bis der Mais keimt, ist es für die zweite Brut der Kiebitze relativ ruhig auf dem Acker."

Lösungsansätze, um Probleme zwischen Jägerschaft und Landwirten zu vermeiden, sieht Baasch in Blühstreifen und Bejagungsschneisen, die angelegt werden sollten. Vielleicht sei es sogar möglich, die Blühstreifen begehbar zu machen. Außerdem hätten wegen der lang anhaltenden Kälte die Wildschweine große Mühe gehabt, ihren Nachwuchs durchzubringen. Deshalb sei in diesem Jahr nicht mit großen Problemen wegen der Wildschweine auf Maisfeldern zu rechnen. Er riet den Landwirten, engen Kontakt zu den Jägern zu halten und Beobachtungen sofort zu melden. Im Übrigen sei die Zusammenarbeit zwischen den Jägern und der Arbeitsgemeinschaft Biogas, die auf die Maisernte angewiesen ist, sehr gut.

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