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Orkan „Xaver“ in SH : Angst statt Ruhe vor dem Sturm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Xaver“ wirbelt noch durch SH, eins ist schon jetzt klar: Ruhe vor dem Sturm war gestern. Ein Kommentar von Stephan Richter.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 06:29 Uhr

Ist das Schlimmste überstanden? Vorsicht vor schnellen Antworten. Die Bilanz des Orkans „Xaver“, verbunden mit Sturmfluten, kann erst später gezogen werden.

Ein Fazit ist allerdings schon jetzt möglich. Egal, ob gefährliche Wetterlagen oder Finanzmarktkrisen, ob drohende Epidemien oder Sorge vor Terroranschlägen: Das Bewusstsein für Risiken wird immer häufiger durch eine Erwartungshaltung geschürt. Ruhe vor dem Sturm war gestern. Heute setzt die Angst vor dem Schadensfall ein. Orkanböen mit 200 km/h werden angekündigt, wenn das Sturmtief noch über Schottland liegt. Die Insolvenz Griechenlands wird ebenso befürchtet wie eine galoppierende Inflation, und das nächste Horrorszenarium mit mutierten Grippeviren ist nur eine Frage der Zeit.

Diese moderne Form der Wahrnehmung hat keineswegs nur etwas mit medialer Panikmache und der Lust am Untergang zu tun, sondern mit modernen Möglichkeiten der Prognose. Die Wettervorhersage inklusive Satellitenbildern wird immer genauer, die Datensammlungen aus allen Lebensbereichen wachsen rapide. Selbst mögliche Erkrankungen können mit der genetischen Analyse vorausbestimmt werden.

Früher glaubten viele Menschen an die göttliche Vorsehung oder ans Horoskop, heute folgen sie der mehr oder weniger wissenschaftlichen Vorhersage. Die lässt uns erschaudern, ohne dass die Not – zum Glück! – zu groß wird. Offen bleibt, was wirklich passiert, wenn Deiche brechen, wenn ein großer Strom-Blackout im Winter das Leben lahmlegen sollte, wenn wieder Banken zusammenbrechen oder wenn eine Epidemie ausbricht. Wenn nicht mehr die Prognose der Experten interessiert, sondern die eigene Existenz betroffen ist. Wenn aus schaurigen Warnmeldungen Realität wird.

Sollte der Norden beim Sturmtief „Xaver“ glimpflich davongekommen sein, müsste die Dankbarkeit nach den düsteren Erwartungen umso größer sein. Wie gut, dass es nur ein „normaler Herbststurm“ war, wie es der Kieler Klimaforscher Mojib Latif behauptet. Vor allem aber darf das wiederholte Aufatmen nicht abstumpfen. Es hätte schlimmer kommen können.

Aber Achtung: Schon wird die nächste vermeintliche Krise antizipiert. „Xaver“ war nur der letzte Beweis für den Klimawandel. Extreme Wetterlagen nehmen zu. Dramatisch!

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