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Wölfe in Schleswig-Holstein : Angst vor dem Wolf - Jäger wollen aufklären

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zehn Wölfe streifen durch Schleswig-Holstein. Jogger trauen sich nicht vor die Tür. Die Jäger fühlen sich ignoriert.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Altenhof bei Eckernförde im April: Ein Wolf wird angefahren, verschwindet verletzt im Unterholz – und wird seitdem immer wieder gesehen. „Er lahmt hinten links, kommt aber offenbar gut zurecht“, sagt Jäger Hans-Jürgen Langbehn, der ihn selbst bereits in seinem Revier bei Holtsee beobachtet hat.

Seit Monaten gibt es immer wieder Fälle von gerissenen Schafen im Land - und Streit, ob der Wolf nach SH passt. In Folge eines Angriffs Mitte April waren insgesamt 20 Schafe und 32 Lämmer gestorben. Ein Teil wurde direkt beim Angriff getötet, andere mussten wegen ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden, weitere starben in den Folgetagen. Bei Mölln hatte im Februar ein Wolf Schafe gerissen, der sich nur schwer vertreiben ließ. Noch treten Wölfe im Norden nur vereinzelt auf, doch ihre Population wächst.

Um die zehn Wölfe streifen derzeit durch Schleswig-Holstein – und in der Bevölkerung steigt die Unruhe. Diese Beobachtung machen jedenfalls die Jäger. „Ich weiß von Joggern, die sich nicht mehr in die Natur wagen. Unsere Zeitungsausträgerin fährt nur noch mit dem Auto, seit der Wolf hier gesichtet wurde“, sagt Langbehn, der Abgeordneter des Landesjagdverbands (LJV) für den Runden Tisch ist, den Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ins Leben gerufen hat.

Gern würden die Jäger mehr Verantwortung in Sachen Wolf übernehmen und die Bevölkerung auf Begegnungen mit dem Tier vorbereiten, sagt LJV-Präsident Klaus-Hinnerk Baasch. „Aber solange er nicht ins Jagdrecht aufgenommen wird, geht uns der Wolf schlicht nichts an.“ Stattdessen fühlen die Jäger sich von der Gesellschaft als Wolfsgegner abgestempelt und von der Politik ignoriert – so wie bereits bei den Einwänden gegen die neuen, für viele Arten verkürzten Jagdzeiten und dem Verbot von Bleimunition. „Wir leisten seit Generationen wichtige ehrenamtliche Naturschutzarbeit, und niemand bemerkt es“, sagt Baasch. Stattdessen werde die Jagd „auf eine subtile Weise immer stärker staatlich reguliert“.

Mehr Aufklärung in Sachen Wolf sei dringend nötig, sagen die Jäger – nicht nur, weil es laut Langbehn mittlerweile täglich zu Wolfsbegegnungen in Schleswig-Holstein kommt.

„Vor allem was von den Tierhaltern gefordert wird, ist unverantwortlich“, sagt Baasch. Empfehlungen, hohe Zäune aufzustellen, scheitern an praktischen Hürden – „man kann schließlich nicht um alle Deiche ein Gatter bauen“ – und seien etwa in Naturschutzgebieten gar nicht zulässig.

Die einzig sinnvolle Alternative aus Sicht des Jagdverbands: Die Bewirtschaftung – sprich: Überwachung der Population und notfalls der Abschuss einzelner Tiere. Die Wölfe in Westpolen, Deutschland und Dänemark hätten Kontakt mit anderen Vorkommen etwa im Baltikum – und dürften deshalb nicht isoliert betrachtet werden. „Dadurch ist die Population wesentlich gefestigter als bislang gedacht und muss bewirtschaftet werden.“

Schließlich werde es auch häufiger zu Verkehrsunfällen mit Wölfen kommen. „Wird ein Wolf angefahren, sind uns die Hände gebunden“, sagt Baasch. Die Tiere würden unnötig leiden, während umständlich Polizei, Ministerium und Wolfsberater eingeschaltet werden müssen. Zudem sind Autofahrer bei Unfällen mit Wölfen nicht versichert.

Umweltminister Habeck lehnt die Aufnahme des Tieres in das Jagdrecht nach wie vor ab. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auf der Grundlage des Naturschutzrechts effektiv auf entsprechende Anforderungen reagiert werden kann“, teilt sein Ministerium mit.

Immerhin gebe es jetzt mit dem Runden Tisch ein Forum, auf dem konstruktiv über den Umgang mit dem Wolf diskutiert wird. Erfreulich sei etwa, dass im Haushalt 2016 ein Posten von 100.000 Euro für den Wolf vorgesehen ist. Nach Auskunft des Umweltministeriums sollen davon 60.000 Euro, in die Neustrukturierung des Wolfsmanagements fließen, das künftig vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume betreut werden soll. 40.000 Euro werden für Ausgleich-Zahlungen an von Wolfsrissen betroffene Tierhalter zurückgelegt. Allein in diesem Jahr belaufen sich die Schäden laut dem Verband der Schaf- und Ziegenzüchter bereits auf mehrere 10.000 Euro, 30.000 Euro hat das Ministerium bislang an betroffene Schafhalter ausgezahlt.

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