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Friedrichskoog : Auf Trischen drängeln sich die Ringelgänse

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Jedes Frühjahr ist Deutschlands Nordseeküste Schauplatz eines imposanten Vogel-Spektakels: Zehntausende Ringelgänse unterbrechen ihren Zug in die nordischen Brutgebiete für eine wochenlange Rast im Wattenmeer. Besonders beliebt bei den Vögeln ist die Insel Trischen.

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erstellt am 27.Apr.2014 | 15:12 Uhr

Friedrichskoog | Auf der Nordsee-Insel Trischen drängeln sich zurzeit die Ringelgänse. Der Vogelwart auf dem kleinen Eiland vor Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) schätzte die Zahl der arktischen Brutvögel auf rund 1500 Tiere. Sie fressen sich Fettreserven für ihren 4000 Kilometer langen Flug in den Norden an. Den kurzen arktischen Sommer in der Tundra Nordwestsibiriens - dem Gebiet der Taimyrhalbinsel - werden sie nutzen, um ihre Eier auszubrüten und die Küken aufzuziehen.

Wenn die Ringelgans das Wattenmeer Ende Mai verlässt, muss sie mindestens 1,6 Kilogramm auf die Waage bringen - so schwer, dass sie kaum noch vom Boden abheben kann. Doch Ringelgänse sind Vegetarier: „Wer schon einmal versucht hat, nur von Salat satt zu werden und dabei auch noch zuzunehmen, weiß, dass man da ganz schön viel fressen muss“, erklärte Gnep. Daher sind die Gänse im Wattenmeer täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang mit Fressen beschäftigt.

„Ringelgänse sind Meister darin, ihre Nahrungsquellen nachhaltig zu nutzen“, erläuterte der Vogelwart. So fressen sie grundsätzlich nicht die ganze Pflanze, sondern knabberten nur den äußersten Zipfel. In ihm speichert die Pflanze die meisten Nährstoffe. Außerdem kann die Spitze sich sehr schnell regenerieren. „Eine abgeerntete Fläche wird daher auch erst nach drei bis vier Tagen wieder aufgesucht, wenn die Pflanzentriebe wieder etwas nachgewachsen sind“, sagte Gnep.Wenn die Ringelgänse ihre Brutgebiete Anfang bis Mitte Juni erreichen, liegt dort oft noch Schnee. Sie verlassen den hohen Norden schon nach acht bis neun Wochen, wenn ihre Jungen Flügge sind. Den Rest des Jahres verbringen sie in den „Winterquartieren“ oder auf dem Weg dorthin. „Man kann also darüber diskutieren, wo diese Art eigentlich zu Hause ist: Ob in der Arktis oder zum Beispiel bei uns im Wattenmeer“, sagte der Trischener Vogelwart.

Ringelgänse bauen ihre Nester möglichst in der Nähe der Horste von Schneeeulen. Die wehrhaften Greifvögel vertreiben mit ihren scharfen Krallen erfolgreich hungrige Polarfüchse und Eismöwen auf der Suche nach Beute. Ihre eigene Brut füttern die Eulen hauptsächlich mit Lemmingen. Gibt es weniger Lemminge, interessieren sich die Eulen auch vermehrt für Ringelgansküken. Der Bruterfolg der Ringelgänse ist also ganz entscheidend vom Bestand der Lemminge abhängig, sagte Gnep. „Letztes Jahr scheint ein recht ordentliches Brutjahr gewesen zu sein, denn der Jungvogelanteil liegt auf Trischen momentan bei etwa zwölf Prozent.“

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