Autopanne in Nordfriesland : Angehupt und ausgeschimpft

Hilflos stand Jytte Andersen mit ihrem heiß gelaufenen Motor auf der Landstraße.  Foto: pel
Hilflos stand Jytte Andersen mit ihrem heiß gelaufenen Motor auf der Landstraße. Foto: pel

Eine Dänin musste wegen einer Autopanne am Straßenrand halten - und bekam das Naturell deutscher Autofahrer zu spüren. Einzig ein Lecker Familienvater kam zur Hilfe.

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22. Oktober 2011, 12:46 Uhr

Lexgaard | Die Temperaturanzeige steigt und steigt. Die Geräusche im Fahrerraum werden zunehmend bedrohlich. Jytte Andersen weiß, sie muss sofort anhalten. Mitten auf dem Weg zwischen Lexgaard und Süderlügum (Nordfriesland) stellt die Dänin ihr Auto notgedrungen am Straßenrand ab. Der Motor kocht.
"Da ging nur noch Klappe auf und Finger weg", erinnert sich die Altenpflegerin an die ersten Minuten ihrer Autopanne. Eine Autopanne, die ihr die schlechten und die guten Seiten deutscher Autofahrer zeigen sollte.
"Rausgebrüllt, rumgepöbelt"
Jytte Andersen ist unterwegs von Leck zurück nach Tondern. Auf dem Beifahrersitz sitzt eine alte, halbseitig gelähmte Dame, um die sich die 59-Jährige einmal in der Woche kümmert. Da streikt plötzlich ihr weinroter Kia. "Ich habe gedacht, oh Gott, was machst du nun?" Sie steigt aus, zieht sich eine Warnweste an und hofft auf Hilfe. "Doch die anderen Autofahrer haben nur gehupt, so richtig aggressiv", erzählt Jytte Andersen, "einige haben sogar rausgebrüllt, rumgepöbelt". Das hatte sie nun überhaupt nicht erwartet, genießen die deutschen Autofahrer doch sonst in Dänemark einen sehr guten Ruf. "Sind die Deutschen etwa nur im Ausland so nett und rücksichtsvoll? Hab ich mich da gefragt."
15 Minuten und etliche vorbeirauschende Autos später hält ein junger Lecker mit seinem Sohn an und fragt, ob er helfen kann. "Da war ich so dankbar", erinnert sich Jytte Andersen. Zusammen mit ihrem Retter in der Not inspiziert sie den Motorraum ihres neun Jahre alten Autos. Ihr Helfer holt zwei Flaschen Mineralwasser aus seinem Wagen, um die Kühlflüssigkeit aufzufüllen. "Doch dann lief alles unten wieder raus." Während sein kleiner Sohn geduldig wartet, schiebt sich der Lecker unters Auto. Erkenntnis: Der Kühlerschlauch ist abgerissen. Dann habe er angeboten, der Werkstatt in Süderlügum Bescheid zu sagen und "bevor ich mich richtig bedanken konnte, war er schon unterwegs. Deswegen möchte ich nochmal ganz herzlich Danke sagen."
Minuten werden zur Ewigkeit
Erledigt hat sich die Aufregung am Straßenrand für Jytte Andersen aber noch nicht. "Ich wusste ja nicht, wem genau er Bescheid sagt." Die nächsten zehn Minuten werden für die Altenpflegerin zur Ewigkeit. Doch dann kommt endlich der Mechaniker. Er hat alle wichtigen Ersatzteile und Werkzeuge dabei. Ein junger Mann hätte ihn ja genau informiert, was an dem Auto kaputt sei, sagt der Experte.
Etwas mehr als eine Stunde nach dem ursprünglichen Schaden ist Jytte Andersen wieder unterwegs. Zum einen schockiert über so viel Unverständnis seitens der meisten Autofahrer, zum anderen froh, dass es doch noch Menschen gibt, die sich die Zeit nehmen, anderen zu helfen.

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