Für mehr Sicherheit : Ausflugs-Dampfern droht 2014 das Aus

Beliebter Ausflugsdampfer auf der Schlei. Wird er 2014 noch fahren? Foto: Heggen
Beliebter Ausflugsdampfer auf der Schlei. Wird er 2014 noch fahren? Foto: Heggen

Die Regierung verschärft die Sicherheits-Auflagen drastisch: Ausflugsdampfer brauchen Panzerglas oder Bullaugen. Für viele Reeder ist das zu teuer.

Avatar_shz von
18. April 2013, 09:51 Uhr

Kiel | Bei Urlaubern an der Nord- und Ostsee stehen sie hoch im Kurs: "Tages-Kreuzfahrten" mit Ausflugsschiffen. In diesem Jahr werden viele Dampfer vermutlich zum letzten Mal fahren. Und bei denen, die bleiben, wird das Ticket teurer. Schuld daran sind Sicherheits-Auflagen. "Sie sind der Tod der Ausflugsschifffahrt", sagt Ansgar Stalder, Betriebsleiter der Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft. Für viele Reedereien seien die Umbaukosten einfach zu hoch.

Vom 2014 an müssen Ausflugsdampfer mit tiefliegenden Fenstern Scheiben aus Panzerglas haben. Alternativ können Bullaugen eingebaut oder Seeschlagblenden montiert werden. Automatische Sprinkleranlagen werden Pflicht, die Anforderungen für den Fall eines Wassereinbruchs wurden deutlich erhöht. "Künftig gelten Sicherheitsstandards wie auf Hochseeschiffen", klagt Bernd Appel, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Nautischen Vereins. "Das ist unsinnig und existenzbedrohend."

Stillgelegte Schiffe, Millioneneinbußen, Fahrpreiserhöhungen

Das Bundesverkehrsministerium hat das "Internationale Freibordabkommen" für die Ausflugsschiffe festgeschrieben, eine Richtlinie, die eigentlich für Schiffe auf Auslandsfahrt gilt - womit das deutsche Recht weit schärfer ist als das europäische. "Wir sind nicht begeistert, aber es hätte noch schlimmer kommen können", sagt Sven Paulsen, Chef von Adler-Schiffe auf Sylt. Paulsen saß für den Verband der Reeder in der Verhandlungs-Kommission. "Wir haben die Umrüstung erstritten. Ohne diesen Kompromiss wäre ein großer Teil der Ausflugsflotte 2018 komplett ausgemustert worden." Tatsächlich hätten von den etwa 70 Ausflugsschiffen an Nord- und Ostsee rund 40 stillgelegt werden müssen, wäre die Bundesregierung hart geblieben. Nun kommen auf die Reeder jedoch die Umbaukosten zu. "Von unseren 20 Schiffen sind 13 betroffen, wir rechnen mit mehr als zwei Millionen Euro", sagt Sven Paulsen. "Die Folge wird sein, dass wir die Fahrpreise erhöhen müssen."

Die Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft hat andere Konsequenzen gezogen. Ihre "Heikendorf", die im Sommer stets nach Eckernförde und Kappeln dampft, wird die Touren 2014 nicht mehr anbieten. Dabei haben auch die Kieler gekämpft. "Unser Ziel war eine Sonder regelung in Form einer Wetterbeschränkung. Das Schiff hätte ab Windstärke drei nicht mehr fahren dürfen, dafür wären dann die Auflagen entfallen." Geklappt hat das nicht. Nun kämpft nur noch der Nautische Verein. "Wir versuchen weiter, eine Lösung für die kleine Küstenschifffahrt zu finden", sagt Bernd Appel. "

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen