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Wetter : An einem Tag so viel Regen wie sonst im Monat

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Das kalte und nasse Wetter treibt viele Nordlichter derzeit zur Verzweiflung. Auch die Meteorologen sprechen von einem Ausnahme-Mai im Norden.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 01:50 Uhr

Kiel/Hamburg | Egal, ob man bei Meeno Schraders "Wetterwelt" in Kiel oder beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg fragt - die Meteorologen sind sich einig: Von den Regenmengen her hat der Norden in den letzten 24 Stunden eine absolute Ausnahme erlebt. In Schleswig-Holstein fiel südöstlich des Kanals innerhalb eines Tages so viel Niederschlag wie sonst im ganzen Mai - in Einzellagen sogar noch deutlich mehr.
Letzteres gilt vor allem für die Landeshauptstadt. In Kiel-Holtenau verzeichnete die DWD-Station 75 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden - laut Diplom-Meteorologe Jürgen Püschel landesweiter Rekord. Über Hamburg gingen 50 bis 55 Liter nieder. Für Plön berichtet "Wetterwelt"-Diplom-Meteorologin Alina Voß von 58 Litern. Lübeck kommt mit 48 knapp dahinter, selbst die eigentlich ausgeprägte Sonneninsel Fehmarn bekam 30 Liter ab. Zum Vergleich: In Schleswig, wo man am Mittwoch trotzdem immer noch den Eindruck eines sehr nassen Tages hatte, regneten "nur" 26 Liter vom Himmel herab.

"Schon ungewöhnlich, aber nicht völlig einzigartig"


Da sich nach kurzen Auflockerungen am Donnerstag und vielleicht am Freitag zum Wochenende wieder verbreitet Regen abzeichnet, meint DWD-Mann Püschel nicht ohne Ironie: "Es sieht ganz gut aus, dass wir in der Monatsbilanz den bisher regenreichsten Mai übertreffen." Der ist für Hamburg für das Jahr 1981 dokumentiert. "Schon ungewöhnlich, aber nicht völlig einzigartig" lautet der Nenner, auf den Püschel die jüngsten Wassermengen bringt. Bei dem wolkenverhangenen Himmel bleibt die Sonnenscheindauer weit hinter dem Mittel zurück - Schleswig etwa bekam bisher nur 60 Prozent der Sonne eines normalen Mais ab. Und das auch nur, weil das Wetter in der letzten Woche besonders gut ausfiel.
Weniger auffällig als die Niederschläge, so beide Experten, seien die niedrigen Temperaturen. Für 2010 etwa weist die DWD-Statistik für die komplette zweite Maiwoche nur zehn Grad in Hamburg und Schleswig-Holstein aus. Alina Voß verdeutlicht trotzdem anschaulich, wie sehr die aktuelle Woche von einem normalen Verlauf abweicht: Die jetzigen Tageshöchstwerte von gut zwölf Grad entsprächen dem sonstigen Mittel des kompletten Mai unter Einbeziehung der Nachttemperaturen.
Verantwortlich für das Schietwetter machen Voß und Püschel ein schmales und nur 100 Kilometer langes Tief, das zwischen zwei Hochs über dem Atlantik sowie Russland regelrecht eingeklemmt war. Das Tief habe die Luft darunter zum Aufsteigen gezwungen. Das habe unweigerlich die Regenprozesse in Gang gebracht.
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