Ermordete Joggerin aus Lübeck : Am Tatort lag ein Elektroschocker

Eine Hundertschaft der Polizei suchte nach Spuren, die der Täter hinterlassen hat. Foto: Kröger
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Eine Hundertschaft der Polizei suchte nach Spuren, die der Täter hinterlassen hat. Foto: Kröger

Im Fall der ermordeten Joggerin aus Lübeck sucht die Polizei Zeugen der brutalen Tat. Die Mutter einer zwei Jahre alten Tochter wurde im Wald tot aufgefunden.

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09. Juli 2013, 05:34 Uhr

Lübeck | Ein kleines Mädchen wartet auf seine Mama, die nie wieder nach Hause kommen wird. Die Lübeckerin Anna-Lena U. (29), die am Sonntag tot in einem Wald bei Herrnburg (Nordwestmecklenburg) gefunden worden ist, war Mutter einer erst zwei Jahre alten Tochter.
Wer hat die Joggerin ermordet? Einen Verdächtigen haben die Ermittler noch nicht. Doch seit Montag ist klar: Der Täter ging mit äußerster Brutalität vor. "Das Opfer starb durch massive Gewalteinwirkung im Bereich des Halses", sagte Lenart Leuschner, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Schwerin. Das habe die Obduktion ergeben. "Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch haben wir allerdings nicht."

Trauer und Entsetzen in Lübeck

Anna-Lena U. soll blutüberströmt dagelegen haben. Nach Informationen des sh:z gab es Stichverletzungen am Hals, und am Tatort sollen Polizisten einen Elektroschocker sichergestellt haben. Die Stichverletzungen wollten die Ermittler am Montag jedoch nicht bestätigen.
Nach dem Fund der Leiche hatten sich in der Wohnstraße der jungen Mutter dramatische Szenen abgespielt. Ein Ehepaar, das gerade an seiner Fassade arbeitete, berichtete von einer Frau, die bitterlich weinend auf dem Bürgersteig zusammenbrach. "Wir fragten sie, ob wir helfen können und boten ihr einen Stuhl an." Die weinende Frau habe dann gesagt: "Meine beste Freundin ist im Wald ermordet worden."

Gerüchte vom "Waldmenschen"

Am Sonntagvormittag gegen 11.30 Uhr sah ein Jogger die Leiche von Anna-Lena U. auf einer kleinen Sandfläche neben dem alten Kolonnenweg liegen. Der Weg gehört zum ehemaligen Grenzstreifen und wird gerne von Reitern, Joggern, Hundehaltern und Fahrradfahrern genutzt. Da der Mann kein Handy bei sich hatte, lief er in Richtung Lübeck zurück. Er soll dann auf einen Radfahrer getroffen sein, den er auf die grausige Entdeckung ansprach. Es war ausgerechnet der Vater der Ermordeten, der sich schon auf die Suche nach seiner Tochter gemacht hatte, weil sie nicht nach Hause zurückkehrte. Isabel Wenzel, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock: "Der Vater fand dann seine tote Tochter."
Noch am Sonntag kreiste ein Hubschrauber über dem Tatort, man schoss Luftbilder. Rechtsmediziner und Kriminaltechniker untersuchten über Stunden den Fundort, der wohl auch der Tatort ist. Am Montag durchkämmte eine Hundertschaft der Polizei das Gebiet, begleitet vom Spürhunden. Polizeihund "Buffi" folgte dabei einer Fährte, die entlang des Kolonnenweges Richtung Herrnburg und dort in ein Wohngebiet führte. Der Diensthundeführer forderte telefonisch Unterstützung an. Bislang ist unklar, ob es sich um die Fährte des Täters handelt. Ein Förster berichtete außerdem von einem Mann, der in dem Wald in einem Erdloch hausen soll, bedeckt mit einem Holzverschlag. Dieser "Waldmensch" sei von einer Kamera an einer Futterstelle für Rehe aufgenommen worden. "Die Sache mit dem Waldmenschen können wir aber weder bestätigen noch dementieren", so Wenzel.

Zeugen gesucht

In Mecklenburg-Vorpommern seien inzwischen Straftäter, die wegen eines ähnlichen Deliktes inhaftiert waren, überprüft worden. Bis Montagabend habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass einer von ihnen als Verdächtiger in Frage kommt.
Die Ermittler suchen jetzt Zeugen. "Die Joggerin trug eine Hose mit blauem Streifen auf beiden Seiten, die unten in ein Dreieck auslaufen", so Isabel Wenzel. Außerdem weißgraue Puma-Turnschuhe und blaue Söckchen mit türkisfarbenen Rand. Die Ermittler wollen wissen: Wer hat Anna-Lena U. am Sonntagmorgen gesehen? Und wer hat am Sonntag oder in den Tagen zuvor Personen beobachtet, die mit der Tat im Zusammenhang stehen könnten?

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