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Nach Schnee in SH : A1: Zwei schwere Unfälle hintereinander

vom

Ein umgekippter Lkw auf der A1, mehrere Verletzte auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen: Neuschnee erschwert am Montagmorgen das Vorankommen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Rettungskräfte sind auch am Abend noch im Einsatz.

Hamburg | Der Morgen begann mit rund fünf Zentimetern Neuschnee noch weitgehend glimpflich. Doch am Vormittag krachte es auf den Straßen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Die A1 musste zwischen der Raststätte Buddikate und dem Kreuz Bargteheide in beide Richtungen gesperrt werden, nachdem ein Gefahrgut-Lkw umgekippt war. Der Lastwagenfahrer wurde dabei in seinem Führerhaus eingeklemmt. Der 44-Jährige aus dem niedersächsischen Stade wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Feuerwehrleute aus Großhansdorf mussten anschließend Kohlenwasserstoffe in verschiedenen Fässern Stück für Stück aus dem Lastwagen holen, bevor dieser geborgen werden konnte.

Die Vollsperrung von Lübeck in Richtung Hamburg wurde am Mittag aufgehoben. Gleiches gilt für die Sperrung von Hamburg in Richtung Lübeck ab Ahrensburg – zwei Fahrstreifen bleiben aber weiterhin gesperrt. Derzeit ist eine Spezialfirma mit Aufräum- und Reinigungsarbeiten beschäftigt. Es hatten sich in beide Richtungen Staus von mindestens 10 Kilometern gebildet. Die Feuerwehr hatte Mühe, an die Unfallstelle zu gelangen, weil Lkw- und Autofahrer im Stau keine Rettungsgasse gebildet hatten.

Der Unfall blieb nicht der einzige auf der A1. Am Ende des Staus gerieten mehrere Lkw und ein Sprinter wegen des Staus in Richtung Süden ineinander. Der Fahrer des Sprinters wurde lebensgefährlich verletzt, sein Beifahrer schwer. Betriebsstoffe liefen aus den Fahrzeugen aus. Zwischen Bad Oldesloe und Bargteheide ist die Autobahn in Richtung Hamburg noch bis in die Abendstunden gesperrt. Der Verkehr wird an der Anschlusstelle Bad Oldesloe umgeleitet.

Zum Hergang: Ein 53-jähriger Sattelzugfahrer aus Diepholz in Niedersachsen hatte das Stauende – nach dem ersten Unfall auf der A1 – zu spät gesehen, geriet beim Bremsversuch ins Schleudern und knallte in einen Sprinter. Letzterer wurde durch den Aufprall gegen einen anderen Sattelzug gedrückt. Der 46-jährige Sprinter-Fahrer aus Mecklenburg-Vorpommern wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt und musste von der Feuerwehr „herausgeschnitten“ werden. Der 53-Jährige erlitt leichte Verletzungen und musste ebenfalls – wie die beiden Insassen des Sprinters – ins Krankenhaus gebracht werden.

Auf der L328 bei Nienkattbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurden drei Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Ein Mann und eine Frau waren mehr als eine Stunde lang in den Trümmern ihres Fahrzeuges eingeklemmt. Die Feuerwehr aus Rendsburg musste das Auto mit hydraulischem Gerät weitgehend zerlegen, um die beiden zu befreien. Die Landesstraße war rund zwei Stunden voll gesperrt. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war ein Fahrzeug, das Richtung Rendsburg unterwegs war, aufgrund der Schneeglätte ins Schleudern geraten und dann auf der Gegenfahrbahn frontal mit dem Wagen des Paares zusammengeprallt.

Auf der Kreisstraße 71 bei Wesenberg (Kreis Stormarn) wurde eine 43 Jahre alte Frau in ihrem Fiat Punto verletzt, als sie in einer scharfen Linkskurve die Kontrolle über ihren Wagen verlor. Die Polizei vermutet, dass die Frau für die Witterungsverhältnisse zu schnell unterwegs war.

Ein Frontalzusammenstoß auf schneeglatter Fahrbahn bei Neumünster ging am Morgen überraschend glimpflich aus. Auf der Bundesstraße 430 verlor ein 33-Jähriger in Höhe Aukrug (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nach einem Bremsmanöver die Kontrolle über sein Auto und stieß frontal mit dem entgegenkommenden Wagen eines 44-Jährigen zusammen. Beide Fahrer hatten nach Angaben der Polizeidirektion Neumünster Glück im Unglück und blieben unverletzt: Mäßige Geschwindigkeit und das Auslösen der Airbags verhinderten offenbar Schlimmeres, hieß es. Ihre Autos mussten abgeschleppt werden. Der Sachschaden wurde auf insgesamt rund 8000 Euro geschätzt.

