Dunkelfeldstudie : Angst vor Straftaten in Schleswig-Holstein wächst

Jeder fünfte Schleswig-Holsteiner befürchtet einen Einbruch.
Jeder fünfte Schleswig-Holsteiner befürchtet einen Einbruch.

Die Menschen im Norden fürchten Wohnungseinbrüche und Gewalt. Das vertrauen in die Polizei wächst jedoch wieder.

shz.de von
15. Januar 2018, 17:31 Uhr

Kiel | Die Angst vor Straftaten hat in Schleswig-Holstein leicht zugenommen. Der Anstieg entspreche aber nicht der tatsächlichen Entwicklung der Sicherheitslage, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) am Montag in Kiel bei der Vorstellung einer sogenannten Dunkelfeldstudie. „Es geht um Gefühle, Empfindungen und Meinungen.“

Der 100.000 Euro teuren Studie zufolge wuchsen von 2015 auf 2017 das allgemeine Unsicherheitsgefühl und die persönliche Risiko-Einschätzung. Von 25.000 zufällig ausgewählten Schleswig-Holsteinern hatten gut 11.600 die 20-seitigen Fragebögen mit 58 Fragen ausgefüllt. Fast jeder Fünfte befürchtete einen Einbruch in seine Wohnung. „Das kann uns nicht zufriedenstellen“, sagte der Innenminister. Von 21,4 auf 26,4 Prozent gestiegen ist der Anteil derer, die ihre Wohnung zusätzlich gesichert haben. Auch die Angst, bestohlen, überfallen, geschlagen oder sexuell bedrängt zu werden, ist moderat gewachsen.

Weitere Ergebnisse:

  • Jeder Dritte gab an, 2016 Opfer mindestens einer Straftat geworden zu sein. Das entsprach etwa dem Wert von 2014.
  • Von den 21- bis 34-Jährigen wurde fast jeder Zweite Opfer eine Straftat, bei den Menschen ab 80 waren es 16 Prozent.
  • Etwa 30 Prozent der Straftaten werden angezeigt. Die Quote schwankt hier zwischen 6,4 Prozent bei sexueller Bedrängung und 90 Prozent bei Wohnungseinbruch.
  • Die Studie ergab auch, dass 12,2 Prozent sich von Flüchtlingen bedroht fühlten.

Der Kriminalpsychologe Lutz Riesner vom Landeskriminalamt begründete die gestiegene Furcht vor Kriminalität mit stärkerer Berichterstattung von Medien über sicherheitsrelevante Themen und mit der turbulenter gewordenen Welt insgesamt.

Vertrauen in die Polizei steigt

Beim Vertrauen in die Polizei haben sich die schon guten Werte aus der ersten Umfrage von 2015 weiter verbessert. Als bedenklich wertete es Grote, dass die Polizei zunehmend als überlastet wahrgenommen wird. Deshalb sei es richtig, 500 zusätzliche Polizeistellen zu schaffen.

Der Gewerkschaft der Polizei forderte, den Stellenzuwachs auch zügig umzusetzen. Eine geringere Bewerberzahl dürfe nicht zu einer Verzögerung führen, sagte der GdP-Landesvorsitzende Torsten Jäger. „Die Landespolizei arbeitet an der Belastungsgrenze und kann zurzeit nur unter großen Anstrengungen die Zeit überbrücken, bis die ersten Kolleginnen und Kollegen zusätzlich ausgebildet sind.“

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