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Wohnmobil-Stellplatz : Auf Augenhöhe mit den dicken Pötten

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Der neue Wohnmobil-Park mit Kanalblick ist ständig belegt. Die Betreiber haben Grund zur Freude - wäre da nicht der Ärger mit der Campingplatz-Verordnung.

Heinz Krutzki steht seinen Gästen gerne mit Rat und Tat zur Seite, sollte es mal nicht mit der Entsorgungsstation klappen, dem Stromanschluss oder mit dem Einparken in die schlanken Parkbuchten. Aber auch für "Recht und Ordnung" fühlt er sich verantwortlich auf dem Mitte Mai neu eröffneten Wohnmobilstellplatz von Schacht-Audorf. Ein ordnendes Auge tut durchaus wohl, denn dieser direkt am Nord-Ostsee-Kanal gelegene "Urlaubsort" hat sich binnen weniger Wochen zu einem der Top-Reiseziele für Wohnmobil-Touristen entwickelt.

Regelmäßig muss Platzverwalter Krutzki daher das Besetzt-Schild raus hängen und Neuankömmlinge freundlich abweisen. Was diese nicht immer fröhlich stimmt, da auch die umliegenden Plätze in Rendsburg (Untereider), Büdelsdorf (Am Naturerlebnisbad), Schachtholm (Flughafen) und Sehestedt (am Kanalufer) oft voll belegt sind.
Der Wohnmobilhafen in Rendsburg boomt
Stellplatzbetreiber Bernd Eichstedt vom Caravanpark Spannan in Osterrönfeld ist begeistert vom schnellen Erfolg der neuen Anlage in Schacht-Audorf. "Unsere Gäste kommen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland, verbringen schöne Tage auf der Bel Etage am Nord-Ostsee-Kanal, genießen den guten Service und haben rundherum etliche Attraktionen, die per Bus oder Fahrrad leicht zu erreichen sind."
"Die Kanalregion würde noch wesentlich mehr Wohnmobiltouristen anlocken, wenn qualitativ gute Park- und Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden wären", ist Norbert Treu überzeugt. Er hat erst vor wenigen Wochen am Flugplatz Schachtholm einen Stellplatz in direkter Kanallage eröffnet. Einen Boom beobachtet auch Katrin Eckstein vom Wohnmobilhafen in Rendsburg.
Von Campingplatzverordnungen und vertrackten Klauseln
Bereits im Jahr 2004 eröffnet, verzeichnet der Platz kontinuierlich steigende Buchungszahlen. "Unsere Gäste kommen beinahe aus ganz Europa, sind überwiegend auf der Durchreise, interessieren sich hier in Rendsburg vor allem für den Nord-Ostsee-Kanal und die Schwebefähre", erläutert Katrin Eckstein.
Als Haupthinderungsgrund für die zügige Ausweisung neuer Reisemobilstellplätze entpuppt sich zunehmend die schleswig-holsteinische Campingplatzverordnung, die keinen Unterschied in Planungsverfahren und baulichen Vorgaben zwischen einem Campingplatz und einem Wohnmobilstellplatz macht.
Jedoch hat das eine wenig mit dem anderen zu tun, da Reisemobile logistisch autarke Freizeitfahrzeuge sind, für die bereits eine gewalzte Wiese als Stellfläche ausreicht, und deren Besatzungen nicht zwingend Sanitär- und Geschirrspülräume oder befestigte Wege benötigen. Dennoch muss ein komplettes Bauleitverfahren mit entsprechend hohen Kosten durchgezogen werden, selbst wenn es sich nur um besagte Wiese handelt.
Wenns nicht passt, rollen die Wo-Mo-Besitzer einfach weiter

Rund sechseinhalb Jahre hat daher auch der Bau des neuen Wohnmobilstellplatzes in Schacht-Audorf vom ersten Gemeinderatsbeschluss bis zu seiner Eröffnung gedauert. Der Stellplatz am Flugplatz in Schachtholm musste zwischenzeitlich – die Ersteröffnung war bereits 2007 – wegen behördlicher Auflagen wieder geschlossen werden und darf zurzeit nur in eingeschränktem Umfang genutzt werden.
Doch Wohnmobil-Besatzungen sind Spontan-Touristen. Wird keine angemessene Infrastruktur in attraktiver Lage angeboten, dann werfen sie die Motoren an und rollen anderen Reisezielen entgegen.
(whe, shz)

Wohnmobiltourismus liegt im Trend: Wohnmobile und Kreuzfahrtschiffe gehören zu den einzigen Tourismussegmenten, die deutlich im Steigflug begriffen sind. Dass die Deutschen zu einem Volk von Wohnmobilfahrern geworden sind, lässt sich am Ergebnis einer Studienarbeit der Universität Trier ablesen. Hiernach sind rund die Hälfte aller in Europa betriebenen Wohnmobile in Deutschland registriert – zurzeit rund 900.000 Stück.
Top-Ziel: Das liebste Reiseziel deutscher Wohnmobilbesatzungen ist Deutschland. Am häufigsten angesteuert wird die Mosel-Region. Das ist zum einen sicher der schönen Landschaft und dem Weinbau geschuldet, zum anderen aber wohl auch der in Deutschland führenden Wohnmobil-Infrastruktur. Kaum ein Ort, der nicht über einen gut ausgestatteten Stellplatz verfügt.
Der Norden: Zweitliebste Ziele der Womo-Besatzungen sind die Nord- und Ostsee, wobei die Kanalregion da durchaus zugezählt werden kann. Bemerkenswert ist allerdings, dass laut einer repräsentativen Befragung die Moselregion bei den motormobilen Touristen auch als reisemobilfreundlichste Region Deutschlands gilt. Norddeutschland landete jedoch in dieser Disziplin weit abgeschlagen auf einem hinteren Platz. (whe)

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erstellt am 02.Aug.2011 | 10:37 Uhr

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