Neue Show : Adelige Norddeutsche spielen "Bauer sucht Frau"

Der Familiensitz<mbu /> von  Benedikt von Hobe findet sich in Düttebüll.
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Der Familiensitz von Benedikt von Hobe findet sich in Düttebüll.

Mutig oder peinlich? Bei dem neuen Sendeformat "Gräfin gesucht" von Sat.1 ist es diesmal der Adel, der auf Freiersfüßen geht.

shz.de von
23. Juni 2008, 09:03 Uhr

Der Postbote hat ordentlich zu tragen. Deutlich mehr Briefe als sonst, die meisten handschriftlich geschrieben und nett verziert, erreichen in letzter Zeit das Gut Wulfshagen. Und immer häufiger kommen dorffremde Damen in die Gemeinde, um sich das herrschaftliche Anwesen näher anzuschauen. Mit dem großen Ansturm Heiratswilliger rechnen die Tüttendorfer aber erst im Spätsommer. Dann nämlich startet das neue Fernsehformat, das Adelige unter die Haube bringen will - ein Tüttendorfer ist mit dabei.

Wurde bei dem RTL-Quotenerfolg "Bauer sucht Frau" noch in Gummistiefeln und Latzhose im Kuhstall oder Heuhaufen nach der Frau fürs Landleben gesucht, wird es nun standesgemäß. Sat.1 kontert mit einer Brautschau im Adelsmilieu.

Geboten wird, was schon in Märchen überzeugte. So darf mit Candle-Light-Dinnern am Ahnentisch, Jagdausflügen hoch zu Ross und Ruderpartien auf einem See voller Entengrütze gerechnet werden. Vier adelige Singles hatten bis Mai in kurzen Fernsehspots eine Partnerin gesucht. Welche Frauen sich von ihrer Buhlerei angesprochen fühlten und ob Amors Pfeil trifft, zeigt der Privatsender ab August in acht Folgen.
Eine Soap, die zur Sache kommt
Derart offensiv auf Freiersfüßen zu gehen, erscheint alles andere als Gutsherrenart. Dabei ist die Kuppelshow einem der vier Kandidaten zu verdanken: Graf Moritz zu Reventlow sieht aus wie einer, der in der Schule gern vorn saß. Er trägt Bundfaltenhosen und Pullunder. Seine Wangen sind rosig, seine blonden Haare zur Seite gekämmt. Sein Besitz ist jenes 600-Hektar-Gut in der Gemeinde Tüttendorf vor den Toren Kiels. "Meine Nichten wollten, dass ich mich bei ,Bauer sucht Frau bewerbe", so der 38-Jährige. Weil ihm das Format jedoch nicht zusagte, bastelte der Land- und Betriebswirt an einem eigenen Showkonzept und vermarktete es. Herausgekommen ist die neue Soap, die zur Sache kommt.

Dass die Zukünftige 25 bis 37 Jahre alt sein und Humor haben sollte, verrät der Schleswig-Holsteiner in seinem Fernsehtrailer, während die Kamera zum Pfau im Garten, zur Pferdekutsche im Stall und zum feinsten Porzellan auf dem Kaminsims schwenkt. Nur bitte "keine Perlenkette im Faltenrock" und "keine spießige Elbschleiche", wünschte sich Graf Moritz zu Reventlow, der einem 900 Jahre alten Adelsgeschlecht aus Dithmarschen angehört, kürzlich in einem Presseinterview. "Sie kann aussehen wie Cora Schumacher, in Pink mit Glitzer. Eine Frau soll schließlich auch ein bisschen Spaß in die Stube bringen." In den vergangenen Tagen fanden bereits die ersten Treffen mit acht auserwählten Kandidatinnen statt, darunter je eine Ärztin, Volkswirtin, Psychologin und Notargehilfin. Zwei von ihnen werden eine Woche beim Grafen zur Probe wohnen und in dieser Zeit auf Herz und Manieren getestet.
Er sucht eine, die "nicht faul ist"
Neben dem laut Sat.1 "attraktiven Gutsherren" bietet der Privatsender für jeden Frauentyp etwas. "Der gesellige Familienmensch" ist ein Bayer, die anderen beiden Blaublütigen sind für norddeutsche Frauen dagegen in greifbarer Nähe. Das Gutshaus von Benedikt von Hobe (47) steht in Düttebüll. "Der humorvolle Romantiker hat alles, was man sich erträumt", heißt es in dem Trailer über den Mann aus Angeln, der eine "naturverbundene Frau fürs Leben sucht, die immer für einen Spaß zu haben ist". "Der charismatische Unternehmer" Constantin von zur Mühlen (44) ist geschieden, lebt in einer Stadtvilla in Hamburg und spielt Polo. Er sucht eine, "die nicht faul ist". Ach, und gut fünfzehn Jahre jünger solle sie sein (25 bis Anfang 30) sowie sehr attraktiv. Die Herren scheinen zu wissen, was sie wollen - noblesse oblige. Zumindest aber muss die Gräfin in spe selbst nicht aristokratisch sein. Irgendwie gerecht, denn genau genommen sind drei der Nochjunggesellen zwar adelig, aber keine Grafen, wie Sat.1 zugibt.

In seiner Heimatgemeinde Tüttendorf ist der bindungswillige Graf längst Gesprächsthema. Eine hochherrschaftliche Hochzeit, ja, das wäre eine willkommene Abwechslung im Dorf. So haben viele einen Rat für ihren Grafen bereit. "Um die Richtige zu finden, muss er gar nicht in die Ferne schauen", glaubt zumindest Klaus Juschkat, der Bürgermeister der 1162-Seelen-Gemeinde. "Im Dorf gibt es genug schöne Frauen." Ihm gefalle der Fernsehrummel, weil er Touristen ins Dorf bringe. Insbesondere, da einen Monat nach Sendebeginn erstmalig das Ochsenfest auf dem Gut Wulfshagen gefeiert wird. Mehrere tausend Besucher werden erwartet, "besonders, wo man im Fernsehen ist", errechnete sich bereits der findige Graf. "Wenn nicht in der Show, dann findet er vielleicht dort eine Frau", kann sich Edith Kettenburg vom Café "Alte Schule" am Gut vorstellen. Dass die Liebe schon ihren Weg findet, davon ist wiederum Henry Gernandt von "Biggis Parkbistro" in Tüttendorf überzeugt. Eine Show oder viel Firlefanz sei gar nicht nötig. "Ich habe meine Frau vor 34 Jahren direkt auf der Straße angesprochen."
Gewinner: Gattin und gedecktes Konto
Doch einmal abgesehen davon, ob die vier Standesgenossen nun eine liebende Gattin finden oder nicht. Eines ist ihnen jetzt schon sicher: das liebe Geld. Ihre öffentliche Balz lassen sich die Blaublütigen märchenhaft vergüten. Das Honorar gibt Sat.1 nicht preis, von 80.000 bis 180.000 Euro ist in Tüttendorf die Rede. "Dafür bekomme ich mein Dach gedeckt", soll Graf zu Reventlow geäußert haben. Eine Summe, für die man selbst in Adelskreisen in Kauf nimmt, ins Gerede zu kommen. "Denn spätestens ein halbes Jahr, nachdem die Sendung vorbei ist, hört das doch sowieso wieder auf", glaubt der Graf zu wissen. Und mit etwas Glück liegt bis dahin eine Gattin im Ehebett und der Gewinn sicher auf dem Konto. Happy End im Adelshaus.

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