Waltraud Wende : Aus für Dorfschulen: Ministerin fordert Verständnis

Für die Dorfschulen im Land brechen schwere Zeiten an. An einigen Standorten wird es zu Schulschließungen kommen.

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22. März 2013, 09:24 Uhr

Kiel | Für die Dorfschulen im Land brechen schwere Zeiten an. Da es laut Bildungsministerium bis 2020 in Schleswig-Holstein 50.000 Schüler weniger geben wird als heute, werde es logischerweise an dem ein oder anderen Standort auch zu Schulschließungen führen müssen, erklärte Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) am Donnerstag im Landtag. 16 Außenstellen unterschreiten heute schon die Grenze von 44 Schülern, die Wende als Mindestgröße vorgegeben hat. "Wir haben Angst, dass diese Außenstellen geschlossen werden", sagt CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen, die mit einem Antrag scheiterte, den bedrohten Schulen zwei Jahre Bestandsschutz zu gewähren. Die Koalition beschloss, "dass kleine Grundschulstandorte keine Sonderzuschläge in der Personalzuweisung erhalten, die zu Lasten anderer Schulstandorte gehen". Wende will demnächst auf einer Themenkonferenz "Die Schule im Dorf" den schwierigen Prozess gemeinsam mit den Betroffenen gestalten und voranbringen.

Protest kam vom Netzwerk Dorfschulen in Schleswig-Holstein. Deren Vorsitzende Sandra Neukamm sagte: "Wir brauchen ein Moratorium bis zum neuen Schulgesetz." Es sei keinesfalls bewiesen, dass große Schulen auch zwangsläufig günstiger seien. "Frau Wende hat schon mit Außenstellen mit 44 Schülern Bauchschmerzen. Wir wollen weg von Zahlen hin zu vernünftigen pädagogischen Konzepten."

Die Ministerin forderte "kommunale Verantwortungsgemeinschaften" aus Kindergärten, Vereinen und der Kirche. Die könnten den Veränderungsprozess konstruktiv begleiten und vor Ort neue Bildungsstrukturen entwickeln. Für Sandra Neukamm ein Lippenbekenntnis: "Niemand darf sich aus der Verantwortung stehlen. Das Land ist in der Pflicht gute Bildung in den Dörfern möglich zu machen." Bisher habe sie viele freundliche Worte gehört. "Aber in der Sache hat sich nichts verändert."

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