Nord- und Ostsee : Algen profitieren vom Klimawandel

Eingefangen:  Ronja Soppa (l. ) und Magdalena Schmidt  haben die Entwicklung von Grünalgen unter den Bedingungen des Klimawandels untersucht. Foto: Müller
Eingefangen: Ronja Soppa (l. ) und Magdalena Schmidt haben die Entwicklung von Grünalgen unter den Bedingungen des Klimawandels untersucht. Foto: Müller

Das Urteil ist eindeutig: "Die Meere werden saurer - und damit kommen vor allem die Algen gut zurecht."

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20. Juli 2013, 09:39 Uhr

Kiel | Das haben vier Schüler der Anne-Frank-Schule in Bargteheide (Kreis Stormarn) jetzt herausgefunden. Eine Woche waren die 18-jährigen Abiturienten mit ihrem Betreuer Dr. Christian Pansch auf dem kleinen Forschungsschiff Aldebaran in Nord- und Ostsee unterwegs - auf der Jagd nach Algen. "Grünalgen, die jeder vom Strand kennt, haben wir jede Menge gefunden", sagt Schülerin Magdalena Schmidt. An Bord packten die Schüler, die alle Biologie-Leistungskurs belegt haben, die Algen in Wasser, von dem Wissenschaftler vermuten, dass es so im Jahr 2300 aussehen könnte. Deswegen reicherten die Schüler das Wasser mit Kohlendioxid an, der PH-Wert sank, das simulierte Meer wurde saurer. "In den vergangenen 50 Jahren ist der Kohlendioxidgehalt im Meer massiv angestiegen, und wir gehen davon aus, dass 30 Prozent des CO2 in der Atmosphäre vom Meer absorbiert wird", sagt Christian Pansch. Mit verheerenden Auswirkungen. Denn auf die Algen wirkt das CO2 wie eine Art Dünger, deswegen blühen sie stärker.
Die Fressfeinde der Algen profitieren aber nicht so eindeutig vom Klimawandel, wie die Schüler ebenfalls im Experiment herausgefunden haben. Die Folge könnte sein, dass bei einer weiteren Erwärmung der Meere die Algen etwa Korallenriffe in den internationalen Meeren verdrängen. Dafür reiche schon eine Erwärmung der Meere um 1,5 Grad aus. Dazu könnten immer mehr absterbende große Algen den Sauerstoff am Boden der Meere knapp werden lassen, ebenso wie die Zunahme der Mikroalgen (siehe nebenstehender Bericht). "Es ist damit zu rechnen, dass es immer mehr Sauerstoffminimumzonen geben wird, die jetzt schon in der Ostsee vorkommen", sagt Pansch. Die Folgen für andere Organismen seien noch gar nicht abzusehen.
Und ganz anders als die Mikroalgen werden die Grünalgen oder der Blasentang, den Strandbesucher am Flutsaum finden, auch das Auge der Touristen stören, wenn sie in Massen an den Küsten landen. Den Schülern aus Bargteheide macht diese Vorstellung jedenfalls ein bisschen Angst. "Es ist klar, dass wir was gegen die Versauerung der Meere tun müssen", sagt Torben Steiner. "Da können wir nicht einfach nur zusehen." Beim Meereswettbewerb entwickeln Schüler eigene Forschungsideen, die von einer wissenschaftlichen Jury begutachtet werden. Die Gewinnerteams dürfen unter Anleitung eines Wissenschaftlers eine Woche lang auf Expeditionsfahrt an Bord der Aldebaran gehen.

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