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Schauspiel-Erfolg in den USA : Aus Bollingstedt in SH zum „Boardwalk Empire“

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In ihrer Kindheit lebte Christiane Seidel in der schleswig-holsteinischen Provinz – jetzt ist sie in der beliebten US-Serie „Boardwalk Empire“ als Schauspielerin erfolgreich. Martin Scorsese persönlich wählte sie aus.

Christiane Seidel lebt in verschiedenen Welten. Die eine spielt in den 1920er Jahren. Dort ist sie ein norwegisches Kindermädchen mit dem Namen „Sigrid“, das zur Prohibitionszeit in den Vereinigten Staaten versucht, den amerikanischen Traum zu leben. Mit allen Mitteln – notfalls auch auf Kosten eines kaltblütigen Mords mit einem Fleischklopfer. Natürlich ist es eine fiktive Welt. Es ist eine Rolle in der preisgekrönten US–Fernsehserie „Boardwalk Empire“.

Christiane Seidel lebt selbstverständlich aber auch in der Realität. Obwohl sie manchmal noch nicht ganz glauben kann, was gerade passiert: Dass sie auf dem Weg in die Welt der großen Schauspielerei ist. Christiane Seidel hat in Amerika Fuß gefasst. In einer unglaublich hart umkämpften Branche.

Im realen Leben der rotblonden Schauspielerin gibt es so manche Nuance, die auch im Fernsehen gut abzubilden wäre. Als Tochter eines deutschen Marine-Kampfpiloten und einer Dänin wurde sie in Texas geboren. Sie hat also gleich drei Staatsangehörigkeiten. In allen drei Ländern lebte sie auch jeweils für längere Zeit. Ein Umstand, der ihrer Karriere sehr zu Gute kommt. Einerseits ist sie viel durch die Welt gekommen, andererseits verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in ländlichen Regionen. Aus der Provinz auf die große Bühne Amerikas.

Auch durch Schleswig-Holstein führt Christiane Seidels Biografie. Mitte der 80er Jahre lebte sie in Bollingstedt im Kreis Schleswig-Flensburg. Drei bis fünf Jahre war sie damals alt. Ihr Vater war Marineflieger in Eggebek. „Das war eine schöne Zeit damals“, sagt sie. Unbeschwert. Ihre beste Freundin lebte in dem kleinen Ort nur eine Straße weiter. An den Kindergarten hat sie gute Erinnerungen. Als Familie Seidel später in Niedersachsen lebte, fuhren sie häufiger auf dem Weg zu den Verwandten nach Dänemark am alten Haus vorbei. „Von daher habe ich noch gute Erinnerungen.“ In Tarp ging sie damals zum Ballett – was heute zur Grundausbildung jeder Schauspielerin gehört. Schleswig-Holstein also als Wiege ihrer Karriere? Sie lacht. „Ja, genau.“ Sie ist Profi, weiß mit den Medien und dem Rummel umzugehen. In New York hat sie sich mittlerweile daran gewöhnt, dass der rote Teppich, Presse und Charity-Veranstaltungen zu ihrem Leben dazugehören.

Die Schauspielszene ist schnelllebig. Erste Erfolge bedeuten nicht zwingend eine Star-Karriere. Doch Christiane Seidel ist sich bewusst: Es ist gut möglich, dass ihre Rolle in „Boardwalk Empire“ das Sprungbrett zu Höherem für sie bedeutet. „Natürlich hilft der Name hinter einem solchen Projekt“, sagt sie – und ergänzt: „Ich bin unfassbar dankbar für diese Chance.“

Hinter der Serie, die in Amerika auf dem Bezahlsender HBO und in Deutschland auf Sky ausgestrahlt wird, stehen prominente Namen: Hollywood-Legende Martin Scorsese ist Produzent, Steve Buscemi spielt die Hauptrolle, mittlerweile verkörpert Christiane Seidel die Ehefrau an der Seite eines Alkoholschmugglers, der von Oscar-Kandidat Michael Shannon gespielt wird. Scorsese persönlich wählte sie für die Rolle aus. „Damit habe ich nie im Leben gerechnet“, sagt sie, um dann für eine Sekunde aus ihrer deutschen in die amerikanische Welt zu wechseln. Der entsprechende Anruf sei eine „out-of-body-experience“ gewesen.

In der zweiten Staffel wurde sie eigentlich nur für eine kleine Gastrolle engagiert, nun ist sie ein sogenannter „fester, wiederkehrender Charakter“ des Emmy und Golden Globe prämierten Gangsterdramas. Drei Staffeln hat sie schon überlebt – und das obwohl Mord und Totschlag wie selbstverständlich zur Serie gehören. Den norwegischen Akzent, der ein wichtiges Merkmal ihrer Rolle einnimmt und der gemeinsam mit den Dialogen der Eheleute etwas Komik in die sonst sehr harte und auch brutale Themen bringt, hat sie sich mühsam antrainieren müssen. Geschrieben seien die norwegische und die dänische Sprache sehr ähnlich, der Akzent und wie es ausgesprochen wird, aber sehr unterschiedlich, berichtet die Schauspielerin. Und dennoch gibt es einen großen gemeinsamen Nenner. „Dieses skandinavische Grundgefühl ist in mir drin, von daher ist das total toll, es so ausleben zu können.“

Ab 7. September ist die fünfte und finale Staffel in Amerika zu sehen. In Deutschland bereits in der Originalfassung einen Tag später über den Streamingdienst Sky Go. Die synchronisierte Ausstrahlung erfolgt dann im Dezember. Derzeit hat Christiane Seidel Drehpause, die sie unter anderem auch ein paar Tage an der Flensburger Förde verbrachte. Wenn sie in die Studios mit den aufwendig und teuer produzierten Kulissen der 20er Jahre zurückkehrt, wird sie wie üblich von der Filmgesellschaft zur Arbeit abgeholt. Das hat sie sich erarbeitet. Dabei wohnt Christiane Seidel unweit der Studios im New Yorker Stadtteil Brooklyn. An manchen Tagen, beispielsweise zu einer Anprobe, fährt sie auch mal gerne mit dem Fahrrad. Da sind sie dann wieder, selbst in der Realität: Die zwei Welten im Leben der Christiane Seidel.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 16:04 Uhr

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