Kiel will 2,5 Millionen Euro zurück : Aus für Science Center

Am Tag nach dem Aus für das Kieler Science Center ist der Katzenjammer an der Förde groß.

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04. Juni 2009, 11:59 Uhr

Kiel | Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) reagierte verärgert: "Schwer nachvollziehbar" sei für ihn die Entscheidung der Fraktionen von CDU und SPD, das Maritime Erlebnismuseum nicht mit 18 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt zu fördern. "Sechs Jahre Arbeit und bald 2,5 Millionen Euro stecken in diesem Projekt, alle Fragen sind schlüssig beantwortet worden", sagte Todeskino. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauche das Land "mutige Signale für solch ein Leuchtturmprojekt". Der Bürgermeister erinnert daran, dass das Land das Maritime Science Center 2002 mit einer Studie angestoßen und in den Folge jahren auch immer wieder forciert habe. "Nicht zuletzt deswegen gilt seit 2005 die Zusage des Landes, die Bausumme mit 75 Prozent zu fördern."
In der Klemme steckt jetzt der neue Wirtschaftsminister Jörn Biel (CDU), der sich als Kieler Ex-IHK-Chef für das Projekt eingesetzt hatte und noch Mitte April per Brief die Zusage erneuerte. Todeskino: "Das war bereits der dritte Wirtschaftsminister, der uns die Förderung versprochen hat." Sollte Biel seine Zusage wirklich zurückziehen, werde die Stadt prüfen, ob sie dem Land die 2,5 Millionen Euro Entwicklungskosten in Rechnung stellt.
Begründung "mehr als merkwürdig"
Für den Kieler FDP-Landtagsabgeordneten Heiner Garg ist vor allem die Begründung für das Aus, die Finanzkrise, "mehr als fragwürdig". Zumal die für das Science Center vorgesehenen Mittel "nun nicht zur Haushaltskonsolidierung verwendet werden, sondern für andere - allerdings nicht benannte - Investitionsprojekte im Land ausgegeben werden sollen". Wenn Biel weiterhin davon ausgeht, dass das Science Center eine touristische Attraktion sei und von diesem Projekt regionale Effekte für Wachstum und Beschäftigung ausgehen, "dann muss er auch Farbe bekennen", so Garg.
Dass sich Biel tatsächlich über das Votum des Wirtschaftsausschusses hinwegsetzt, der mit CDU/SPD-Mehrheit am Dienstag das Projekt beerdigte, gilt als unwahrscheinlich. "Dann wären Neuwahlen fällig", wurde gestern im Landeshaus gemunkelt.
Enttäuschung auch bei Biels IHK-Nachfolger Rainer Bock. Die Entscheidung tue dem maritimen Standort Schleswig-Holstein "nichts Gutes". Beifall kommt hingegen aus Flensburg: Die dortige IHK begrüßt das Aus für das Kieler Science Center. Mit der Flensburger Phänomenta gebe es bereits eine seit Jahren erfolgreiche Institution zur wissenschaftlichen Bildung, die die Keimzelle aller Science Center in Deutschland sei. "Eine zweite Einrichtung mit dauer hafter staatlicher Unterstützung aufzubauen, würde eine unsinnige Konkurrenz zur Phänomenta bedeuteten", sagte IHK-Präsident Uwe Möser. Sinnvollerweise sollten die für Kiel vorgesehenen Mittel jetzt der Phänomenta zur Verfügung stehen.

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