Fachkräftemangel : Arbeitsagentur-Chef warnt vor Pflegenotstand

Der Norden braucht in den kommenden Jahren weitere 11.000 Altenpfleger - doch nur wenige junge Menschen lassen sich für den Beruf begeistern.

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08. August 2011, 09:30 Uhr

kiel | Schlechte Bezahlung, eintönige und körperlich schwere Arbeit: Das Bild vieler junger Menschen von der Altenpflege ist nicht besonders positiv. Die Branche wehrt sich gegen ihr Image und wirbt um den Nachwuchs. Experten warnen vor einem dramatischen Fachkräftemangel.
"Wir befinden uns momentan auf dem direkten Weg in den Pflegenotstand", sagt der Regionaldirektor der Arbeitsagentur Nord, Jürgen Goecke. Bis 2020 brauche der Norden rund 11.000 zusätzliche Pflegekräfte, davon 4000 examinierte. Goecke sieht deshalb Reformbedarf in der Ausbildung und fordert ein neues Finanzierungsmodell, mehr Schulplätze und eine größere Flexibilität.
Der kommunale Pflegeverband Schleswig-Holstein vermutet, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2025 auf fast 114.000 steigen wird. "Die Lage ist ernst", sagt der stellvertretende Vorsitzende Holger Rohde. "Die Altenpflege ist ein schwerer Job, der nicht gerade toll vergütet wird. Wir stehen da in Konkurrenz zu anderen Berufen, die möglicherweise attraktiver sind", betont Rohde. Agenturchef Jürgen Goecke verlangt deshalb von den Betrieben, stärker für das Berufsbild zu werben. "Die Altenpflege hat generell keine breite Akzeptanz bei Jugendlichen", sagt er. "Es gibt eben Berufe, die sind hipper." Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs eine zentrale Herausforderung. Er ruft die Arbeitgeber zu guten Arbeitsbedingungen auf. Und sagt aber auch: Aufgabe der Politik sei es, für bessere Rahmenbedingungen und berufliche Entwicklungschancen zu sorgen.
(dpa, shz)

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