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"Bis an die Grenze" : Acht Millimeter Berliner Mauer

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50 Jahre Mauerbau: Gerald Grote und Claus Oppermann zeigen in ihrem Film "Bis an die Grenze" beeindruckende Aufnahmen von Hobbyfilmern aus Berlin.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2011 | 07:19 Uhr

Sie füllen Meter von Regalwänden - Filme über die Berliner Mauer. Mit ihrem neuesten Werk "Bis an die Grenze" liefern die Kieler Regisseure Gerald Grote und Claus Oppermann einen weiteren Beitrag, allerdings aus einer noch nie gezeigten Perspektive: Schmalfilmaufnahmen dokumentieren das Leben östlich und westlich des Bauwerks, das 28 Jahre lang die Hauptstadt teilte.
98 Filmer aus Deutschland, Österreich und den USA meldeten sich auf den Aufruf von Grote und Oppermann, die bereits die Entwicklung der Kieler Woche und die Schneekatastrophe im Winter 1978/79 mit Hilfe von Aufnahmen in 16 und acht Millimeter sowie Super-8 zu einmaligen Reportagen verarbeitet haben. 250 Filme sammelten sie persönlich ein, um sie zum Digitalisieren ins Kopierwerk zu bringen. 50 Stunden Rohmaterial kamen zusammen. "Viel zu viel", sagt Grote. Da war es zu verschmerzen, dass seine Hoffnung, bei der Stasi-Behörde unter den einst konfiszierten Filmen interessanten Stoff zu finden, enttäuscht wurde. "89.000 Super-8-Filme lagern dort, die noch nicht gesichtet und deshalb nicht freigegeben sind", bedauert Grote, der sich fragt, ob sich jemals jemand dieser Mammutaufgabe annehmen wird. Auch das Bundesarchiv, dessen Türen sich nach drei Monaten Wartezeit für die Regisseure öffneten, brachte nichts Brauchbares zutage.

Grenzkontrolle mit Kamera unter der Jacke gefilmt
Unter den privaten Streifen stießen die Regisseure dafür auf erstaunliche Szenen. Wie die von Detlef Höselbarth aus Berlin. "Er hat in seinem Auto unter einer Jacke eine Kamera aufgestellt und so die Fahrt durch die Grenzkontrolle von Ost- nach West-Berlin gefilmt", berichtete Grote. "Das war sehr mutig. Ich möchte nicht wissen, was ihm passiert wäre, hätten die Kontrolleure das entdeckt." Auch bei den Maifeierlichkeiten schreckte Höselbarth nicht davor zurück, seine Kamera einzuschalten und sich damit unter die marschierenden Soldaten zu mischen.
Zu den Highlights zählt für Grote und Oppermann außerdem der Beitrag von Ingrid Heinrich aus Schaalby im Kreis Schleswig-Flensburg: "Kleine Omi kommt nach Westberlin". Er greift das Passierscheinabkommen auf, das Rentnern erlaubte, in den Westen zu ziehen. "So wurde dringend benötigter Wohnraum frei, und die DDR sparte die Rentenzahlung", erklärt Oppermann. Diese Minuten zeigten, wie es möglich war, mit Schmalfilm eine kleine Geschichte zu erzählen, schwärmt der Regisseur.
Gänsehaut bei Pfeifkonzert und Sprechchören
Ein besonderer Schatz ist das Tondokument von Günter Scheler aus Berlin - eine Aufnahme, die am 13. August 1961 vor dem Brandenburger Tor entstand. Gänsehaut ist garantiert, wenn das Pfeifkonzert der Menschen aus dem Lautsprecher ertönt und die Rufe "Wir wollen kein zweites Budapest" im Raum verhallen.
Musikalisch unterlegt sind die bewegenden Bilder mit Kompositionen von Chris Evans, der schon die ersten beiden 8-mm-Projekte der Kieler begleitete, und passenden Songs der Geschichte wie der Hit "Sag mir wo Du stehst" von der Gruppe "Oktoberklub" oder "Berlin, Berlin" von "John F. und die Gropiuslerchen".
Oppermann und Grote sind sich bewusst, dass sie nicht allein sind mit ihrer Arbeit zu dem Thema. "Aber es ist außergewöhnliches Material mit einer aufgeregten Handschrift, das aus privatem Antrieb entstanden ist", sagt Oppermann. "Ich bin begeistert, wie Claus es zusammengestellt hat. Nun sind wir gespannt, wie es ankommt", fügt Grote hinzu. Die Premiere ist am Donnerstag, 11. August in Berlin mit Gregor Gysi und Egon Bahr. Ab dem 3. Oktober geht der Film auf Deutschland-Tour.
(sum, shz)

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