Bovenau : Ärger um den Stolperstein

Der  Stein des Anstoßes
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Der Stein des Anstoßes

Der Streit um den "Stolperstein" in Bovenau (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zur Erinnerung an das NS-Opfer Ilse Emma Burgdorf sollte im Herbst beigelegt sein.

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09. Januar 2009, 01:51 Uhr

Bovenau | Doch obwohl die Nichte des Opfers, Ilse Burgdorf, und der Vorstand des Diakoniewerks Kropp, Pastor Jörn Engler, sich auf eine neue Inschrift geeinigt hatten, liegt der alte Stein immer noch in Bovenau. Den vereinbarten Termin ließ der Kölner Künstler Gunter Demnig verstreichen. Mit ihm habe es bislang keine Gespräche über einen Austausch gegeben, sagte Demnig.

Anfang Juni 2008 war in Bovenau ein "Stolperstein" für Ilse Emma Burgdorf verlegt worden. Sie hatte als Kind in Bovenau gelebt und war nach einer Fehlimpfung im Kleinkindalter geistig behindert. Mit 15 Jahren kam sie in die Diakonissenanstalt Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg), wo sie 1941 starb.

Initiatorin des "Stolpersteins" war ihre Nichte Ilse Burgdorf aus Ahrensburg (Kreis Stormarn). Ihre Tante sei nach Misshandlungen gestorben, sagte sie bei der Verlegung. Sie beruft sich auf ihren Großvater, der damals als Arzt den Sarg geöffnet habe.

Doch das Diakoniewerk wehrte sich gegen die Behauptung, Ilse Emma Burgdorf sei in Kropp ermordet worden. Es gebe weder im Archiv noch bei Zeitzeugen Hinweise darauf, sagte Engler. Im Gegenteil: Der damalige Arzt habe alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um die geistig behinderten Frauen vor den Nazis zu schützen. Erst 1942 habe die Diakonissenanstalt auf politischen Druck eine Liste mit geistig behinderten Bewohnerinnen abgegeben. 432 Opfer seien daraufhin deportiert worden. Von den meisten sei bekannt, dass sie umgebracht wurden. Das Diakoniewerk habe seine NS-Vergangenheit fundiert aufgearbeitet. Ein Gedenkstein auf dem Gelände erinnere an die zahlreichen Opfer.

Burgdorf und Engler hatten sich im September nach einer Aussprache auf einen gemeinsamen neuen Text geeinigt. Auf dem alten Stein heißt es: "Ermordet 26.7.1941, Diakonieanstalt Kropp, Offizielle Todesursache ,Tod nach Impfung." Demnig hatte als neuen Text vorgeschlagen: "Tot am 26.7.1941 in Diakonieanstalt Kropp, Ursache unklar". Ein Stein mit dem korrigierten Text sollte Anfang Oktober, spätestens aber im November 2008 fertig gestellt werden.

Der neue Stein sei noch nicht bezahlt, und zudem habe er derzeit familiäre Probleme, sagte Demnig. Er lege viel Wert darauf, dass die Angaben auf seinen Stolpersteine stimmen. Ob sie korrekt seien, müsse aber vor Ort geklärt werden. Er komme gern nach Bovenau, um den neuen Stein zu verlegen. Als "Auftrag" verstehe er das aber nicht. Er sei Künstler und kein Handwerker.

Seit 1996 hat Demnig rund 17 000 Steine in etwa 350 Orten in Deutschland und europäischen Nachbarländern gesetzt. Finanziert werden sie durch Spenden. Ein Stein kostet 95 Euro.

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