Fischer in Friedrichskoog : Allein im Hafen

Trotz aller Probleme: Marko Rohwedder (rechts) und Gordon Mewes können sich ein Leben ohne Krabbenkutter nicht vorstellen.
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Trotz aller Probleme: Marko Rohwedder (rechts) und Gordon Mewes können sich ein Leben ohne Krabbenkutter nicht vorstellen.

Die Landesregierung ist extrem knapp bei Kasse. Daher will sich das Land von fünf Häfen an der Westküste trennen. Am härtesten trifft es Friedrichskoog.

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10. Februar 2011, 11:19 Uhr

Friedrichskoog | Finanzielle Sorgen, eingeschränkte Fangzeiten, eine erdrückende Bürokratie und die Angst vor der Hafenschließung - warum also weitermachen? "Ja, Tausend Mal", schießt es aus ihm heraus, bevor die Frage gestellt ist. Ans Auf geben denkt Marko Rohwedder (45) immer dann, wenn die Preise für die Krabben im Keller sind. Wenn der Diesel für den 258 PS-Motor teurer wird. Wenn es wieder eine neue Auflage der Fischereiaufsicht gibt. Wenn zu wenig Krabben im Netz sind. Und wenn er an die drohende Schließung des Hafens denken muss. Rohwedder ist der letzte Fischer, der ausschließlich seinen Fang in Friedrichskoog (Dithmarschen) anlandet. Fünf weitere fahren ihren Heimathafen nur gelegentlich an, die anderen sind längst in Büsum zu Hause.
Schon seit Anfang Dezember liegt Marko Rohwedder im Hafen fest - der frühe und harte Winter. Wieder hinaus geht es nicht vor März. Vier Monate ohne Einkommen. "Ich habe 20.000 Euro von meinem Gesparten nehmen müssen, um über den Winter zu kommen. Jetzt ist nichts mehr da", erzählt der Vater von drei Kindern.
Drei Euro sind Minimum
Und die neue Saison verspricht auch nichts Gutes. Auf Fangfahrt sind im Winter nur die großen Schiffe. Nur noch 1,60 Euro pro Kilo erhielten die Fischer vorige Woche. Dass sich der Preis bis zum Frühjahr erholt, ist eher unwahrscheinlich. "Wir müssen drei Euro haben, das ist das absolute Minimum", betont Rohwedder, der vom Vorsitzenden des Fischereivereins, Dieter Voss, ergänzt wird: "Ein Fischer mit einem Kutter wie diesem braucht pro Fangwoche einen Umsatz von etwa 10.000 Euro. Fangmenge und Preis müssen sich da einpendeln." Wenn jemand 10.000 Euro pro Woche liest, höre sich das nach Wunder was an, wirft Rohwedder ein. Er rechnet die Kostenseite vor: Allein zwischen 1000 und 1500 Euro Diesel sind es in der Woche. Dann die sozialen Lasten und die Reparaturen am Schiff.
Ganz zu schweigen von den Fangbegrenzungen. Nur 72 Stunden dürfen die Krabbenfischer pro Woche auf Fangfahrt sein. Doch was ist, wenn an drei Tagen Sturm ist? "Ich habe schon überlegt, ob es nicht besser ist, für jemanden zu fahren. Meine Kumpels, die alle eine feste Anstellung haben, leben sorgenfreier."
"Wir wollen nicht für unsere Arbeit bestraft werden"
Marko Rohwedder ohne Schiff? Unvorstellbar. Als er vor 15 Jahren den alten Holzkutter durch einen modernen Stahlkutter ersetzen wollte, lag zwischen Verkauf und Kauf eine Woche, in dem er kein Schiff hatte. Es war eine grauenhaft lange Woche. "Ich bin krank geworden." Es steckt eben drin. Gleich nach der Schulzeit ging Marko an Bord des familieneigenen Kutters. Es dauerte nicht lange, da war der junge Fischer auf sich allein gestellt - "Vater wollte in Rente."
Mit 30 Jahren wagte Rohwedder den Kauf eines 15 Meter langen Stahlschiffes, taufte es "Zenit". Das Schiff hat einen Tiefgang von nur 1,40 Meter, ist besonders für den küstennahen Krabbenfang geeignet. "Das ist ein Wattenmeer-Kutter, mit dem ich in den Prielen unterwegs bin. Woanders kann ich damit nicht fahren", erklärt der Krabbenfischer und fügt nachdenklich hinzu: "Deshalb habe ich ja auch Panik, dass ich aus dem Wattenmeer verjagt werde. Dabei fische ich naturschonend. Mein Fanggeschirr ist leicht, meine Maschine ist klein."
Die Angst vor neuen Gesetzen und Auflagen - Vertrauen in die Politik haben die meisten deutschen Fischer schon lange nicht mehr. Sie fühlen sich im Stich gelassen, wünschen sich eine starke Lobby wie ihre Berufskollegen in Holland und Dänemark. "Wir wollen nicht für unsere Arbeit bestraft werden", sagt Rohwedder. Denkt er jetzt wieder ans Aufhören. Nicht wirklich. Das weiß auch seine "große Tochter", die gerade zwölf ist. "Sie will unbedingt mit an Bord", erzählt stolz der Papa und freut sich insgeheim schon wieder auf die erste Fangfahrt im Frühjahr.

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