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Expansion : "Bandidos" eröffnen Bordelle in Hamburg

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Mit unfassbarer Brutalität bekämpfen sich verfeindete Rockergruppen im Land. Jetzt wollen die "Bandidos" auch in Hamburg Fuß fassen und dort ins Rotlicht- Geschäft einsteigen.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2010 | 11:24 Uhr

Neumünster / Hamburg | Die ersten Schritte ins Hamburger Rotlicht-Milieu sind bereits getan. Vor allem Frauen aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern schaffen seit einiger Zeit für die "Bandidos" an. Und in den Stadtteilen Jenfeld und Billstedt haben die "Banditen" Bordelle eröffnet.
Sehr zum Missfallen der rivalisierenden "Hells Angels", die in Hamburg in diesem Geschäftszweig seit Jahrzehnten etabliert sind. Deshalb haben die Höllen-Engel das Etablissement in Jenfeld bereits "aufgemischt". Für sie ist es eine Frage von Geld und Ehre, dass die "Bandidos" in Hamburg kein Bein auf die Erde bekommen. Immerhin wurde in der Hansestadt 1971 der erste deutsche Ableger (Charter) der "Hells Angels" gegründet. Und 1986 verboten: 13 Mitglieder der höheren "Angels"-Hierarchie waren wegen des brutalen Totschlags eines Discobetreibers auf Sylt verurteilt worden.
Monatlicher Umsatz: 150.000 Euro
Im Jahr 2000 übernahm Frank Hanebuth (45), der heutige Präsident der "Hells Angels" Hannover, das "Laufhaus" und das "Pascha". Der monatliche Umsatz der Bordelle soll sich auf 150.000 Euro belaufen haben. Weil aber seine Rocker etliche Frauen mit brutaler Gewalt zur Prostitution zwangen, verhaftete die Polizei die Führungsriege. Frank Hanbuth wanderte wegen schwerer Körperverletzung für drei Jahre ins Gefängnis. Heute kontrolliert "der Lange", wie er unter Rockern genannt wird, in Hannover das Party-Viertel am Steintor und pflegt ein Netzwerk von Geschäftsleuten und Politikern.
In Hamburg gibt es inoffiziell längst einen Nachfolger-Club der verbotenen "Hells Angels", der sich "Harbour-City" nennt. Dieses Charter wird nun auf die Expansionspläne der "Bandidos" reagieren müssen. Die "Hells Angels" in Schleswig-Holstein gründeten etliche neue Ableger, seit die "Bandidos" in Neumünster ein Chapter (Club-Standort) eröffneten. Die jüngste Neugründung ist ein Ortsverband in Lübeck.
In den Internetforen überschlagen sich die gegenseitigen Drohungen
Vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Gruppen war ein Axtangriff in Flensburg, bei dem acht "Bandidos" einen "Hells Angel" schwer verletzten. Der Mann (41), der die Axthiebe mit den Armen abwehrte, entließ sich nach kurzer Behandlung selbst aus der Klinik. Offenbar fühlte er sich dort vor möglichen weiteren Angriffen nicht sicher.
In den Internetforen der Rocker überschlagen sich seit dem Vorfall die gegenseitigen Drohungen. Viele "Hells Angels" drängen ihre Führungsebene zum Handeln. "Wann wird dieses feige Pack endlich zur Räson gebracht?", fragt ein Mitglied. Und Kieler Hooligans bieten den "Bandidos" ihre Unterstützung an: "Macht weiter so. Im Norden habt ihr mehr Freunde als alle denken." Für Verstärkung ihrer Anhänger haben die "Bandidos" allerdings bereits selbst gesorgt. Vor einigen Wochen riefen die "Banditen" in Neumünster eine Unterstützer-Gruppe ins Leben, den Motorradclub "Contras Neumünster". Das hat das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel bestätigt. Die Sonderkommission Rocker zählt damit in Schleswig-Holstein 70 Mitglieder zu den kriminellen Motorrad-Banden.
Rot angestrichen im Eskalationskalender der Polizei ist der kommende Sonnabend. Dann wollen die "Red Devils", das sind Unterstützer der "Hells Angels", in ihrem Clubhaus in Neumünster eine Party mit Live-Musik und Go-Go-Girls feiern. Erwartet werden zahlreiche große Brüder von den Höllen-Engeln. Und auch Gäste, die keine Einladung haben könnten kommen: die "Bandidos".

Axtangriff: Polizei sucht ZeugenAm Freitag (19. Februar) haben acht "Bandidos" in der Angelburger Straße der Flensburger Innenstadt ein Mitglied der "Hells Angels" überfallen. Tatzeit: 19.45 Uhr. Durch den Angriff erlitt der Mann schwere Abwehrverletzungen am Unterarm. Die Sonderkommission Rocker im Landeskriminalamt bittet Zeugen der Tat, sich unter Tel.: 0431-160 61112 zu melden.

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