Bildungsbericht : Abgehängt - erst mit 20 in die Lehre

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In Schleswig-Holstein haben es Jugendliche besonders schwer - die Schulabbrecherquote ist hoch, vor der Ausbildung steht oft die Warteschleife.

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23. Juni 2012, 11:37 Uhr

Kiel/Berlin | In Schleswig-Holstein haben Jugendliche beim Start ins Berufsleben besonders große Probleme: Sie bleiben überdurchschnittlich oft ohne Schulabschluss. Und sie haben es ungewöhnlich schwer, gleich nach der Schule einen Ausbildungsplatz zu finden. Das geht aus dem am Freitag in Berlin vorgestellten vierten deutschen Bildungsbericht hervor.
Zwar hat sich die Lage der Schulabgänger im nördlichsten Bundesland seit der Veröffentlichung des letzten Bildungsbericht vor zwei Jahren etwas verbessert. So sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von fast 2700 auf zuletzt 2200 im Jahr. Die Quote der Abbrecher ist mit 7,1 Prozent aber nach wie vor die höchste aller westdeutschen Flächenländer - und das, obwohl der Anteil der bildungsfernen Elternhäuser in Schleswig-Holstein der zweitniedrigste in den alten Ländern ist.
Abgehängt in der Warteschleife des "Übergangssystems"
Noch kritischer sieht es auf dem Ausbildungsmarkt im Norden aus: Nur 46 Prozent der Lehrstellenbewerber erhalten einen Job in einem Betrieb. 38 Prozent landen dagegen erst mal abgehängt in den Warteschleifen des "Übergangssystems" und machen Berufsvorbereitungskurse. Auch diese Quote ist nicht mehr ganz so hoch wie vor zwei Jahren - aber immer noch die zweithöchste in Deutschland. Bundesweit liegt sie nur bei 29 Prozent; 51 Prozent kommen in einer Firma unter. Der Rest findet einen Platz in der schulischen Ausbildung für Gesundheits- oder Erziehungsberufe.
Das Durchschnittsalter der Ausbildungsanfänger hat sich im Norden in den letzten drei Jahren sogar stetig erhöht - um fast ein halbes Jahr auf 19,5 Jahre. Viele starten also erst mit 20 oder später ins Berufsleben. Das allerdings ist im Bundesdurchschnitt genauso, weil der Grund hierfür nicht nur in den Warteschleifen liegt, sondern vor allem im deutschlandweit gestiegenen Alter der Hauptschulabsolventen.
Übergangssystem muss angepasst werden
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) sagte, sie wolle die noch zu hohe Zahl an Schulabbrechern durch Investitionen in die Lehrerausbildung für das Fach "Deutsch als Zweitsprache" sowie in Kitas senken. "Bildungsbiografien entscheiden sich im Vorschul- und Grundschulbereich", erklärte sie.
Die Probleme beim Übergang ins Berufsleben würden dagegen schon deshalb bald kleiner, weil besonders die Energiewende viele Lehrstellen schaffe. Die Regionaldirektorin der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann sagte, das Übergangssystem verliere an Bedeutung und müsse "bedarfsgerecht angepasst" werden: "Es ist in einer Zeit entstanden, in der wir deutlich weniger Ausbildungsplätze als Bewerber hatten." Das habe sich aber "grundlegend geändert".

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