422 freie Stellen : Arbeitslose Erzieher wollen nicht in Kitas

Alltag in der Kita: Einer Erzieherin schaut mit Kindern ein Bilderbuch an. Foto: dpa
Alltag in der Kita: Einer Erzieherin schaut mit Kindern ein Bilderbuch an. Foto: dpa

776 Erzieher in Schleswig-Holstein suchen einen Job, 422 Stellen in Kitas sind im Moment nicht besetzt. Aber Träger und Erzieher kommen oft nicht auf einen Nenner.

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07. Juli 2013, 04:39 Uhr

Kiel | Die "Elmschlinge" in Kiel, der "Püschenwinkel" in Eckernförde oder die "Stoppelhopser" in Elmshorn - alle suchen Erzieher. Kein Wunder - überall im Norden entstehen neue Kitas. Denn ab August haben nicht nur über dreijährige Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, sondern auch 24.000 Ein- bis Zweijährige. Der Bedarf an Betreuern ist daher groß: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet für Schleswig-Holstein 422 offene Stellen. Eigentlich dürfte es nicht allzu schwer sein, sie zu besetzen, denn derzeit gibt es 776 arbeitslose Erzieherinnen. Doch die Lücken werden nicht geschlossen. "Die Menschen müssen zu den Stellen passen", heißt es bei der Arbeitsagentur.
Die Vermittlung scheitere aus unterschiedlichen Gründen - mal passt die Arbeitszeit nicht, mal kommt man beim Gehalt auf keinen gemeinsamen Nenner. "Nicht selten handelt es sich bei den Arbeitgebern um kirchliche Einrichtungen mit spezifischen Anforderungen, etwa die Konfession und die private Lebenssituation", erklärt BA-Sprecher Horst Schmitt. Oder es werden Zusatzqualifikationen erwartet, "etwa die Beherrschung eines Musikinstruments, handwerkliche oder sportliche Fähig keiten oder Vertrautheit mit einem besonderen pädagogischen Ansatz". Solche Extras können sich Bewerber nicht kurzfristig aneignen.

75 Prozent arbeiten in Teilzeit

"Wer in Flensburg wohnt, fährt für einen 20-Stunden-Job nicht nach Pinneberg", ergänzt Markus Potten vom Verband evangelischer Kindertageseinrichtungen. 75 Prozent aller Erzieher in Kitas arbeiteten in Teilzeit. Davon könnten sie meist nicht leben. "Das schauen sich junge Frauen drei, maximal vier Jahre an. Dann tauchen sie ab" - und tauchen entweder in der Arbeitslosenstatistik wieder auf oder haben sich beruflich umorientiert. Das Problem werde sich noch verschärfen, wenn demnächst die ältere Erzieher-Generation abtrete.
Große Hoffnungen auf Entspannung hat Potten nicht. Dass die Zahl der Ausbildungsplätze an den Erzieherschulen zuletzt fast verdoppelt wurde, helfe kaum weiter. "Die Absolventen kommen bei uns meist gar nicht an, die gehen gleich auf Vollzeitstellen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen oder nutzen die neue Qualifikation als Sprungbrett ins Studium", so seine Beobachtung.
Zudem müssten mehr Vollzeitstellen geschaffen werden - nur dafür lohne es sich, für den neuen Job den Wohnort zu wechseln oder lange Fahrtwege in Kauf zu nehmen. Doch was Ganztagsangebote in Kitas angehe - nur sie garantieren Vollzeitjobs - sei Schleswig-Holstein noch ein Entwicklungsland. Zum Stichtag 1. März besuchten laut Bertelsmann-Stiftung im Norden nur 25 Prozent der über Dreijährigen ganztags eine Kita. Der Durchschnitt im Westen betrage 34 Prozent.

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