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Studie aus Lübeck : Ärzte und Apotheker verstehen Beipackzettel falsch

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Zu Risiken und Nebenwirkungen den Arzt oder Apotheker fragen? Laut einer Studie der Uni Lübeck verstehen die oft selbst nicht, was mit „häufigen“ und „seltenen“ Nebenwirkungen gemeint ist.

Lübeck | Die Formulierungen auf Medikamenten-Beipackzetteln zur Häufigkeit von Nebenwirkungen sind so unverständlich, dass auch Experten sie oft falsch interpretieren. So hätten nur vier von 100 befragten Medizinern die Bedeutung des Begriffes „häufig“ im Zusammenhang mit Nebenwirkungen richtig zuordnen können, sagte Andreas Ziegler vom Institut für Medizinische Biometrie und Statistik der Universität zu Lübeck am Dienstag. Für die Studie der Universität Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hatten er und seine Kollegen insgesamt 1000 Ärzte, Apotheker und Juristen befragt.

„Wenn schon Fachleute das Risiko von Nebenwirkungen überschätzen, wie muss es dann erst den Patienten ergehen“, sagte Ziegler. Es bestehe die Gefahr, dass sie aus Angst auf ein an sich notwendiges Medikament verzichteten. „Die Tatsache, dass auch Ärzte und Apotheker die Risiken falsch einschätzen, verstärkt dieses Problem womöglich noch“, sagte Ziegler. Das Ergebnis der Studie wurde im „Deutschen Ärzteblatt International“ veröffentlicht.

Die befragten Experten - 600 Mediziner, 200 Apotheker und 200 Juristen - sollten angeben, was es bedeutet, wenn ein Medikament laut Beipackzettel „häufig“, „gelegentlich“ oder „selten“ Nebenwirkungen hat. „Die größten Probleme gab es bei dem Begriff "häufig". Hier gab die Mehrheit der Ärzte eine Nebenwirkungsrate von 60 Prozent an. Laut Definition des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beträgt die jedoch zehn Prozent, was nur vier von 100 befragten Medizinern wussten“, sagte die Mitautorin der Studie, Inke König.

Die vom BfArM festgelegten Begriffe geben die prozentuale Häufigkeit von Nebenwirkungen an. Dabei heiß „häufig“, dass unerwünschte Wirkungen in einem Prozent bis zu unter zehn Prozent der Fälle auftreten. „Gelegentlich“ sind Nebenwirkungen, wenn sie 0,1 bis weniger als 1 Prozent der Fälle betreffen, „selten“ meint, dass 0,01 bis weniger als 0,1 Prozent der Patienten unerwünschte Reaktionen auf ein Medikament entwickeln. „Insgesamt haben Apotheker bei allen Begriffen besser abgeschnitten als die anderen Berufsgruppen. Doch es hat uns sehr überrascht, wie häufig Experten das Risiko von Nebenwirkungen überschätzen“, sagte Ziegler. Er fordert deshalb, die Beipackzettel zu überarbeiten. „Die Formulierungen passen nicht und entsprechen nicht der Umgangssprache. Besser als eine Angabe von Prozentwerten wäre zum Beispiel eine Aussage wie „Bei einem von 100 Patienten tritt diese oder jene Nebenwirkung auf“, sagte Ziegler. Das BfArM dagegen hält die aktuellen Formulierungen für angemessen. „Wir wollen die Verbraucher über alle denkbaren Risiken informieren, dazu hat man sich auf die vorliegende Form geeinigt“, sagte der Pressesprecher des Instituts, Maik Pommer.

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erstellt am 15.Okt.2013 | 16:23 Uhr

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