Spezial-Spürhund : "Assar" wittert den Schimmel

Super-Nase: 'Assar' in Aktion mit seinem Herrchen Klaus-Peter Böge. Foto: Kröger
Super-Nase: "Assar" in Aktion mit seinem Herrchen Klaus-Peter Böge. Foto: Kröger

"Assar" ist ein Spezialist auf vier Beinen. Taucht in Wohnungen Schimmel auf, klopft er mit der Pfote. Ein Erfolgsrezept.

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23. August 2009, 06:04 Uhr

Lübeck | "Assar" ist ein freundlicher Hund. Schwanzwedelnd beschnuppert er die Besucher; dann aber - Dienst ist Dienst - konzentriert er sich auf seine Aufgabe. Ein knappes Kommando seines Besitzers Klaus-Peter Böge und schon beginnt die Suche. Wenn der Hund mit der Pfote klopft, dann ist der Fall "hundertprozentig" (Böge) klar. "Assar" ist ein Schimmelspürhund und über die deutschen Grenzen hinaus im Einsatz.
Hunde als Helfer bei der Schimmelsuche - was in Schweden seit 20 Jahren üblich ist, spricht sich auch in Deutschland als erfolgreiche Methode herum: "Hunde haben eine 42 Mal empfindlichere Nase als Menschen", sagt Böge (60). Der Umweltingenieur und vereidigte Sachverständige für Messung und Beurteilung von Schadstoffen in Innenräumen macht seit mehr als 20 Jahren Jagd auf die Krankmacher in Wohn- und Schlafzimmern - und seit er "Assar" an seiner Seite hat, mit einem Sinn mehr. Der ehrgeizige Spaniel wittert die Ausgasungen lebender wie abgestorbener Bakterien und Pilze. Was ihn aber unschlagbar macht, ist, dass er im Gegensatz zu technischen Messgeräten nicht nur das Vorhandensein eines gefährlichen Befalls anzeigt; "Assar" signalisiert vor allem, wo sie zu finden sind. Das erspart den Sanierern langes Suchen - und den Hausbewohnern unnötig große Baustellen. Etwa 1000 Mal ist Assar schon erfolgreich gewesen. Geirrt hat er sich noch nie. "Er war der erste Schimmelspürhund, der in Deutschland im Einsatz war", sagt Böge. Der bislang erfolgreichste dürfte er allemal sein.
Der Hund musste umschulen
"Auf den Hund gekommen" ist Böge, Gründer und Betreiber der Schimmel- und Wohngift-Ambulanz Deutschland, vor zehn Jahren. "Assar", inzwischen zwölfeinhalb Jahre alt, stammt aus Schweden und wurde dort auch als Spürhund ausgebildet - zunächst als so genannter Bombenhund. Weil er aber laute Geräusche nicht ertragen kann, schulte er um. 30.000 Euro zahlte Böge für den Spezialisten auf vier Pfoten, und er gesteht: "Wir mussten uns erst zusammenraufen" - heißt: Die beste Hundeausbildung ist nur so gut wie das Zusammenspiel mit dem Menschen; und wie in jeder Beziehung müssen beide Seiten die Kommunikation miteinander erst lernen. Nach zehn Jahren "Beziehungskiste" sind die Rollen klar verteilt: "Ich bin für ihn das Alpha-Tier", sagt Böge. "Ich gebe die Arbeits-Kommandos." Entsprechend tut "Assar" auch nur bei Böge seinen Dienst. Den allerdings tut er gerne - nicht nur, weil er anschließend belohnt wird. "Assar" ist ein sehr arbeitsfreudiger Hund", sagt sein Herr. "Das Aufspüren von Schimmel ist für ihn ein Suchspiel."
Oftmals Helfer in gesundheitlicher Not
Der Mensch erinnert sich noch gut an seinen "schwierigsten Fall" aus der Kennenlernphase: "Da zeigte "Assar" in einem Zimmer Schimmel an, zu finden war aber nichts. Der Hund ließ sich von seiner Meinung aber nicht abbringen. Sein schwedischer Trainer half mir dann bei der Lösung: Das Haus war mit einer Warmluftheizung ausgerüstet, und die pustete die Sporen überall herum. "Assar" und Böge haben reichlich zu tun, denn ausgerechnet die immer perfekteren Isolierungen sorgen neben Energie-Einsparungen auch für die üblichen guten Bedingungen zur Schimmelbildung: Frischluftwechsel reduziert sich auf einen Bruchteil, im bleibend feucht-warmen Klima finden Pilze optimale Bedingungen.
Für Böges Kunden erweist sich "Assar" oft als Helfer in gesundheitlicher Not. Atemwegsprobleme, Augenreizungen, häufige und lang anhaltende Infekte, Nebenhöhlenreizungen, Gliederschmerzen gehören zu den häufigsten von Schimmelbefall ausgelösten Krankheitsbildern - und wenn sich schnell herausstellt, dass versteckte Pilze die Verursacher sind, haben die Betroffen oftmals "Glück". Wo Messungen manchmal unvollständig bleiben, kommt "Assar" - Diensteifer und Hundekuchen sei Dank - garantiert zum Ergebnis. "Und das meistens schneller und billiger", sagt Böge: Die technische Raumluftmessung kostet 220 Euro, den Schnupper-Einsatz gibt es ab 50 Euro. Den feuchten Nasenabdruck gibt es kostenlos dazu.

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