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"Auf die Lokalzeitung ist Verlass" : Albig ehrt Zeitungszusteller

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Tag für Tag sorgen die Zusteller dafür, dass am frühen Morgen die frische Zeitung im Briefkasten liegt - dafür wurden sie geehrt.

Molfsee | Nicht immer ist das Wetter so optimal für die Zeitungszustellerinnen und -Zusteller im Norden wie am Freitag: Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen standen einmal diejenigen ganz im Vordergrund, die oft unbemerkt die Tageszeitung in den Briefkasten stecken - und doch dem Verlag ein persönliches Antlitz verleihen. Im historischen Restaurant Drathenhof in Molfsee bei Kiel ehrte gestern Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gut 70 Männer und Frauen, die die Leserinnen und Leser im Lande zwanzig und mehr Jahre mit den aktuellsten regionalen Nachrichten versorgen.

Allein vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) gehörten 29 von ihnen zu den Geehrten. "Sie sind Freund, Ansprechpartner und Bindeglied zu unseren Abonnenten", würdigte der Vorsitzende des Verbands der Zeitungsverlage Norddeutschlands (VZN) und frühere Sprecher der Geschäftsführung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z), A. Asghar Azmayesh, die Zusteller für ihre langjährigen Dienste, "kaum jemand kennt die Situation vor Ort so gut wie Sie." Die Menschen vertrauten dem gedruckten Wort, fügte Azmayesh hinzu, "Zeitung bildet den Gegenpol zur Globalisation und ist und bleibt die wichtigste und beliebteste Informationsquelle. Auf die Lokalzeitung ist Verlass - und das ist Ihnen zu verdanken."

Sonderwünsche werden erfüllt

Menschen wie Gerda Ohm, die im hohen Alter von 74 Jahren immer noch gern die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (LZ) in ihrem Heimatort Büdelsdorf austrägt. "Klasse, dass das anerkannt wird", freute sie sich über die goldene Medaille des VZN für ihr 30-jähriges Engagement. Bereits 1960 begann Gerda Ohm, die als Flüchtlingskind aus Westpreußen in den Norden gekommen war, Zeitungen zuzustellen. Sie lernte Platt und war schnell bei den Kunden beliebt, bevor sie eine Pause einlegte und 1983 wieder einstieg. Gut erinnert sie sich noch an die Zeiten, in denen sie selbst das Zeitungsgeld kassierte - "die Landwirte legten den Betrag in den Küchenschrank, ich hinterließ die Quittung", berichtete sie von dem vertrauensvollen Verhältnis zu den Abonnenten, das noch heute bestehe: "Wir kennen uns schon lange, unsere Kinder gingen zusammen zur Schule." Manche würden sie sogar zum Frühstück einladen, erzählte Gerda Ohm lächelnd. Weil der Kontakt so gut sei, erfülle sie auch gern Sonderwünsche: Mülleimer raustragen, Zeitung im Urlaub für die Kunden zu Hause aufbewahren oder den Nachbarn bringen - "die können sich immer darauf verlassen", sagte Gerda Ohm. Die Bewegung an der frischen Luft halte sie fit: "Ich möchte das noch lange weitermachen, ich bin mit Freude dabei."

Ähnlich geht es Malinda Brodersen, die das Flensburger Tageblatt und die Schleswiger Nachrichten in Jörl (Kreis Schleswig-Flensburg) verteilt - seit 20 Jahren. "Die Freude überwiegt", sagte die 70-Jährige, die morgens die Bewegung nicht missen möchte - auch wenn sie sich im letzten Winter bei Eisglätte einen Wirbel angebrochen habe: "Wenn ich ausschlafen kann, geht es mir nicht so gut."

Albig, der Zeitungsmensch

Das wiederum behauptete der Ministerpräsident nicht von sich. Freimütig berichtete ein gut gelaunter Torsten Albig bei der Ehrung, er habe morgens selten das Klappern des Briefschlitzes gehört: "Um so mehr freue ich mich, einmal die Gesichter dazu kennenzulernen." Respekt zollte er den Zustellerinnen und Zustellern für ihre "Verdienste an unserem Land", besonders vor dem Hintergrund, dass er als junger Mann selbst Anzeigenblätter verteilt habe: "Was war das anstrengend und mühsam verdientes Geld", sagte er, während die Gäste zustimmend nickten: "Und ich habe das nachmittags gemacht, musste nicht in aller Frühe raus."

Albig bekannte sich als Zeitungsmensch - "seit meinem zehnten Lebensjahr beginnt mein Tag mit der Zeitung. Ohne sie kann ich gar nicht anfangen zu regieren", sagte er mit einem Augenzwinkern. Im Hinblick auf die Investition des sh:z in das neue Verlagsgebäude in Flensburg zeigte er sich zuversichtlich, dass die gedruckte Zeitung Zukunft hat: "Ich bin sicher, dass sich dies auszahlen wird. Die Menschen wollen das Produkt haben."

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erstellt am 10.Aug.2013 | 03:46 Uhr

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