Streit um regionale Verteilung : AOK-Studie: Zu viele Ärzte im Norden

Laut AOK-Studie hat der Norden 180 Hausärzte zu viel. Foto: sh:z
Laut AOK-Studie hat der Norden 180 Hausärzte zu viel. Foto: sh:z

Eine AOK-Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Es gibt nicht zu wenig Ärzte, sondern eher zu viele - auch in Schleswig-Holstein.

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12. Mai 2011, 11:41 Uhr

Kiel | Demnach sind in allen Fachdisziplinen mehr Mediziner tätig als laut Bedarfsplanung vorgesehen - sogar bei den Hausärzten. Allerdings ist die Verteilung in der Fläche nicht optimal. Besonders dramatisch ist im Norden die Überversorgung bei Internisten (203 Prozent), Radiologen (165 Prozent) und Psychotherapeuten (170 Prozent). In den anderen Facharztgruppen liegt sie laut AOK mit 130 Prozent knapp über dem Bundesdurchschnitt. Das Schlusslicht bilden die Hausärzte (110 Prozent).
"Die Bundespolitik ist gefordert, das bestehende Verteilungsproblem innerhalb der Ärzteschaft anzugehen", forderte am Dienstag der Chef der AOK-Nordwest, Martin Litsch. Ohne Steuerung komme es sonst nur zu einem weiteren Anstieg der Überversorgung, vor allem in wirtschaftlich attraktiven Regionen. "Die Ressourcen müssen endlich dorthin, wo sie auch gebraucht werden", so Litsch.
Gesundheitsminister plädiert für ein "intelligentes Honorarsystem
Tatsächlich gibt es laut AOK zwei Kreise, in denen Kassenärzte dringend Nachfolger suchen. Aber in allen anderen Planungsräumen herrsche Überversorgung. Insgesamt hat der Norden laut Studie 180 Hausärzte zu viel.
Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) lässt kein gutes Haar an der Erhebung: "Diese Statistik hat mit der Realität nichts zu tun", erklärte Sprecher Marco Dethlefsen. Die Bedarfszahlen, anhand derer die Versorgung ausgerechnet worden sei, bezögen sich auf Annahmen aus den 90er Jahren. "Inzwischen hat sich die Altersstruktur der Patienten stark geändert." Zudem seien Mediziner nicht mehr bereit, so viele Stunden zu arbeiten - besonders Frauen nicht. Pro Einwohner seien deshalb mehr Ärzte erforderlich als von der AOK angenommen.
Auch Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) reicht es nicht, "nur Köpfe zu zählen". Entscheidend für die Bedarfsplanung sei, wie viel medizinische Leistung eine alternde Gesellschaft abfrage. Zudem könne man Ärzte nicht "wie Schachfiguren auf dem Brett verschieben, um das Versorgungsproblem im ländlichen Raum zu lösen". Garg plädiert stattdessen für ein "intelligentes Honorarsystem mit Zu- und Abschlägen für Mediziner, die sich künftig in unter- oder überversorgten Gebieten niederlassen". Die Chance für diesen Systemwechsel sei gut, da in den nächsten Jahren 900 Mediziner in den Ruhestand gehen.
(kim, shz)

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