Deutsche Aids-Hilfe : Ansteckung mit HIV soll nicht länger strafbar sein

Die rote Schleife ist das Symbol der Deutschen Aids-Hilfe (DAH). Foto: dpa
Die rote Schleife ist das Symbol der Deutschen Aids-Hilfe (DAH). Foto: dpa

Wenn ein HIV-Infizierter einen Sexualpartner ansteckt, soll er nicht strafrechtlich verfolgt werden. Voraussetzung: Der Sex fand einvernehmlich statt. Das fordert die Deutsche Aids-Hilfe (DAH).

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18. Oktober 2011, 10:42 Uhr

Die Forderung nach einer Entkriminalisierung gehörte zu den Themen einer zweitägigen Mitgliederversammlung der DAH bis Sonntag in Neumünster. Bei seinen Forderungen nach gesetzlichen Änderungen und Ergänzungen kritisierte der Verband, dass sich HIV-Positive bei einer Übertragung des Virus nach geltender Rechtslage grundsätzlich wegen Körperverletzung oder versuchter Körperverletzung strafbar machten. DAH-Vorstandsmitglied Carsten Schatz sagte: "Die Kriminalisierung bürdet Menschen mit HIV einseitig die Verantwortung auf und schadet damit auch der Prävention."
Ferner setzt sich die DAH dafür ein, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz so erweitert wird, dass auch chronische Krankheiten, zu denen insbesondere Aids zählt, Eingang in den Betroffenenkatalog finden. Anlass bietet laut DAH unter anderem ein aktueller Fall in Berlin, wo einem 21-jährigen Chemielaboranten in der Probezeit mit Hinweis auf seine Aids-Krankheit gekündigt wurde.
Medizinischer Fortschritt erhöht Lebenserwartung Betroffener
Jährlich verzeichnet Deutschland nach Auskunft der DAH etwa 3000 Neuinfektionen, eine Zahl, die in den vergangenen Jahren in dieser Größenordnung stagnierte. Das Robert-Koch-Institut geht von rund 70.000 HIV-Erkrankten aus. Insgesamt steige die Zahl allerdings, weil die Betroffenen dank des medizinischen Fortschritts mittlerweile eine höhere Lebenserwartung hätten, sagt DAH-Sprecher Holger Wicht.
In den nächsten Jahren gelte es, ein gewandeltes Bild von HIV-Positiven zu vermitteln, um Stigmatisierungen und Diskriminierungen zu begegnen. Schwere Krankheit und rascher Tod seien längst nicht mehr die Realität, betonte Wicht.
Der 1983 in Berlin gegründeten DAH-Dachverband vereint nach eigenen Angaben derzeit 119 bundesweit agierende Aids-Hilfe-Organisationen.

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