Auch auf der B199 bei Dollerup im Kreis Schleswig-Flensburg gab es einen Frontalzusammenstoß, bei dem die beiden Beteiligten verletzt wurden. Eine 45-Jährige rutschte gegen 7.20 Uhr in den Gegenverkehr und fuhr in einen Sprinter, nachdem sie wegen der Glätte die Kontrolle über ihren Wagen verloren hatte. Der ebenfalls 45 Jahre alte Fahrer wurde leicht verletzt, die Frau musste mit Kopfverletzungen in die Diako nach Flensburg gebracht werden. Die B199 musste für die Rettungs- und Bergungsarbeiten kurzfristig gesperrt werden.

In Hamburg-Wellingsbüttel rutschte ein Linienbus gegen einen Mast, der sich durch eine der Türen bohrte. Sieben Menschen wurden dabei nach Angaben der Polizei leicht verletzt. Die Feuerwehr sprach von fünf Verletzten. Zwischen 3 und 10 Uhr zählte die Polizei 53 Unfälle mit Blechschäden; mehr als die Hälfte davon seien nach 8 Uhr gemeldet worden, sagte ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale. Dabei blieb es jedoch meist bei Blechschäden. Seit dem frühen Morgen sind mehr als 900 Einsatzkräfte der Stadtreinigung mit rund 350 Fahrzeugen unterwegs, um Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit Busverkehr sowie ausgewählte Gehwege zu räumen.

Auf den Autobahnen stockte an vielen Stellen der Verkehr. Auf der A23 zwischen Tornesch und Hamburg-Nordwest stauten sich die Autos auf zwölf Kilometer. Am frühen Morgen war ein Mercedes kurz hinter der Abfahrt Krupunder gegen die Leitplanke gekracht, der Fahrer wurde leicht verletzt. Am Maschener Kreuz auf der A7 bildete sich ein Stau von zehn Kilometern. Zum stockenden Verkehr sei es vor allem gekommen, „weil alle Verkehrsteilnehmer vorsichtig und besonnen gefahren sind“, sagte ein Polizeisprecher. Die Verspätungen bei Bussen und Bahnen blieben nach Angaben der Hamburger Hochbahn aber für einen Montagvormittag im normalen Rahmen.

Am Hamburger Flughafen mussten zum ersten Mal in diesem Winter die Startbahnen im Wechsel für Schneeräumungen gesperrt werden. Dadurch kam es im Flugverkehr nach Angaben des Hamburg Airport zu einigen Verspätungen von etwa 30 Minuten.

Der Deutsche Wetterdienst sagt für Schleswig-Holstein und Hamburg einsetzendes Tauwetter voraus. Durch Schneematsch und überfrierende Nässe bleibt es glatt. Ein neuer Tiefausläufer bringt feuchte und mildere Luft vom Atlantik.

Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein rät generell bei Eis und Schnee:

Hydranten von Schnee freihalten.

Schlecht oder gar nicht geräumte Wege können das Eintreffen der Einsatzkräfte verzögern. Im Notfall kann die Suche nach einem zugeschneiten Unterflurhydranten für die notwendige Wasserversorgung kostbare Zeit in Anspruch nehmen. Der Landesfeuerwehrverband bittet Hausbesitzer und Mitbürger um Mithilfe, die Hydranten sowie Hydrantenhinweisschilder von Eis und Schnee freizuhalten – auch wenn der Schneepflug wieder den Schnee auf den Bürgersteig schiebt. Damit wird auch vermieden, dass unbeabsichtigt auf einem mit Schnee oder Eis bedeckten Unterflurhydranten abgestellte Fahrzeuge zeitaufwendig wieder entfernt werden müssen.

Eiszapfen von Dächern selbst entfernen.

Eiszapfen können eine Gefahr darstellen, machen aber nicht immer den Einsatz der Feuerwehr erforderlich. Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Mieter können von einem Balkon, einem Wohnungsfenster oder einer Dachluke aus zum Beispiel mit einem Besenstiel erreichbare Eiszapfen abstoßen. Eine andere Person sollte den Gehweg absperren. Die Eiszapfen sollten abgestoßen werden, bevor sie eine gefährliche Größe erreicht haben.

Schneewehen auf Dächern beseitigen.

