Brandserie auf Sylt : Angst vor neuem Feuerteufel in Morsum

Eine landwirtschaftliche Halle und ein Wohngebäude brannten am 27. März in Morsum ab. Foto: Syltpicture
Eine landwirtschaftliche Halle und ein Wohngebäude brannten am 27. März in Morsum ab. Foto: Syltpicture

Gerade erst wurde der Feuerteufel von Sylt verurteilt, nun gibt es wieder eine Brandserie in Morsum. Geht erneut ein Brandstifter um?

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10. April 2011, 01:23 Uhr

Vor drei Wochen erst ist der sogenannte Feuerteufel von Sylt verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen worden. Noch sind die Erinnerungen frisch an die zahlreichen Feuer, die der Mann im vergangenen Sommer auf der Nordseeinsel legte. Die Menschen atmeten auf, als er gefasst wurde. Nun gibt es wieder eine Serie von Bränden auf Sylt. Vier Feuer brachen im Februar und März in dem kleinen Ort Morsum im Osten der Insel aus, drei an einem einzigen Tag. Dreimal war es definitiv Brandstiftung, im vierten Fall deutet auch einiges auf Brandstiftung hin. Es entstand ein Gesamtschaden von etwa 800.000 Euro. Hat der "Feuerteufel" einen Nachahmer gefunden?
Die Polizei befrage derzeit Zeugen, sagte ein Sprecher der Polizei in Husum. Das sei jetzt "Klinkenputzen". Vergangene Woche hatten Brennmittelspürhunde bei Untersuchungen am jüngsten Brandort angeschlagen. Die Ergebnisse des LKA deuteten auf Brandmittelbeschleuniger hin.
Morsumer sind "sehr verunsichert, aber auch sehr wachsam"
Die Einwohner von Morsum seien "sehr verunsichert, aber auch sehr wachsam", beschreibt die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber am Freitag die Situation. Die Dorfbewohner schieben demnach nachts eine Art Wachdienst, um auf ihr Eigentum aufzupassen. Nachbarschaftshilfe werde groß geschrieben: "Das ist ein Ort mit einem absolut intakten Dorfleben", sagt Reiber. Einen Imageschaden für die "Insel der Reichen und Schönen" sieht sie nicht. Im letzten Jahr habe sich die Brandserie nicht negativ auf den Tourismus ausgewirkt.
Auch bei der Tourist-Information in Morsum keine besorgten Mienen. Noch hätten keine besorgten Urlauber nach den Bränden gefragt, auch Stornierungen deswegen gebe es nicht, sagt eine Mitarbeiterin. "Das beschäftigt natürlich mehr die Einheimischen", meint auch Sabine Hirschberger, Clubsekretärin im Golfclub Morsum.
Die Angst geht rum - Viele Morsumer schlafen kaum noch
Der Club gilt als einer der exklusivsten in Deutschland, 1964 von Verleger Axel Springer gegründet. "Einige Gäste fragen schon, was los ist, aber sonst betrifft das vor allem die Morsumer. Viele von denen schlafen kaum noch", berichtet Hirschberger.
Zu den Schlaflosen gehört auch eine Mitarbeiterin des Landhauses "Nes Pük" in Morsum. "Ich habe zwei kleine Kinder, da ist man mit einem Ohr immer wach", schildert die Frau ihre Sorgen. Eine Bekannte von ihr besitze zwei Pferde und sei beunruhigt, weil auch einige Ställe angezündet wurden. Sie habe eine Kamera im Stall, die sie über ihr iPhone einsehen könne, "da sieht sie ständig drauf". Die Angst vor einem neuen Feuerteufel sei schon da. Unmittelbar vor dem größten Brand der Serie war die Frau am frühen Morgen auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier an einem Wohn- und Wirtschaftsgebäude vorbeigegangen - "und eine halbe Stunde später brannte es dort", berichtet die Frau. Allein an diesem Gebäude entstand ein Schaden von 700.000 Euro.
Die Erinnerungen verbrennen mit: "Das ist ein menschlicher Schaden"
Nadja Lauritzen vermittelt Ferienhäuser in Morsum - eines davon in unmittelbarer Nähe des Hauses, das zuletzt brannte und völlig zerstört wurde. Lauritzen kennt den Besitzer. "Das ist ein eingesessener alter Bekannter, sehr beliebt im Ort." Die Kinder des Mannes seien dort aufgewachsen, viele Erinnerungen seien nun mitverbrannt. Auch wenn anders als 2010 kein Mensch verletzt wurde - "das ist ein menschlicher Schaden", findet Lauritzen. Ihr Mann ist Feuerwehrmann, war beim Einsatz dabei. "In Morsum ist man nicht wirklich entspannt", sagt sie und warnt aber auch vor Hysterie. Jeder Morsumer ginge nun aufmerksamer durch den Ort, und abends gucke man im Dunkeln gelegentlich raus.
(dpa, shz)

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