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Steigende Zahl der Obdachlosen : Akute Wohnungsnot: Immer mehr Menschen in SH sind ohne Bleibe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Diakonie spricht von einer „erschreckenden Zunahme“. Vor allem Frauen und junge Männer aus der Mitte der Gesellschaft sind betroffen.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2015 | 06:30 Uhr

Kiel | Wohnungen für Obdachlose zu finden, wird in Schleswig-Holstein immer schwerer. Ihre Zahl steigt nach einer Erhebung des Diakonischen Werks seit Jahren und liegt mittlerweile geschätzt bei 10.000. Die Zunahme sei „erschreckend“, sagte Landespastor Heiko Naß am Mittwoch und hat ein festes Kontingent an bezahlbaren Wohnungen gefordert, für das Land und Kommunen sorgen müssten.

Das Klischee des klassischen Penners, oft Alkoholiker oder drogensüchtig, trifft nach Darstellung der Diakonie-Experten die Realität schon lange nicht mehr. „Es sind Gescheiterte aus der Mitte der Gesellschaft“, betont Naß. So treffe Obdachlosigkeit auch immer mehr Frauen und junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren. Zudem sei der Anteil der psychisch Kranken in den Notunterkünften enorm gestiegen.

Trotz wirtschaftlichen Wachstums und einer sinkenden Arbeitslosigkeit haben im vergangenen Jahr allein in Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster rund 4600 Menschen die diakonischen Beratungsstellen und Notunterkünfte in Anspruch genommen, zehn Prozent mehr als 2012. Und sie bleiben immer länger dort, weil bezahlbarer Wohnraum auf dem Markt immer knapper und die Konkurrenz immer größer wird. Ilona Pabjanczyk, Diakonie-Referentin für Wohnungslose: „Studenten, Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehende und Flüchtlinge drängen ebenfalls in das preiswerte Segment.“ Das senke die Chancen von Wohnungslosen, die „in der Beliebtheitsskala bei Vermietern nicht ganz oben stehen“.

Für die Notunterkünfte hat das dramatische Folgen: Im Bodelschwingh-Haus in Lübeck mussten Obdachlose auf den Fluren übernachten, in Kiel wurden Notbetten in die Gemeinschaftsräume gestellt. „Und weil die Personaldecke gleich geblieben ist, stehen wir kurz vor dem Kollaps“, warnt Michael Schmitz-Sierck von der evangelischen Stadtmission in Kiel. Neben einem Kontingent an günstigen Wohnungen fordert Landespastor Naß deshalb auch, die seit Jahren eingefrorenen Mittel für die Wohnungslosenhilfe der aktuellen Situation anzupassen.

Laut Diakonie gelingt es momentan, jährlich 30 Prozent der Obdachlosen mit Wohnungen zu versorgen. Sie in bezahlbaren Gegenden auf dem Land unterzubringen, lehnt der Landespastor kategorisch ab. „Dort wären sie isoliert, weit entfernt von den Hilfsstrukturen, die sie brauchen, um wieder in der Mitte der Gesellschaft anzukommen.“

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