CO2-Lagerung : Bald Kohlendioxid unter der Nordsee?

In verschiedenen Tiefen könnte die Einlagerung von CO2 möglich sein, glauben die Forscher. Die beiden rechts auf der Grafik zu sehenden Verfahren könnten auch in der Nordsee funktionieren. In größeren Tiefen (über 300 Meter) sei jedoch das Kohlendioxid sicherer gelagert, weil es fest werden könne.  Allerdings nehmen die Kosten für Bohrungen und Pipelines  stärker zu, je  weiter man von der Küste weggeht. Foto: Ifm Geomar
In verschiedenen Tiefen könnte die Einlagerung von CO2 möglich sein, glauben die Forscher. Die beiden rechts auf der Grafik zu sehenden Verfahren könnten auch in der Nordsee funktionieren. In größeren Tiefen (über 300 Meter) sei jedoch das Kohlendioxid sicherer gelagert, weil es fest werden könne. Allerdings nehmen die Kosten für Bohrungen und Pipelines stärker zu, je weiter man von der Küste weggeht. Foto: Ifm Geomar

Kieler Forscher untersuchen in einem neuen Projekt, wo es im Meeresboden von Nord- und Ostsee mögliche Einlagerungsstätten für CO2 gibt.

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07. Dezember 2010, 07:51 Uhr

kiel | Für Klaus Wallmann ist die Suche nach Lösungen für komplizierte Probleme Berufung. Kaum ist die Einlagerung von CO2 an Land in Schleswig-Holstein vorerst vom Tisch, suchen Forscher des Kieler Instituts für Meereswissenschaften (IfM Geomar) nach Möglichkeiten, um das lästige Kohlendioxid anders loszuwerden - eine "Verpflichtung", sagt Professor Wallmann. Denn heute weiß keiner, wo das CO2 endgelagert wird.
Wallmann forscht seit Jahren dazu, jetzt will er in dem ab März beginnenden millionenschweren internationalen Projekt "Eco2" herausfinden, ob das CO2 im Grund unter Nord- und Ostsee gelagert werden kann. "Viele Bereiche fallen von vornherein weg", sagt Wallmann. So etwa der Nationalpark Wattenmeer, dazu auch alle anderen Schutzgebiete oder solche Bereiche, in denen Offshore-Windkraftanlagen entstehen sollen. "Da bleibt von der deutschen Nordsee relativ wenig", sagt Wallmann. Auch die Bundsandsteinböden, in denen das CO2 gelagert werden könnte, und die auch schon in Nordfriesland untersucht werden sollten, finden sich vor allem weiter nördlich. Dort seien sie besonders mächtig, dazu gebe es wichtige Tonschichten zwischen dem Bundsandstein und dem Wasser, die verhinderten, dass das Kohlendioxid wieder austreten könne. "Wir müssen genau hinschauen, ob das alles sicher ist", sagt Wallmann, der darauf verweist, dass es in Norwegen und der Barentsee nördlich von Skandinavien schon heute Anlagen zur Einlagerung von CO2 gebe. "Die Technik ist da. Wenn man weiß, wo eine Einlagerung in der Nordsee möglich ist, könnte eine Umsetzung innerhalb eines Jahrzehntes realistisch sein", sagt Wallmann.
CO2 tritt an manchen Stellen auch aus
Allerdings gelte es, die Risiken genau herauszufinden - wie etwa die Auswirkungen auf Pflanzen- und Tierwelt. "CO2 tritt an manchen Stellen auch natürlich aus. Heute können wir sagen, dass manche Lebewesen sich anpassen und den Stress überleben, wenn sie genügend Nahrung finden. Ist das nicht der Fall, werden sie vertrieben." Das sei regional unterschiedlich und müsse genau erforscht werden. Dazu gebe es geologische Veränderungen im Meer, die etwa dafür sorgten, dass der Bundsandstein von Helgoland auch in Form der "Langen Anna" an die Oberfläche komme. Dort sei eine CO2-Einlagerung natürlich nicht möglich, sagt Wallmann. "Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es Gebiete in der Nordsee gibt, wo es möglich ist."
Damit wäre die Einlagerung von CO2 vor der Haustür der Schleswig-Holsteiner möglicherweise früher marktreif als die Forschung, an der Wallmann seit über zwei Jahren sitzt. In einem weltweit einzigartigen Projekt will der Kieler Forscher mit insgesamt über 100 Mitstreitern herausfinden, ob man bei der Rohstoffförderung und der Einlagerung von CO2 nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Denn die Forscher, die am nationalen Projekt "Sugar" (Submarine Gashydrat-Lagerstätten) beteiligt sind, prüfen derzeit, ob unterirdische Erdgaslager geräumt werden und gleichzeitig dort CO2 eingelagert werden kann. "Wir haben jetzt verschiedene Gebiete ausgemacht, an denen das möglich sein könnte", sagt Wallmann. Noch im Dezember wird ein Forschungsschiff ins Schwarze Meer aufbrechen und weitere Messungen vornehmen.
Die Konkurrenz aus Fernost ist groß
Unter den Meeren lagerten zehnmal so viele Gashydrate wie es weltweit an konventionellem Erdgas gebe, sagt Wallmann. Diese Gashydrate sind wegen ihrer Kristallform auch als brennendes Eis bekannt. Das Problem sei die Förderung. Denn die festen Hydrate müssten in Gas umgewandelt und dann an die Oberfläche transportiert werden. "Wir arbeiten an einem Weg, das mit geringem Energieaufwand zu bewerkstelligen", sagt Wallmann. Dazu müsse geklärt werden, wie das CO2 parallel zum Abbau in die Lagerstätten eingeleitet werden könne. Und neue Schiffe für den Transport müssten entwickelt werden. "Das ist alles technisch machbar", sagt Wallmann, der jetzt die zweite Phase seines 13-Millionen-Projektes beantragt, das zu 90 Prozent aus Mitteln des Bundes gefördert wird. In dieser dreijährigen zweiten Phase könnten auch erste Tests im Meer beginnen. Ende des Jahrzehnts könnte die Technik dann so ausgereift sein, dass gefördert werden kann. "Dann wird es auch für die Industrie attraktiv, der die Zeiträume jetzt noch zu lang sind", sagt Wallmann - allerdings sind schon jetzt die Energiekonzerne RWE und DEA an seinem Projekt beteiligt.
Allein: Die Konkurrenz aus Fernost ist groß. Japan fördere die Erforschung von Gashydrat-Vorkommen mit mindestens 500 Millionen Euro, auch Länder wie Vietnam, Taiwan und Süd-Korea brächten große Summen auf, um zu forschen. "Diese Länder haben sonst keinen Zugang zu Rohstoffen wie Gas, Kohle oder Öl", sagt Wallmann. Allerdings sei "Sugar" das einzige Projekte, in dem auch die Einlagerung von CO2 untersucht werde - allerdings nicht in Schleswig-Holstein. Unter Nord- und Ostsee gebe es kein förderfähiges Gashydrat. Wallmann: "Dafür sind die Meere zu flach."

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