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Strandsegeln : Auf drei Rädern hart am Wind

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Der weite Strand vor St. Peter-Ording ist die Heimat der Drachen, der Segel und flatternden Fahnen. Wer hierher kommt, will mit dem wilden Wind spielen.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2011 | 09:21 Uhr

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Barbara Starke (45) aus Hamburg ist Strandseglerin. "Nichts ist atemberaubender als dieser Sport. Weil du so dicht über dem Boden liegst, spürst du jede Sekunde die Kraft deiner Geschwindigkeit", sagt sie. Profis wie Starke jagen bei ihren Wettkämpfen mit 120 Kilometern pro Stunde über den Strand. Dazu nutzen sie speziell verkleidete Segler, die "Formel 1"-Wagen dieses Sports.
Heute wählt Barbara Starke einen "Promo", einen Strandsegler mit einer offenen Sitzschale. Über ein Dutzend davon liegt auf dem Gelände des Vereins Nordwind Wassersport bereit. Sie fischt ein Segel (5,5 qm Fläche) aus einer Kiste und stülpt es über den Mast. "Es ist ein Sport, der wirklich leicht zu erlernen ist", sagt Starke. Und viel Kraft brauche man auch nicht, versichert sie, um den Segler dann am Vorderrad einige hundert Meter über den Strand zu ziehen.
Der Helm, den Barbara Starke aufsetzt, ist Pflicht. Sie legt sich in die Sitzschale. Unter dem Segel hängt waagerecht eine Stange, der Baum. Daran befestigt ist eine Leine zum Bedienen des Segels, Schot genannt. Starke zieht daran, nimmt Fahrt auf und rauscht über den Sand. Ein Hinterrad hebt vom Boden ab, ihr kleiner Flitzer wird noch schneller, driftet besser als jeder Sportwagen um die Kurven. Das Prinzip des Strandsegelns ist einfach: Wird die Schot straff gezogen, steigt die Strömung am Segel, und wie bei einer Tragfläche entsteht ein Vortrieb. Durch Nachlassen wird der Druck vermindert, der Wagen wird langsamer. Gelenkt wird der Strandsegler mit den Füßen. Diese drehen das Bugrad.

Immer die Augen offen halten
Übung ist trotzdem enorm wichtig. "Eine richtige Bremse gibt es nämlich nicht", erklärt Starke. Und in Panik mit den Füßen stoppen zu wollen, wäre eine schlechte Idee: Die Beine könnten unter die Achsen geraten.
St. Peter-Ording ist das Strandsegelrevier Schleswig-Holsteins. Zwölf Kilometer ist der Strand lang, bis zu zwei Kilometer breit. Hinter den Dünen ist der Sand noch weich, zum Wasser hin wird er fester. Dort sind zwei Plätze für Strandsegler reserviert: die "Regattabahn A" zwischen den Pfahlbauten, den Wahrzeichen des Ortes, und die "Regattabahn B" auf der Sandbank. St. Peter-Ording ist allerdings auch das größte Seebad Deutschlands. Entsprechend groß ist das Gewusel am Strand. "Trotz der Absperrungen verirren sich immer wieder Spaziergänger auf unsere Bahnen", sagt Starke. "Als Strandsegler muss man deshalb immer die Augen offen halten. Und Touristen, die in unser Revier laufen, sprechen wir höflich an und erklären ihnen die Gefahren."
Wie kam die Hamburgerin zum Strandsegeln? "Vor drei Jahren habe ich einen Schnupperkurs gemacht, wenig später dann schon den Pilotenschein. Seitdem bin ich fast jedes Wochenende hier." Mittlerweile segelt Starke auch Regatten. "Anfangs ist es faszinierend, Kilometer um Kilometer über den Strand zu gleiten, der ja jede Stunde sein Gesicht verändert. Irgendwann aber will man sich messen, sucht den Wettkampf." Beim Strandsegeln fahren Männer und Frauen gemeinsam.
Barbara Starke arbeitet als Immobilienkauffrau, doch das Strandsegeln ist längst mehr als ein Hobby. Gemeinsam mit ihrem Freund gibt sie Kurse für Urlauber und Einheimische. Überwiegend sind es übrigens gesetztere Semester, die Strandsegeln möchten. Das Interesse bei Jugendlichen ist geringer. Denn es gibt starke Konkurrenz: die Kite-Surfer. Der Trendsport, bei dem Lenkdrachen den Surfer auf einem Board über das Wasser ziehen, begeistert Jugendliche wegen seiner Vielzahl an Sprüngen und Tricks. Barbara Starke schielt zu den Drachen hinüber, die auch in St. Peter-Ording in großer Zahl über dem Wasser schweben. "Das würde mich auch reizen", gibt sie zu.

Strandsegeln in St. Peter-Ording

Der Verein Nordwind Wassersport bietet in St. Peter-Ording Schnupperkurse an. Sie dauern drei bis vier Stunden und kosten 99 Euro. Ein Jeep zieht die Teilnehmer in den Segelwagen zu Übungsparcours auf dem Strand. Dort werden die wichtigsten Manöver (Wende, Halse, Kreuzen gegen den Wind und Stoppen) geübt. Das Mindestalter beträgt zehn Jahre.

Wer Strandsegeln zu seinem festen Hobby machen möchte, belegt den Grundkurs Strandsegeln. Er dauert acht bis zehn Stunden, verteilt auf zwei Tage und kostet 199 Euro. Am Ende des Kurses kann der Teilnehmer schon selbstständig über die Sandbänke von St. Peter-Ording fahren. Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre.

Nach acht Praxisstunden im Logbuch kann der Pilotenschein des Deutschen Seglerverbands erworben werden. Dieser Kurs umfasst 12 bis 14 Stunden, verteilt auf drei Tage, kostet 249 Euro und endet mit einer praktischen und theoretischen Prüfung. Das Mindestalter ist 14 Jahre.

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