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Brunsbüttel : AKW-Inspektion: Weitere Rostfässer entdeckt

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In der Kaverne des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel lagern 118 Fässer mit Atommüll. Einige davon sind so rostig, dass bereits Inhalt ausgetreten ist.

Brunsbüttel | Bei den Inspektionen der Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel sind weitere stark korrodierte Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gefunden worden. Dies teilt das Ministerium für Energiewende am Mittwoch mit. Anders als in bisherigen Fällen ist aufgrund der starken Beschädigungen teilweise Inhalt von Fässern ausgetreten. Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter des Kernkraftwerks und für die Bevölkerung bestünden nicht, da die Kavernen durch meterdicke Betonriegel von der Umgebung abgeschirmt seien, teilte die Atomaufsicht auf der Grundlage von Zwischenergebnissen mit. Die Inspektion der Kaverne soll im Laufe des nächsten Monats abgeschlossen sein.

Bei dem ausgetretenen Inhalt handelt es sich vermutlich um Verdampferkonzentrat aus der Behandlung von radioaktiv kontaminiertem Wasser. Dieses Konzentrat hat sich stellenweise in breiiger Form auf dem Boden der Kaverne II gesammelt. Die Fässer waren vor rund 30 Jahren in der Kaverne eingelagert worden. Die Abfälle enthalten trotz der jahrzehntelangen Abklingzeit noch relevante Mengen an radioaktivem Cäsium 137, einem typischen Spaltprodukt beim Betrieb von Kernkraftwerken.

Die Atomaufsicht des Energiewendeministeriums hat bei den Inspektionen im Innern der Kaverne eine Luftfeuchtigkeit von knapp 75 Prozent festgestellt. Die Behörde geht deshalb davon aus, dass das Verdampferkonzentrat seinerzeit vor der Einlagerung nicht ausreichend getrocknet worden war. In der Kaverne befinden sich 118 Fässer, darunter 46 sogenannte Altfässer, die in den Jahren 1983 bis 1985 in den Kavernen eingelagert wurden. Bis zum 19. August wurden 40 Fässer vollständig inspiziert. An zehn Fässern wurden starke Auffälligkeiten festgestellt.

Angesichts der Befunde ist die Atomaufsicht der Auffassung, dass das bislang von Vattenfall entwickelte Spezial-Konzept zur Bergung der korrodierten Fässer nicht ausreichen wird, um eine sichere Handhabung der zu gewährleisten. Nach Einschätzung der Behörde lässt sich zumindest eines der nun inspizierten Fässer nicht mehr anheben, weil der Deckel nicht mehr vollständig mit dem Fass verbunden ist.

Energiewendeminister Robert Habeck erklärte: „Ich erwarte von Vattenfall, dass die Inspektionen fortgesetzt werden und parallel mit Hochdruck an einem geeigneten Bergungskonzept gearbeitet wird. Die Fässer müssen schnellstmöglich geborgen werden, damit sich ihr Zustand nicht noch weiter verschlechtert“. Es gelte, eine weitere Verunreinigung der Kaverne durch kontaminierte Flüssigkeit zu vermeiden. Das sei für die Sicherheit jener Mitarbeiter wichtig, die zu einem späteren Zeitpunkt die Kaverne nach der Räumung reinigen müssen. Die Fässer sollen im kommenden Jahr geborgen, in endlagergerechte Gebinde umgefüllt und in die Lagereinrichtungen verbracht werden, bis das Endlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, Schacht Konrad, zur Verfügung steht.

„Eine systematische Kontrolle der Fässer ist bis zum Jahresbeginn nicht erfolgt. Das Konzept bestand anscheinend eher darin, auf die Inbetriebnahme von Schacht Konrad zu warten. Der Umgang mit Atommüll jeglicher Art erfordert aber eine penible Sicherheitskultur. Das muss ein Gebot der Zukunft sein“, sagte Habeck. Vattenfall hatte der Atomaufsicht den Sachverhalt am Montag als meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N 2.4.1 gemeldet.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 12:19 Uhr

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