Donnerstag, 16. April : Angekommen in Tiksi

Uwe Döring auf Zwischenstation in Jakutzk.
Uwe Döring auf Zwischenstation in Jakutzk.

Es war eine lange Reise - 29 Stunden. Abenteuerlich und bürokratisch war Uwe Dörings Weg nach Sibirien. Jetzt ist er da.

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20. April 2009, 11:43 Uhr

Bin um 18.05 Uhr bei nur - 15 Grad in Tiksi nach rund 29 Stunden Reisezeit angekommen. Schnee und Eis soweit das Auge reicht. Wurde sehr nett von den Expeditionsteilnehmern am Flugplatz empfangen. Aber der Weg nach Tiksi war weit und die Reise ungewöhnlich.
Andere Länder, andere Reisesitten! Es begann in Moskau mit einer olympiareifen Leistung. Innerhalb von 2 Stunden zwischen Landung und Start sollte vom internationalen zum nationalen Terminal der Flieger gewechselt werden! Das heißt ich lernte bei diesem Parcour die russische Freude an einer gründlichen Verwaltung kennen: intensive Kontrolle von Reisepass und Einreisekarte, Aus-checken des gesamten Gepäcks, Wechsel des Terminals, Ein-Checken des gesamten Gepäcks, Passkontrolle uns Sicherheitscheck. Da ich technische Geräte im Handgepäck hatte, gestaltete sich der Sicherheitscheck sehr aufwändig. Ursache war die wechselseitige Sprachlosigkeit. Vor dem Bildschirm versammelten sich daher immer mehr Kontrolleure und diskutierten Art und Gefährlichhkeit der Geräteumrisse. Nach einer Viertelstunde entschied der Ranghöchst: Explodiert nicht! Und ich konnte mit ungeöffneten (!) Koffer weiterziehen und erreichte mit Müh und Not den Flieger nach Yakutsk. Es handelte sich um eine schneeweiße Boeing 752 unbestimmbaren Alters von Yakutia.aero, die noch nach Lack roch. Alte Originalbeschriftungen deuteten auf finnischen Ursprung hin.
Eine Stimmung wie auf Auswandererschiffen
Wenn Menschen von Moskau in die Provinz zurück fliegen, haben sie alle Jahreseinkäufe - auch größerer Art getätigt. Diese werden keinesfalls aufgegeben, sondern mit an Bord genommen! Die Gepäckfächer sind daher blitzschnell gefüllt. Danach verwandeln sich Gänge und Notausgänge in Warenlager. Kartons, Tüten, Behältnisse aller Art und Größe bis hin zum Vogelkäfig und Kinderbuggy waren vertreten. Kleinkinder flogen unangeschnallt aber quietschvergnügt auf Mutters Schoß mit. Es entwickelte sich eine Stimmung, wie sie früher auf Auswandererschiffen geherrscht haben musste: eine Mischung aus Gereiztheit, Lebensfreude und Zuversicht auf die nahe Zukunft. Dieses steckte an und wurde entschädigt durch den Blick des Kabinenfensters über die tiefverschneite Taiga, unbekannte weiße Gebirge und gefrorene riesige Flüsse, die ahnen ließen, dass sie sich mit der Schneeschmelze in reißende Ströme verwandeln. werden. Deutlich erkennbar war die Autobahn Moskau-Yakutsk, die unbefestigte wichtige Verkehrsschlagader,die im Frühjahr im Schlamm und Chaos versinken wird mit tagelangen Staus.
Yakutsk (cirka 150.000 Einwohner) wird von keiner befestigten Strasse erreicht. Ich landete dort um 5.30 Uhr in der Frühe nach 6 1/2 Std Flug bei -21 Grad schneidender Kälte. Die Pelzmütze war ein "muss"! Der 7-std. Aufenthalt wurde durch eine Besichtigung der Stadt und einem Besuch beim Permafrostinstitut (dazu später) überbrückt. Yakutsk hat eine Reihe alter z.T. verfallener Holzhäuser, Eine kleine neue Altstadt mit nagelneuen Holzhäusern im alten Stil mit Souvenirshops und Restaurants und Bars sowie einer mit goldenen Zwiebeltürmen glänzenden Kirche, im übrigen: Plattenbauten und einer modernistischen Glasfassade der "Gasprombank".
Der Weiterfug nach Tiksi erfolgte mittels einer Antonov AN-24 (2-Proppellermotoren), ein "LADA der Lüfte". Anspruchslos und offenbar zuverlässig für Pelzjäger und Einheimische: Gepäck und Passagiere im selben Raum, Sitze wie Campingstühle mit Stoffbespannung! Ein überraschender Zwischenstopp auf einem Landeplatz einer Siedlung mit erneuter Passkontrolle in einer "Transit"-Holzhütte. Dann Weiterflug über die tiefverschneite, die Augen blendende Tundra nach Tiksi. Erneute Passkontrolle im Flugzeug (Grenzregion und militärisches Sperrgebiet), eigenhändiges Ausladen des gesamten Gepäcks und erschöpft aber froh erreichte ich Tiksi an der Laptev-See.

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