Gewinnspiele am Telefon : Angerufen und abgezockt

Bei ominösen Anrufen rät die Verbraucherzentrale, am besten einfach aufzulegen. Foto: dpa
Bei ominösen Anrufen rät die Verbraucherzentrale, am besten einfach aufzulegen. Foto: dpa

Wer am Telefon von Unbekannten nach Geld gefragt wird, sollte vor allem eins: auflegen. Und einen prüfenden Blick auf seinen Kontoauszug werfen.

shz.de von
14. Juli 2012, 10:15 Uhr

Kiel | Dietmar Huß ärgert sich. Seit Tagen wird er immer wieder angerufen. Die Personen am anderen Ende der Leitung kennt er nicht. "Wollen Sie Ihr Gewinnspiel kündigen?" fragt die männliche Stimme eines Anrufs. "Von welcher Firma rufen Sie denn an?" fragt Huß. "Wollen Sie Ihr Abo jetzt kündigen?", reagiert der Anrufer hörbar genervt, ohne auf die Frage einzugehen. Huß versucht es noch einmal - keine Antwort. Darum legt er schließlich einfach auf.
Angeblich steht Huß auf einer Gewinnspiel-Liste. Das Mitspielen sei inzwischen kostenpflichtig geworden. Doch der Anrufer will helfen: Huß könne einfach kündigen. Ebenfalls kostenpflichtig natürlich. Huß bestreitet, seinen Namen überhaupt auf eine solche Liste gesetzt zu haben. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich irgendeinem Gewinnspiel je zugesagt habe."
Tausende Personendaten sind bereits im Umlauf
Und Huß ist nicht der einzige: Mehrere Schleswig-Holsteiner haben bereits ähnliche Anrufe bekommen, auch die Verbraucherzentrale warnt davor. "Wir vermuten, dass die Daten von den Listen der Süddeutschen Klassenlotterie stammen", so Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, gegenüber shz.de. 2008 wurden ihm CDs mit den Daten von über 17.000 Verbrauchern zugespielt, die irgendwann einmal SKL-Lose per Kontoabbuchung bezahlt hatten. "Diese Daten sind immer noch im Umlauf und können problemlos kopiert und an andere Firmen verkauft oder weitergegeben werden", warnt Hagen.
Dass auf dem Telefon von Dietmar Huß unterschiedliche Nummern der Anrufer angezeigt werden, sei laut Hagen jedoch kein Hinweis darauf, dass es sich in diesem Fall um unterschiedliche Firmen handelt. "Die übertragene Rufnummer kann entsprechend manipuliert werden", weiß er. Trotzdem geht er davon aus, dass es mehrere Firmen gibt, die mit der Abzocke am Telefon - wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise - Geld verdienen. Zwar ist dies illegal und könne laut Hagen mit einem Ordnungsgeld in sechsstelliger Höhe bestraft werden. Doch in vielen Fällen kann die dahinter steckende Firma nicht ausgemacht werden.
Auflegen und regelmäßig den Kontostand überprüfen
Betroffene sollten bei derartigen Anrufen einfach auflegen. "Manchmal wird allerdings Tag und Nacht angerufen, ein regelrechter Telefonterror", so Hagen. In diesen Fällen rät er Verbrauchern, ein Protokoll zu führen, wann die Anrufe stattgefunden haben. Außerdem sollte jeder unbedingt regelmäßig seinen Kontostand überprüfen, um bei unbekannten Abbuchungen sofort reagieren zu können - auch wenn der Erfolg einer Anzeige Hagen zufolge ungewiss sei, da viele Firmen auch über deren Bankverbindung nicht auffindbar seien. Zudem empfiehlt er, auch auf ältere Mitmenschen zu achten und sich gegebenenfalls auch von ihnen die Kontoauszüge zeigen zu lassen, da sich besonders Ältere leicht von solchen Anrufen verunsichern ließen.
Doch auch Jüngere sind irritiert. Sucht man im Internet nach den Nummern der Anrufer, findet man zahlreiche Foreneinträge, in denen sich über entsprechende Anrufe beschwert wird. Auch Huß war zu Beginn verunsichert. Regelmäßig prüft er nun, ob Geld von seinem Konto abgebucht wurde. Sollte das passieren, will er einen Anwalt einschalten. Doch bis jetzt ist alles ruhig - bis das nächste Mal das Telefon klingelt.

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