Baustellenarbeiter : Arbeit am rauschenden Band

Asphalt-Sanierung: Feine Risse in der Fahrbahn werden zunächst aufgefräst, bevor sie mit einer schwarzen Masse wieder gefüllt werden.
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Asphalt-Sanierung: Feine Risse in der Fahrbahn werden zunächst aufgefräst, bevor sie mit einer schwarzen Masse wieder gefüllt werden.

"Grund für den Stau ist eine Tagesbaustelle..." - über solche Meldungen ärgern sich viele Autofahrer in diesen Tagen. Die Männer auf den Baustellen geraten dabei in Vergessenheit. Sie leisten harte Arbeit und leben mitunter gefährlich.

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19. Juli 2009, 01:15 Uhr

Stolpe | Michael Matjeka kennt sie alle: Die Raser und die Rüpel, Linksfahrer und Lichthuper, Drängler und Dosenwerfer. Der Bauarbeiter aus Rheine in Westfalen erlebt die Schattenseiten der hochsommerlichen Reisewelle jeden Tag hautnah. Der 38-Jährige bekommt es zu spüren, wenn Autofahrer sich nicht an Tempolimits halten oder ihren im Sinne des Wortes aufgestauten Frust an den Männern am Straßenrand auslassen.

"Gestern hat jemand eine Wurst nach uns geschmissen", sagt Matjeka, der den Eindruck macht, als würde ihn das nicht sonderlich kümmern. Die Jungs in Orange sind hartgesotten. Sie verdienen ihr Geld an einem der lautesten, zugigsten, ungemütlichsten und gefährlichsten Arbeitsplätze: auf der Autobahn. Sie leisten harte Arbeit am rauschenden Band.
"Jeder Tag, an dem alle von uns gesund bleiben, ist ein gelungener Tag"
Matjeka sitzt auf einer fahrbaren Fräse, die eine zentimeterfeine Rille in die Autobahn 21 bei Stolpe (Kreis Plön) schneidet. Die Tagesbaustelle, auf der er arbeitet, ist einen knappen Kilometer lang. Selbst auf der am wenigsten befahrenen Autobahn des Landes ist in diesen Julitagen viel los. Im Sekundentakt donnern Autos, Wohnmobile, Motorradfahrer, Kleinbusse, Wohnwagen-Gespanne und Lastwagen über die einzige Spur, die ihnen bei Kilometer 25,5 kurz vor der Ausfahrt Bornhöved bleibt.

Es ist heiß, die Sonne hat die Straße auf weit über 50 Grad erhitzt. Schwaden von Abgasen mischen sich mit der flirrenden Sommerluft. Staub wirbelt auf, als Matjeka seine Fräse in die Fahrbahndecke treibt. Er und seine Kollegen bessern Risse aus. Was bei schneller Fahrt über die A 21 kaum zu erkennen ist, wird aus der Nähe betrachtet zu einem Schaden, der sich etwa alle 20 Meter wiederholt. Die Straße ist altersschwach. "Die Risse haben mehrere Ursachen", sagt Peter Löckenhoff-Lang (57), Leiter der Straßenmeisterei in Stolpe. "Vor allem der zunehmende Schwerlastverkehr mit immer größeren Achslasten führt dazu, dass die Asphaltdecke Schäden bekommt."

Zunächst werden die Risse zu einer gleichmäßigen Rinne aufgesägt, 30 Millimeter tief, zwölf Millimeter breit - das ist Matjekas Job. Danach wird der Spalt mit Druckluft sauber gepustet, bevor er in zwei Arbeitsschritten mit einer schwarzen Masse gefüllt wird.

Knapp 2000 Meter schaffen die Männer an einem Tag. Fast jeder erinnert sich an gefährliche Situationen. Vorarbeiter Reiner Nissen rettete sich und sein Baustellenfahrzeug einmal in den Graben, um nicht von hinten gerammt zu werden. "Ich saß im Absperrwagen und sah im Rückspiegel, dass sich ein Lkw mit hohem Tempo auf meiner Spur näherte", erzählt der Kieler. "Der Fahrer war offenbar eingeschlafen." Nur knapp entging Nissen durch das Notmanöver ins Grüne der Katastrophe. Der 55-Jährige sagt: "Jeder Tag, an dem alle von uns gesund bleiben, ist ein gelungener Tag."

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