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Internet- und Nachwuchssorgen : Apothekensterben in SH: Trend setzt sich fort

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Trotz steigender Umsätze geht es vielen Apotheken in SH wirtschaftlich schlecht. Vor allem auf dem Land ziehen Patienten zunehmend die Internet-Bestellung vor. Die Zahl der Apotheken ist daher rückläufig.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2015 | 10:51 Uhr

In Schleswig-Holstein und Hamburg hat in den letzten Jahren ein langsames Apothekensterben eingesetzt. 2014 sank die Zahl im nördlichsten Bundesland auf 693, berichtete der Apothekerverband. Den Höchststand hatte es 2009 mit 739 gegeben. Nach Angaben der Hamburger Apothekerkammer zählte die Hansestadt Ende 2014 noch 423 Arzneimittelgeschäfte, nach 432 ein Jahr zuvor. 14 Schließungen standen 5 Neueröffnungen gegenüber. Seit einigen Jahren gebe es einen kontinuierlichen Rückgang, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Apothekerkammer, Reinhard Hanpft.

In Deutschland insgesamt wurde - nach einem Höchststand von 21.602 im Jahr 2008 im vergangenen Jahr mit 20.441 Apotheken der niedrigste Stand seit 1992 erreicht. „Wir erwarten, dass sich der Trend fortsetzen wird“, sagte der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Friedrich, der Deutschen Presse-Agentur.

Er hob wirtschaftliche Gründe hervor. So sei die Honorierung der Apotheker zwischen 2004 und 2013 nicht gestiegen. Auch die Konkurrenz untereinander und zu Versandapotheken mache der Branche zu schaffen. „Wir gehen davon aus, dass es einem Drittel der Apotheken schlecht geht“, sagte Friedrich. „Der Grad der Selbstausbeutung nimmt zu.“

Bei der Apothekendichte rangiert Schleswig-Holstein unter dem Bundesmittel. In Deutschland insgesamt kam 2013 eine Apotheke auf 3880 Einwohner. In Schleswig-Holstein waren es 3982, 2014 dann 4070, in Hamburg wuchs die Zahl von 4038 auf 4154. In Deutschland entfielen knapp 26 Apotheken auf 100.000 Einwohner. Im europäischen Durchschnitt waren es etwa 30, in Griechenland rund 100.

Das Aufkommen sehr großer Versandapotheken fördere die Konzentration der Geschäfte, sagte der Hamburger Apothekerkammer-Geschäftsführer Hanpft. Zugleich brächten gesundheitspolitische Rahmenbedingungen die Apotheken in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Umsatz in Deutschland sei zwar um etwa sechs Prozent gewachsen. Das sei aber nicht mit Ertragssteigerungen gleichzusetzen, sagte Hanpft. Während Medikamente teurer werden, bleibe der Fixaufschlag der Apotheken konstant.

Die Gewinne seien seit Jahren weitgehend konstant, sagte Geschäftsführer Friedrich vom Apothekerverband in Schleswig-Holstein. Die Kassen hätten den Apotheken in Deutschland von 2011 bis 2014 gut 13 Milliarden Euro erstattet und zugleich 10 Milliarden infolge der Rabattverträge mit der Industrie gespart.

Entgegen früheren Befürchtungen sieht der Verband die Versorgung in der Fläche momentan nicht gefährdet. Eher werde sich das Netz in den Städten ausdünnen. Auf dem Lande drohe eher Fachkräftemangel. Aber mittelfristig seien dort möglicherweise doch Lücken denkbar. Rezeptsammelstellen wie auf Nordstrand könnten Abhilfe schaffen.

Die Branche hat auch Nachwuchssorgen: „Wir haben eine dramatische Altersstruktur“, sagte Friedrich. Ein Drittel der Apotheker sei bis 50 Jahre alt, ein Drittel zwischen 50 und 60, ein Drittel noch älter. Aus Mangel an Perspektiven nehme die Zahl der Ausbildungsplätze ab.

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