A20-Weiterbau : Albig bringt Tunnel in Bad Segeberg wieder ins Spiel

Trassenpläne: Die Varianten für die A20 bei Bad Segeberg.
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Trassenpläne: Die Varianten für die A20 bei Bad Segeberg.

Nach dem Baustopp für die Autobahn 20 soll nun eine Variante geprüft werden, die die Vorgängerregierung bereits ausgeschlossen hatte.

shz.de von
14. November 2013, 06:54 Uhr

Bad Segeberg | Nach dem gerichtlichen Baustopp für die A20 will die Landesregierung nun auch wieder eine eigentlich schon verworfene Linienführung für die Autobahn bei Bad Segeberg prüfen – einen Tunnel durch die Stadt auf der Trasse der jetzigen B206 mit einer Fortführung der A20 nördlich der bisher geplanten Strecke.

Nachdem Ministerpräsident Torsten Albig im Interview mit dem sh:z gesagt hatte, dass diese „technisch gar nicht so unsinnige Variante“ von der damaligen Regierung „vielleicht zu früh“ ausgeschlossen worden sei, bestätigte gestern Albigs sozialdemokratischer Parteifreund und Verkehrsminister Reinhard Meyer, dass er auch diese Trasse erneut prüfe. „Im Lichte des Gerichtsurteils nehmen wir alle Varianten noch mal unter die Lupe“, sagte Meyer. Er betonte allerdings, dass die „Nordtrasse“ selbst mit einem kurzen 200-Meter-Tunnel gleich 32 Millionen Euro teurer wäre als die bisher geplante.

Zwar hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Land nur verpflichtet, südlichere Trassen genauer darauf hin zu prüfen, ob sie umwelt- und fledermausfreundlicher als die derzeit gewählte sind. Dabei geht es etwa um die von den klagenden Naturschutzverbänden angeregte „durchgehende Schwissel–Linie“ oder die „weite Südumfahrung“. Die Nordtrasse dagegen durften die Planer mit Recht ausschließen – mussten es aber nicht. Allerdings sprachen die hohen Kosten bald dagegen.

Dieses Argument stellt Albig jetzt jedoch in Frage: „Am Ende kann es noch teurer werden, wenn erst mal überhaupt nicht gebaut werden kann“, sagte er. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld war gestern überrascht vom Vorstoß seines Parteifreunds: „Mit uns hat niemand gesprochen.“ Er lehnt den Tunnel unter der Stadt ab: „Hier wünscht sich das keiner.“

Die südlicheren Routen allerdings sieht das Land kritisch, weil durch sie die verkehrspolitischen Ziele nicht so gut zu erreichen wären. So würde ein Verschwenken der A20 nach Schwissel die Fahrt zwischen Schleswig-Holsteins größten Städten Kiel und Lübeck erschweren: Entweder wäre sie dann länger als eigentlich möglich – oder die Autofahrer müssten den Weg zwischen A20 und A 21 abkürzen, indem sie mitten durch Bad Segeberg fahren.

Hinzu kommt, dass die südlicheren Trassen nicht an Wittenborn vorbeiführen und daher auch Teile des nächsten A20-Abschnitts neu geplant werden müssten. Zudem würden weniger Menschen von der Autobahn-Anbindung profitieren: Während in Wittenborn, Wahlstedt und Fahrenkrug 12.000 Leute leben, sind es im Gebiet um Schwissel nur 3000.

Und auch die Kompromisslösung hat einen Haken: Bei der „abzweigenden Schwissel-Linie“ würde die A20 erst weiter südlich verlaufen, dann aber kurz mit der A21 verschmelzen – um weiter nördlich wieder auf eigener Trasse nach Westen abzuknicken. Das Problem dabei ist: Das Ein- und Ausfädeln des A20-Verkehrs auf dem kurzen A21-Stück birgt hohe Unfallrisiken.

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