Castortransport : Atommüll: Breitner bereitet Polizei vor

Bereiten sich auf den Atommüll vor: Innenminister Andreas Breiter und der leitende Polizeidirektor Joachim Gutt. Foto: Kay Müller
Bereiten sich auf den Atommüll vor: Innenminister Andreas Breiter und der leitende Polizeidirektor Joachim Gutt. Foto: Kay Müller

Bis zum Sommer steht fest, ob Atommüll aus Sellafield nach Schleswig-Holstein transportiert wird. Innenminister Breitner will dann vorbereitet sein.

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13. April 2013, 10:50 Uhr

Brunsbüttel | Es wäre das erste Mal. Noch nie sind Atommülltransporte aus dem britischen Sellafield fast nur auf dem Seeweg nach Deutschland in ein Zwischenlager gebracht worden. "Man hat das Risiko gescheut, weil man den Untergang fürchtete", sagt Joachim Gutt am Donnerstag in Brunsbüttel und runzelt die Stirn. Der Leitende Polizeidirektor ist sich der Doppeldeutigkeit seines Satzes bewusst. Denn schon bald wird klar sein, ob das, was er mit Kollegen aus der Polizeidirektion Itzehoe und Innenminister Andreas Breitner (SPD) in der Station in Brunsbüttel besprochen hat, Wirklichkeit wird.

Bis zum Sommer wird feststehen, ob Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) mit seinem Plan durchdringt und in zwei Jahren Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken aus der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield nach Schleswig-Holstein transportiert wird. Altmaier hat angeregt, dass alle 21 Castoren statt wie geplant ins niedersächsische Gorleben nun nach Brunsbüttel gebracht werden. Das schleswig-holsteinische Kabinett hat zugesagt, einen Teil des Mülls zu nehmen, wenn noch mehr Bundesländer als Baden-Württemberg ebenfalls nuklearen Schrott zwischenlagern. Die hatten das allerdings verweigert.

"Kein Geld, kein Transport"

"Es ist Altmaiers Aufgabe, einen nationalen Konsens zu erzielen", sagt Breitner. Wie groß die Chancen sind, kann der Minister nicht sagen. Doch wenn in Brunsbüttel Atommüll angelandet wird, will Breitner darauf vorbereitet sein. "Es gibt keine Lage, der sich die Polizei in Schleswig-Holstein nicht stellen wird", sagt der Innenminister. "Aber wir brauchen die Hilfe von außen." Das wären bei einem Castortransport zumindest mehrere Hundertschaften aus anderen Ländern. Dazu müssten verschiedene Polizeibehörden den Schutz des Transports auf See koordinieren. Das alles will Breitner nicht bezahlen. "Kein Geld, kein Transport." Schließlich sei Schleswig-Holstein kurz vor einer Haushaltsnotlage und spare schon massiv öffentliche Stellen ein.

Breitner hatte schon vor längerem auf die Kosten verwiesen, die dem Land Niedersachsen mit dem Castor-Transport nach Gorleben von 2011 entstanden waren: 25 Millionen Euro. Über 20.000 Beamte waren damals im Einsatz. So viel seien in Brunsbüttel wohl nicht nötig, hatte Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch in Kiel verlauten lassen. Und auch Breitner rechnet nicht damit, dass Brunsbüttel Gorleben als neues "Kristallisationsprojekt der Anti-Atomkraftbewegung ablösen wird. Aber ich weigere mich, das zu verniedlichen." Sonst werde die Herausforderung der inneren Sicherheit in Schleswig-Holstein auf dem Rücken der Polizeibeamten ausgetragen. Breitner: "Und das werde ich nicht zulassen."

Brunsbüttels Vorteile

Und deswegen geht der Minister mit den Polizisten in Brunsbüttel Szenarien durch, studiert Luftbilder und unterhält sich mit den Beamten über deren Ängste und Bedenken. "Es ist aber zu früh, um über Truppenstärken oder Kosten zu sprechen", sagt Polizeidirektor Gutt. Das werde man angehen, wenn man wisse, dass tatsächlich Atommüll angelandet werde.

Die Vorteile an Brunsbüttel sieht nicht nur Altmaier, sondern auch Gutt. Denn die Strecke vom Elbehafen bis ins Zwischenlager auf dem Gelände des Kernkraftwerks ist nur rund zwei Kilometer lang und ließe sich leichter schützen als allein auf den rund 20 Kilometern, die die Castoren auf Lastwagen vom Bahnhof in Dannenberg bis ins Zwischenlager nach Gorleben zurücklegen müssten. "Doch nur weil Brunsbüttel besser liegt, ist das kein Argument den gesamten Atommüll dorthin zu bringen", sagt Robert Habeck.

Ob der strahlende Abfall wirklich dort landet, bleibt unklar. Gelingt keine schnelle Einigung mit den anderen Bundesländern und dem Brunsbütteler Zwischenlager-Betreiber Vattenfall, wird der Atommüll 2015 wie geplant auf dem Landweg nach Gorleben gebracht - und gehen an Brunsbüttel vorbei.

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