Jahrestreffen der dänischen Minderheit : Årsmøde in Flensburg: Daniel Günther und Lars Løkke Rasmussen feiern Grenzfrieden

<p>Fahnenträger führen den Umzug durch die Innenstadt, hier Toosbüystraße.</p>

Fahnenträger führen den Umzug durch die Innenstadt, hier Toosbüystraße.

Der große Treffen der Südschleswiger endet am Sonntag mit Feierlichkeiten und Worten des Zusammenhalts.

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03. Juni 2018, 16:38 Uhr

Flensburg | Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) haben die Minderheitenpolitik auf beiden Seiten der Grenze als vorbildlich gelobt. „Heute feiern wir die dänische Minderheit in Deutschland“, sagte Rasmussen am Sonntag in Flensburg, wo er und Günther am traditionellem Årsmøde teilnahmen, dem Jahrestreffen der Dänen in Schleswig-Holstein. Die Art, wie Deutschland die dänische Minderheit und Dänemark die deutsche Minderheit behandele, sei beispielhaft für den Rest der Welt. „Wir haben gezeigt, dass wir in dieser Grenzregion friedlich leben können.“ Und zwar mit Vorteilen für alle, sagte Rasmussen am Vormittag nach einem Treffen mit Ministerpräsident Günther.

„Wir sind stolz auf die Minderheitenpolitik beider Seiten der Grenze“, betonte Günther. Er erinnerte daran, dass die Grenze zwischen den beiden Ländern 1920 nach einer Volksabstimmung gezogen worden sei, ohne Krieg. „Und das, was daraus gewachsen ist, was wir heute vorfinden, macht uns stolz.“ Es könnte ein Zeichen für ganz Europa sein, wie Grenzen auch gezogen werden könnten. Günther sagte, er sei froh und stolz, dass Rasmussen zum Jahrestreffen nach Schleswig-Holstein gekommen sei. „Das ist ein großartiges Zeichen, dass der Regierungschef selbst mit dabei ist.“ Mit der Teilnahme Rasmussens in Flensburg ist erstmals seit zwölf Jahren wieder ein dänischer Regierungschef zum Årsmøde gekommen.

<p>Daniel Günther trägt den obligatorischen Dannebrog-Sticker auf der Brust.</p>
dpa

Daniel Günther trägt den obligatorischen Dannebrog-Sticker auf der Brust.

Am Mittag sagte Rasmussen bei der Festveranstaltung im Norden Flensburgs an die Mitglieder der dänischen Minderheit gewandt: „Ihr seid Brückenbauer.“ An den Wurzeln festzuhalten bedeute nicht, Angst vor der Welt zu haben. Andere Grenzregionen seien Peripherie - das sei hier nicht so.

Bei ihrem Treffen am Vormittag haben Rasmussen und Günther über aktuelle Fragen gesprochen – etwa über die feste Fehmarnbeltquerung, die Grenzkontrollen und die Pläne Dänemarks, zum Schutz vor der afrikanischen Schweinepest einen Zaun entlang der Grenze zu errichten. Dieser soll Wildschweine davon abhalten, nach Dänemark zu kommen.

Rasmussen versicherte nach dem Gespräch vor Journalisten, der Zaun sei kein neuer Grenzzaun, sondern solle nur zum Schutz vor der Schweinepest dienen. Er geht davon aus, dass es im Parlament eine große Mehrheit für das Vorhaben geben wird. Die Abstimmung darüber sei am Montag. Dänemark befürchtet als großer Schweineproduzent großen wirtschaftlichen Schaden, wenn die Schweinepest ausbrechen sollte.

Günther betonte, für Schleswig-Holstein sei klar, dass mit dem Zaun ausschließlich das Problem der Schweinepest in den Griff bekommen werden soll. Die Art, wie Dänemark das Problem in den Griff kriegen wolle, respektiere er. „Wir glauben, dass die Übertragung eher auf anderem Weg kommen wird als ausgerechnet über die Schweine. Aber das ist eher ein fachlicher Unterschied.“ Auch über die Grenzkontrollen sei gesprochen worden, sagte Günther.

Er wünsche, dass Grenzkontrollen kein Dauerzustand seien. Aber auch Deutschland kontrolliere seine Grenzen im Süden, daher habe er Verständnis, dass Dänemark dies ähnlich handhabt. Aber er wünsche sich, „dass wir zu Schengen zurückkommen“.

Rasmussen betonte, er sehe dies ähnlich. Aber unglücklicherweise gebe es in Europa die Terrorgefahr und die Flüchtlingskrise. Und dies seien die Gründe, warum Dänemark wie auch Deutschland und andere Länder ihre Grenzen kontrollierten.

Insgesamt feierte die dänische Minderheit ihr Jahrestreffen seit Freitag auf mehr als 40 großen und kleinen Veranstaltungen im Landesteil Schleswig. Bis Sonntag wurden mehr als 20.000 Teilnehmer zu dem vom Südschleswigschen Verein organisierten Treffen erwartet, das neben Großveranstaltungen wie in Flensburg auch Grillabende und kleinere Feste für Familien beinhaltete. Das Jahrestreffen - dänisch Årsmøde - wurde zum ersten Mal 1921 gefeiert. Der dänischen Minderheit werden im Norden Schleswig-Holsteins etwa 50 000 Menschen zugerechnet.

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