Wilfried Erdmann, Arved Fuchs & Co. : Abenteurer zur See: Im Kampf mit den Elementen

Allein auf seinem Segelboot Kathena: So segelte Wilfried Erdmann um die Welt.
Allein auf seinem Segelboot Kathena: Wilfried Erdmann segelte zweimal nonstop um die Welt.

Mit dem Tretboot über den Atlantik, Überwintern im Packeis, Nonstop um die Welt: Einige der mutigsten Seeleute leben in SH.

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09. Oktober 2018, 22:06 Uhr

Als Wilfried Erdmann am 7. Mai 1968 in Helgoland festmachte, glaubte ihm niemand, dass er gerade von einer 421-tägigen Weltumsegelung zurückkehrte. Ein zersauster junger Mann ohne Segelschein mit einem nur 7,62 Meter langen Boot? Um die Welt? Unmöglich, befand der Deutsche Segler Verband. Doch eine genaue Überprüfung seiner Logbücher und der Nachweis des tropischen Bewuchses am Unterwasserschiff zeigten: Erdmanns Geschichte stimmte. Er war der erste deutsche Weltumsegler.

Der damals 25-Jährige hatte sich im spanischen Alicante ein kleines Boot gekauft, erhielt vom berühmten Bernard Moitessier ein paar Unterrichtseinheiten in Astronavigation und legte im September 1966 schließlich ab. Die Karibikinsel Barbados verfehlte er um 100 Seemeilen, weil er neben dem Sextanten zunächst weder Uhr noch Radio dabei hatte – und ohne Uhrzeit eine korrekte Längengradbestimmung nicht möglich ist. Stattdessen landete er auf St. Vincent, segelte dann via Panama nach Tahiti. Die Wurmlöcher seines Holzrumpfes stopfte er mitten auf dem Pazifik mit Streichhölzern – und erreichte schließlich über das Kap der guten Hoffnung nach insgesamt 30.322 Seemeilen und vier Stürmen wohlbehalten Cuxhaven. Viele weitere Reisen folgten, darunter zwei Nonstop-Weltumsegelungen – einmal in 271 Tagen mit dem Wind, einmal auf die richtig harte Tour – 343 Tage gegen die vorherrschende Windrichtung. Seit jener ersten Reise heißen alle seine Boote 'Kathena' – wie der erste kleine Kielschwerter, mit dem alles begann. Nur eines seiner vielen Boote hat er behalten: "Kathena Nui", mit der er die zwei Weltumsegelungen durchgestanden hat. Mit ihr und Ehefrau Astrid wohnt Erdmann an der Schlei.

Der mehrfache Weltumsegler Wilfried Erdmann in seinem Garten nahe der Schlei.
imago/Felix Jason

Der mehrfache Weltumsegler Wilfried Erdmann in seinem Garten nahe der Schlei.

 

Eine spektakuläre Pioniertat gelang 1967 auch dem Möllner John Adam. Er überquerte den Atlantik von England aus mit einer Leisure 17, einem nur 5,18 Meter langen Kimmkieler, eigentlich konstruiert für küstennahe Fahrt. Adams Atlantiküberquerung endete nach 32 Tagen relativ abrupt an einem kubanischen Strand – völlig erschöpft nach tagelangem Sturm wurde er dort zunächst von kubanischen Militärs als Spion verhaftet und verschwand für einige Wochen im Gefängnis. Als er schließlich freikam, gründete er in seiner Heimatstadt die Firma Windpilot und konstruierte Selbststeueranlagen, bis er die Firma im Tausch gegen eine Segelyacht wieder abgab. Mit seiner dramatischen Atlantiküberquerung begründete er den Ruf der Leisure 17 als seetüchtiges kleines Segelwunder.

Einen Superlativ nach dem anderen sammelt seit Jahrzehnten der Bad Bramstedter Abenteurer und Polarforscher Arved Fuchs. Er umrundete Kap Hoorn im Winter mit dem Faltboot, durchsegelte mehrfach die legendäre Nordwest-Passage und umrundete zum ersten Mal den Nordpol mit seinem umgebauten Haikutter "Dagmar Aaen", mit dem er auch mehrfach im Packeis überwinterte.

Der Polarforscher Arved Fuchs steht kurz vor Beginn seiner neusten Expedition an Bord seines Segelschiffes „Dagmar Aaen“.
dpa

Der Polarforscher Arved Fuchs an Bord seines Segelschiffes „Dagmar Aaen“.

 

Für einen guten Zweck, nämlich um auf die Unterdrückung der braslilianischen Yanomami-Indianer aufmerksam zu machen, machte sich 1987 der Abenteurer und Aktivist Rüdiger Nehberg auf den Weg: Mit einem selbstgebauten Tretboot überquerte er in 64 Tagen den Atlantik. Gegen seine Angst vor dem Wasser absolvierte er vorab ein Training bei den Kampfschwimmern der Bundeswehr in Eckernförde – danach war er kuriert.

 Abenteurer Rüdiger Nehberg: „Den Löffel – den gebe ich noch lange nicht ab.“
Michael Staudt
Abenteurer Rüdiger Nehberg hat mit einem Tretboot den Atlantik überquert.
 

Auch die Extremsportlerin Janice Jakait stach für einen guten Zweck in See: In einem Ruderboot hat sie als erste Deutsche in 90 Tagen allein und ohne Begleitboot den Atlantik überquert, um für das Projekt 'Row for Silence – Rudern für die Stille' auf das Thema Unterwasserlärm hinzuweisen. Von November 2011 bis Februar 2012 war sie unterwegs, 90 Tage benötigte sie von Portugal bis Barbados. An Bord ihres sieben Meter langen Glas- und Kohlefaserbootes 'Bifröst': 250 Kilogramm Lebensmittel und viel zu wenig Zigaretten, so dass Jakait am Ende getrockneten Tee rauchte.

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