Kohltage : Aber der Schnaps schmeckt nicht

Es gibt gleich drei Kohlregentinnen. Die amtierenden sind Sonja, Ineke und Urte (von links). Foto: dpa
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Es gibt gleich drei Kohlregentinnen. Die amtierenden sind Sonja, Ineke und Urte (von links). Foto: dpa

Reisebusse voller Touristen steuern derzeit das Kohl-Mekka Dithmarschen an. Im "Kohlosseum" erfahren sie, was man aus dem gesunden Gewächs alles machen kann.

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19. September 2008, 07:19 Uhr

Kohlrouladen und Sauerkraut kennen alle, Kohlpudding zumindest jene, die sich Europas Kohl-Mekka Dithmarschen schon einmal kulinarisch genähert haben. Es gibt auch Sauerkraut-Saft, Weißkohl-"Fruchtaufstrich", Kohlbrot und Gemüsemix auf koreanische "Kimchi"-Art - überzeugte "Kohlianer" haben dies alles schon probiert.
Dass Kohl aber auch gegen Hautprobleme helfen soll, wissen wohl nur jene, die auf die Erfindungen von Hubert Nickels schwören. Während der gerade laufenden alljährlichen Kohltage erzählt der "Krautmeister" im nahe der Nordseeküste gelegenen "Kohlosseum" in Wesselburen noch mehr Besuchern als sonst, dass er auch eine Salbe gegen Schuppenflechte, Gürtelrose oder Neurodermitis im Angebot hat und auch ein Shampoo gegen Kopfjucken und Schuppenflechte.
Bio-Weißkohlsaft ist der entscheidende Bestandteil der Mittel, die der Lebensmitteltechniker nach Selbstversuchen mit Kohlblättern gegen eine Gürtelrose ersonnen hat. Auch wenn Nickels von der lindernden Wirkung überzeugt ist, verspricht er keine Wunder, zum Beispiel bei seinem Weißkohl-Shampoo: "Es fördert nicht den Haarwuchs".
Kohl mit Mandeln und Krokant
Täglich sechs Reisebusse mit kohlinteressierten Besuchern betreut Nickels derzeit in seiner "Krautwerkstatt" in Wesselburen. Er führt ihnen die von ihm erfundene Gärung des Weißkohls im Glas vor, mit der er viele wertvolle Inhaltsstoffe rettet, die sonst bei Erhitzung auf dem Weg zum Sauerkraut verlorengehen, er lässt sie vom Salat mit Mandeln, Krokant und Nüssen probieren, und er warnt davor, den vitaminreichen Kohl zerkochen zu lassen. "Es ist am gesündesten, das Kraut roh und kalt zu verzehren", sagt Nickels.
Das kleine Museum eine Etage über der "Krautwerkstatt" verweist auf krebs- und bakterienhemmende Wirkung von Kohl, der in Dithmarschen so präsent ist wie sonst wohl nirgendwo. 80 Millionen Kohlköpfe - also einer für jeden Deutschen - machen die Region zum größten geschlossenen Anbaugebiet in Europa. Nur fünf Prozent davon verspeisen die Schleswig-Holsteiner. Der dickste Kohlkopf bisher brachte mehr als 16 Kilogramm auf die Waage, berichtet Museumsleiter Achim Krumbiegel. Das muss nicht die Grenze sein, findet Kohlexperte Martin Kehl und offenbart seinen Traum: "Ich möchte mal einen Kohlkopf finden, der 20 Kilo wiegt".
Ein großer Traum ist übrigens bislang auch für "Krautmeister" Nickels unerfüllt geblieben, denn natürlich hat der Erfinder diverser Kohlprodukte auch schon an Kohlwein und Kohlschnaps experimentiert - erfolglos. Sein kurzes wie ernüchterndes Fazit: "Schmeckt nicht".

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