Alltag ohne Strom: Bis zu 15 000 Menschen betroffen

 Angelika Passenheim.
Angelika Passenheim.

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02. Februar 2013, 01:14 Uhr

Eutin | Vor lauter Scham habe sie fürchterlich geweint, berichtet Angelika Passenheim, als ihr vor acht Jahren der Strom in ihrer Wohnung abgestellt wurde. Drei ihrer Kinder wohnten damals noch bei ihr. Sie waren 11, 13 und 15 Jahre alt. Sie habe ihren Kindern neue Kleidung kaufen müssen, da blieb kein Geld mehr für die Stromrechnung übrig.

So wie der 58-jährigen Eutinerin geht es immer mehr Menschen im Land. Der Hauptgrund für diese Entwicklung sei die Ökostromumlage (EEG-Umlage), die zu kräftigen Preisanstiegen geführt hat, wie Thomas Hagen bestätigte. "Die Zahl der Bürger ohne Strom in Schleswig-Holstein ist beachtlich", sagte der Pressesprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Er schätzt, dass derzeit zwischen 10 000 und 15 000 Bürger in Schleswig-Holstein ohne Strom auskommen müssen.

Diese Zahl könne durchaus steigen, denn zahlreiche Stadtwerke in Schleswig-Holstein drohen mit weiteren Abschaltungen. "Wir beobachten seit knapp einem Jahr eine steigende Tendenz bei den Abschaltungen und eine grundsätzlich schlechtere Zahlungsmoral", sagt Nikolaus Schmidt, Sprecher der Stadtwerke Neumünster. Dort wurde zum Jahreswechsel der Strompreis um 14,3 Prozent erhöht, der Bundesdurchschnitt liegt bei elf Prozent. 2012 wurde der Strom bei rund 1100 der rund 70 000 Kunden abgestellt, sagt Schmidt. Eine ähnliche Entwicklung ist in zahlreichen anderen Städten im Land zu erkennen. In Kiel werden monatlich etwa 170 Zähler von den Stadtwerken gesperrt. Von deren 160 000 Kunden verfügen derzeit knapp tausend über keinen Strom. Besorgniserregend ist die Lage im Kreis Pinneberg. Dort droht über 1400 Haushalten die Abschaltung. Allein bei den Stadtwerken Elmshorn beläuft sich die Zahl der von Abschaltung bedrohten Kunden auf 900. In Husum kamen im vergangenen Jahr auf 14 200 Kunden 146 Abschaltungen.

In Eckernförde beläuft sich die Zahl der Abschaltungen auf 40 bis 50. "Angesichts der weiter steigenden Energiepreise rechnen wir aber mit einem Anstieg der Kunden, die ihre Rechnung nicht mehr begleichen können oder wollen", erläutert Vertriebsleiter Heiko Lohnert. Einige Stadtwerke, wie die in Eutin, waren zu keiner Stellungnahme bereit.

Dabei muss es nicht zwangsläufig zu einer Stromabschaltung kommen, wie Verbraucherzentrale-Sprecher Hagen betont: "Betroffene sollten mit ihrem Versorger in Kontakt treten, um nach einer Lösung zu suchen." Ein häufig gewählter Ansatz sei die Vereinbarung von Ratenzahlungen.

Bevor Energieversorger den Strom abklemmen, müssen sie damit mindestens vier Wochen zuvor in einer Mahnung gedroht haben. Außerdem müssten sich die Forderungen an den Kunden auf mindestens 100 Euro belaufen. "Zudem besteht die Möglichkeit, sich an eine Schuldnerberatung oder an eine unserer Filialen zu wenden", bemerkt Karsten Marzian, Leiter des Jobcenters Eutin.

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