Auch Schneewehen, die von Dächern auf Fußgängerbereiche zu stürzen drohen, erfordern nicht immer den Einsatz der Feuerwehr. Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Mieter sollten bei der Beseitigung der Schneewehen genauso vorgehen wie beim Abstoßen der Eiszapfen. Erst wenn mit Eigenmitteln nichts erreicht werden kann, sollte die Feuerwehr gerufen werden.

Gullis freihalten.

Bei einsetzendem Tauwetter kann das Schmelzwasser von Höfen, Parkplätzen usw. oft nicht abfließen, weil die Gullis eingefroren sind. Die Folge davon ist, dass das Schmelzwasser in nahe gelegene Kellerräume läuft und dort Schäden verursacht. Um das zu vermeiden, sollten auch die Gullis auf Höfen, Parkplätzen o.ä. rechtzeitig freigelegt und aufgetaut werden.

Wasser- und Heizungsleitungen richtig auftauen.

Drehen Sie Heizkörper nie ganz ab. Wählen Sie mindestens die gekennzeichnete Frostschutzstellung. Sollten Wasserleitungen dennoch eingefroren sein, tauchen Sie diese keinesfalls mit offener Flamme auf sondern verwenden Sie in heißes Wasser getränkte Tücher oder einen Fön.

Bei offenem Feuer muss Rauch abziehen können.

Achten Sie beim Heizen mit offenem Feuer (etwa in einem Kamin) auf den korrekten Abzug der Gase. Auf jeden Fall sollte bei einem Brand so schnell wie möglich die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmiert werden.

Auch wenn sich auf Gewässern eine verlockende Eisschicht gebildet hat, ist sie meistens noch zu dünn, um Menschen zu tragen. Die Feuerwehr rät deshalb, sie nicht zu betreten, solange sie nicht von den Behörden freigegeben wurden.

Nicht alleine aufs Eis gehen.

Nehmen Sie örtliche Warnhinweise ernst. Kindern müssen die Gefahren erklärt werden. Vermeiden Sie einsame Ausflüge auf dem Eis. Bei einem Unfall kann es sonst sein, dass niemand Hilfe holen kann.

Nur gleichmäßige Flächen betreten.

Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: nicht betreten. Wenn Sie bereits auf dem Eis sind: Flach hinlegen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen, zum Ufer robben (möglichst wenig ruckartige Bewegungen).

Dunkle Stellen im Eis meiden.

Vorsicht ist nicht nur bei fließendem Gewässer, verschneiter Oberfläche und bewachsenem Ufer geboten; auch an Ein- und Ausflüssen kann die Eisdicke plötzlich abnehmen. Vor allem an dunklen Stellen kann das Eis zu dünn sein – hier droht Einbruchgefahr!

Weg zum Ufer frei schlagen.

Innerhalb weniger Minuten in rund drei bis vier Grad kaltem Wasser erschlaffen die Muskeln, der Körper erlahmt, die eingebrochene Person geht unter. Wer einbricht, sollte versuchen, sich vorsichtig am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen. Wenn das Eis weiter bricht, kann man sich mit Fäusten oder Ellenbogen einen Weg zum Ufer frei schlagen.

Hilfe über 112 rufen.

Rufen Sie im Unglücksfall sofort über den Notruf 112 Hilfe bzw. organisieren Sie, dass jemand einen Notruf absetzt! Vor allem bei unübersichtlichem Gelände kann ein Einweiser an einer markanten Wegkreuzung die Anfahrt der Rettungskräfte erleichtern.

Nicht selbst in Gefahr begeben.

Helfer sollten sich nicht selbst in Gefahr bringen: Eigensicherung beachten (Leinen/Schwimmweste/Rettungsring), nicht zu weit hinaus wagen. Wer sich zum Helfen auf die Eisfläche begibt, sollte dafür eine Unterlage (Leiter, Bretter, Zaun, Hockeyschläger) verwenden, um das Gewicht zu verteilen. Die Hilfsmittel kann man der eingebrochenen Person zuschieben. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage oder Äste machen die Rettung leichter. Hilfreich können auch an Gewässern aufgehängte Rettungsringe sein.

Gerettete Menschen nicht mit Schnee abreiben.

Gerettete in warme Decken (Rettungsdecke) oder Jacken hüllen, vorsichtig erwärmen, nicht als „Hausmittel“ mit Schnee abreiben.

Mit Tee wärmen.

Unterkühlten Personen keinen Alkohol geben, stattdessen möglichst warmen Tee reichen.

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erstellt am 27.01.2014 | 13:50 Uhr

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