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Inspektion der Kavernen : Atommüll im AKW Brunsbüttel wird überprüft

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Unter dem Kernkraftwerk Brunsbüttel gibt es sechs Kammern, in denen radioaktiver Abfall lagert. Die Fässer in einer dieser so genannten Kavernen werden ab heute inspiziert.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 12:29 Uhr

Brunsbüttel | Für längerfristige Aufbewahrung sind die Kavernen nicht gedacht gewesen – und doch kommt Betreiber Vattenfall nicht drum herum. In sechs Kammern unter dem AKW Brunsbüttel lagern 631 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Mit einer extra angefertigten kleinen Kamera werden die Gefäße in Kaverne 4 seit heute auf ihren Zustand überprüft. Vor zwei Jahren hatte der TÜV Nord ein stark korrodiertes Abfallfass entdeckt. Schleswig-Holsteins Reaktorsicherheitsbehörde, angesiedelt im Ministerium von Robert Habeck (Grüne), hält es für wahrscheinlich, dass weitere Fässer so stark von Rost befallen sind, dass sie nicht mehr ohne weiteres angehoben werden können.

Das Energiewendeministerium in Kiel fordert Vattenfall deshalb auf, auf Basis der Inspektionsergebnisse eine wirksame Bergungseinrichtung zu konstruieren. „Mit einer solchen Einrichtung sollen auch stark verrostete Fässer angehoben und deren Inhalt in sichere Behältnisse umgepackt werden“, sagt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel.

In Containern sollen die Abfälle in ein Endlager gebracht werden, das jedoch noch nicht in Betrieb ist. „Die Kavernen waren konzeptionell zunächst nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen. Die Fässer sollten nach Schacht Konrad als bundesweitem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden“, erklärt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. Schacht Konrad in Salzgitter sollte eigentlich Mitte bis Ende der 90-er Jahre fertiggestellt werden. Aktuell rechnet das Bundesumweltministerium mit einer Inbetriebnahme zwischen 2021 und 2025.

Die Inspektion der Kavernen im AKW Brunsbüttel werde laut Vattenfall mehrere Wochen dauern. „Die Fässer werden mit der Spezialkamera von allen Seiten überprüft und deren Zustand wird protokolliert“, sagt Kühberger. Gleichzeitig wird auch das Bauwerk mithilfe der Kamera inspiziert. Aufgehängt an der Kavernen-Decke lässt sie sich um 360 Grad drehen und ermöglicht es laut Kühberger somit, die Fässer aus allen Perspektiven sehr detailliert zu prüfen (siehe Grafik oben).

In einer Kaverne waren nach Angaben der Kieler Atomaufsicht im Jahre 2012 bis zu 500 Millisievert Strahlenbelastung je Stunde gemessen worden. Ein Arbeitnehmer in einem Kernkraftwerk darf maximal 20 Millisievert Strahlung im Jahr ausgesetzt sein. Die Kieler Reaktorsicherheitsbehörde betonte, aufgrund der Ergebnisse der Strahlenschutzüberwachung stehe fest, „dass es bisher zu keiner Gesundheitsgefährdung für das Personal oder die Bevölkerung gekommen ist“.

Unabhängig von den Kavernen unter dem Kernkraftwerksgebäude befindet sich ein gesondertes Gebäude auf dem Brunsbütteler AKW-Gelände zur Lagerung von Castoren mit hoch radioaktivem Müll. In der politischen Diskussion ist, Castoren mit Abfällen aus deutschen Kernkraftwerken aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) oder Sellafield (England) in Brunsbüttel aufzunehmen. Schleswig-Holstein hat sich unter Bedingungen dazu bereiterklärt, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

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