Baderuper auf den Barrikaden : Auf der Schattenseite des Solarparks

Sind in Sorge, dass sie bald nur noch Spiegel statt grüner Wiesen sehen: Brunhilde Grunenberg, Jörg Kranz und Maren Scholtyssek (v.l.) aus Barderup. Im Hintergrund soll bis kurz vor den Wohnhäusern ein kleinerer Teil des 54 Hektar großen Solarparks entstehen. Foto: Windmann
Sind in Sorge, dass sie bald nur noch Spiegel statt grüner Wiesen sehen: Brunhilde Grunenberg, Jörg Kranz und Maren Scholtyssek (v.l.) aus Barderup. Im Hintergrund soll bis kurz vor den Wohnhäusern ein kleinerer Teil des 54 Hektar großen Solarparks entstehen. Foto: Windmann

Sonnenenergie vor der Haustür? Barderuper Familien gehen gegen Pläne der Gemeinde Oeversee vor. Sie will an der A7 auf über drei Kilometern Länge Photovoltaikanlagen errichten.

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14. Juli 2011, 11:22 Uhr

oeversee | Auf der einen Seite die Autobahn 7, auf der anderen, nur knapp 150 Meter entfernt, die Bahnstrecke Flensburg-Neumünster: Verkehrslärm gehört dazu, wenn man in Barderup-Nord zu Hause ist. Das nehmen die Bewohner der gut 25 Häuser des kleinen Oeverseer Ortsteils - wenn auch widerwillig - nun schon seit 30 Jahren hin. Dass ihre Siedlung nun aber auch noch von einer dritten Seite aus eingekesselt werden soll, das lässt dann allerdings doch den einen oder anderen Geduldsfaden der Anwohner reißen. Denn vielleicht noch in diesem Jahr soll in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft mit dem Bau eines Solarfeldes begonnen werden, das in seinen Dimensionen landesweit seinesgleichen sucht: insgesamt 54 Hektar groß mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von knapp 3,5 Kilometern.
Inzwischen hat sich in Barderup-Nord und auch im benachbarten Ort Barderup selbst (insgesamt leben dort über 300 Menschen) eine Widerstands-Front gegen die Pläne der Gemeinde Oeversee gebildet. "Insbesondere stinkt es uns, dass wir erst so spät in die Pläne eingeweiht wurden. Es ist eine Sauerei, wie respektlos mit uns Anwohnern umgegangen wird", beschwert sich etwa Jörg Kranz. Denn erst Anfang Juni hatte die Gemeinde offiziell zu einer Informationsveranstaltung für Mitte Juni eingeladen. Seitdem liegen im Amt die Pläne für den Solarpark öffentlich aus. "Und in diesen Unterlagen ist ersichtlich, dass alle beteiligten Behörden bereits im April zu Stellungnahmen aufgefordert wurden. Wir wussten von nichts", sagt Werner Gewohn.
Grasende Kühe und Pferde müssten weg
Neben der aus ihrer Sicht unbefriedigenden Informationspolitik der Gemeinde kritisieren die Gegner des Solarparks in erster Linie auch dessen Ausmaße und die räumliche Nähe zu ihren Wohnhäusern. "Heute grasen auf diesen Flächen Kühe und Pferde. Die müssen dann weg - und mit ihnen die Wiesen. Dabei will man als Anwohner doch zumindest ein bisschen das Gefühl haben, dass es hier noch Natur gibt", sagt Brunhilde Grunenberg, die zudem beklagt, "dass Gemeinde und Landbesitzer von dem Projekt finanziell profitieren, während unsere Immobilien durch die Nähe zu diesem Riesen-Solarpark an Wert verlieren. Das ist dreist hoch drei - und sorgt zudem für Streit im Dorf!"
Gänzlich verhindern, das betonen die Anwohner, wollen sie das ambitionierte Bauprojekt dennoch nicht. "Aber es muss in einem gesunden Rahmen bleiben. Wir fordern mehrere kleinere Solarfelder, die sich besser in die Landschaft integrieren", erklärt Maren Scholtyssek. Auch über die Höhe der Anlagen, die bei 2,80 Metern liege, müsse noch einmal diskutiert werden.
"Ich verstehe die Sorgen der Anwohner"
Oeversees Bürgermeister Hans-Heinrich Jensen-Hansen hat den Unmut aus Barderup derweil deutlich vernommen. "Ich verstehe die Sorgen der Anwohner, und wir haben bereits einige ihrer Bedenken in unsere Planungen einfließen lassen", sagt Jensen-Hansen. So würde der Solarpark nicht - wie ursprünglich geplant - bis auf 50 Meter an die Wohnhäuser in Barderup-Nord heranreichen, "sondern erst nach 150 Metern hinter einem Knick beginnen". Zudem habe man bereits vor einem Jahr eine offizielle Solarflächen-Eignungsplanung vornehmen lassen. Schon damals sei klar gewesen, dass das Gebiet rund um Barderup besonders prädestiniert für ein solches Projekt ist. (Zum Hintergrund: Laut Erneuerbare Energiengesetz (EEG) sind Solarflächen, die zwischen Autobahn und Eisenbahnstrecke liegen, förderungswürdig.)
"Man kann also darüber streiten, ob wir zu spät informiert haben. Als jetzt Betreiber und Landeigentümer überein gekommen und alle Rahmenbedingungen abgeklopft worden sind, haben wir gleich die Öffentlichkeit informiert", sagt der Bürgermeister, der sich in einigen Jahren "erhebliche Gewinne für die Gemeinde durch die Gewerbesteuer" erhofft. Vorausgesetzt, der Betreiber der Anlage behält seinen Sitz in Oeversee. "Das ist eine Bedingung, die wir als Gemeinde stellen", betont Jensen-Hansen, der das Projekt insgesamt "auf einem guten Weg" sieht.
"Am 16. August soll der Satzungsbeschluss gefasst werden. Damit würde dann das Baurecht entstehen. Und von den Trägern öffentlicher Belange gibt es bislang wenig Bedenken", sagt der Bürgermeister, der zwar betont, dass er den Protest der Anwohner durchaus positiv aufnehme. Gleichzeitig macht er aber auch klar: "Es gibt keine Bauprojekte, von denen niemand betroffen ist. Und die Flächen, die wir dort an der Autobahn haben, bieten landesweit einmalige Voraussetzungen für ein solches Projekt."
(wim, shz)

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